Die internationalen Rentenmärkte boten in der vergangenen Woche ein gemischtes Bild. In den USA gibt es erste Zeichen einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Dementsprechend gaben die Renditen dort leicht nach. Ganz anders präsentiert sich die Situation in der Eurozone. Hier zeigt sich die Konjunktur weiterhin recht robust und die Teuerung hält an. Prompt kam es zu Kursrückgängen im Rentensegment. Vor diesem Hintergrund gehen die Marktbeobachter fast unisono von einer weiteren Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag aus. Angesichts dieses Szenarios verwundert es auch nicht, dass der Wechselkurs des US-Dollar zum Euro deutlich nachgab.

USA: Schwache Arbeitsmarktdaten zeigen Wirkung Das Geschehen in den Vereinigten Staaten wird zur Zeit von zwei Faktoren bestimmt. Der Kapitalmarkt befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen Inflationsdruck und den ersten Anzeichen eines sich abkühlenden Wirtschaftswachstums. In diesem Zusammenhang wird bereits wieder öfters das Wort Stagflation in den Mund genommen. Dies wären schlechte Nachrichten sowohl für Aktien- als auch für Rentenanleger. Der Preisauftrieb in Amerika hält unverändert an. Hierbei spielen insbesondere die jüngsten Ölpreissteigerungen eine wichtige Rolle. Erst am Pfingstmontag kletterten die Notierungen um rund 1 Prozent auf 73 Dollar je Barrel (Brent), womit sie sich ihrem im Februar erreichten Rekordstand von 75 Dollar erneut bedrohlich nähern. Auslöser war der wieder aufflammende Atomkonflikt zwischen den westlichen Staaten und Iran. Die Drohung Irans, im Falle von Wirtschaftssanktionen den Ölhahn zuzudrehen, zeigte sofort Wirkung.

Ein weiteres wichtiges Thema war der am vergangenen Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht, der überraschend schwach ausgefallen war. Die Volkswirte waren im Durchschnitt von 175.000 neu geschaffenen Stellen im Mai ausgegangen. Tatsächlich stieg diese Zahl nur um 75.000. Zudem nahm der Lohndruck ab. Auch der gestern veröffentlichte ISM-Index für Dienstleistungen ging leicht zurück. Die Daten weisen auf eine Verlangsamung des immer noch hohen Wirtschaftswachstums hin. Angesichts der vorliegenden Daten wird es immer schwieriger, die nächsten Aktionen der Federal Reserve Bank vorherzusagen. Noch vor kurzem galt eine weitere Anhebung des US-Leitzinses bereits Ende Juni als ausgemachte Sache. Inzwischen gilt dies nicht mehr als sicher und das Ende des laufenden Zinserhöhungszyklus der Fed scheint in Sichtweite zu kommen. Per saldo ging die Rendite zehnjähriger Treasuries in der vergangenen Woche um 3 Basispunkte zurück. Sie liegt damit nur noch knapp über fünf Prozent.

US-Dollar: Fortsetzung des Abwertungstrends

Die Aussicht auf eine langsamer expandierende US-Wirtschaft hat dort zuletzt für Beruhigung an der Zinsfront gesorgt. Dagegen ist in der Eurozone der Wachstumsmotor noch in vollem Gange. Dementsprechend ist mit weiteren Zinserhöhungen durch die EZB zu rechnen. Der hierdurch sinkende Zinsabstand zwischen Amerika und der Eurozone hat zu einem weiteren Rückgang des US-Dollarkurses gegenüber dem Euro geführt. So musste man vergangen Freitag wieder 1,29 US-Dollar für einen Euro zahlen. Zur Zeit spricht vieles dafür, dass die Dollar-Erholung, die wir Mai gesehen hatten, nur ein kurzes Intermezzo war. Der Greenback dürfte weiter zur Schwäche neigen.

Eurozone: Gebanntes Warten auf EZB-Zinsentscheid

Die europäischen Rentenmärkte gaben in der abgelaufenen Woche nach. Erst am Freitag kam es im Gefolge der enttäuschenden US-Arbeitsmarktzahlen zu einer leichten Erholung. Per saldo stieg die Rendite 10jähriger Bundesanleihen um 12 Basispunkte auf 4,0 Prozent. Die vier vor dem Komma ist also wieder erreicht. Diese Woche steht ganz im Zeichen der EZB-Sitzung am Donnerstag. Eine Zinserhöhung gilt angesichts der deutlichen Preissteigerungen und der kräftigen Geldmengenausweitung in der Eurozone als so gut wie sicher. Die Marktauguren streiten nur noch darüber, wie hoch die Zinsentscheidung der EZB ausfallen wird. Am wahrscheinlichsten ist eine Anhebung des Refinanzierungssatzes um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent. Eine großer Zinsschritt um 50 Bp ist zwar auch im Gespräch, doch ist das hiesige Wirtschaftswachstum noch nicht so überbordend, dass solch ein Marktsignal nötig wäre. Zudem kann sich die EZB ihr Pulver für eventuelle weitere Zinsschritte trocken halten. Besonders aufschlussreich sollte in diesem Zusammenhang der genaue Wortlaut der Erklärung von EZB-Präsident Trichet sein.

Ausblick:

Aus Amerika werden in dieser Woche nur wenige wichtige Konjunkturzahlen erwartet. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor wurde bereits gestern veröffentlicht. Am Freitag dürften die Handelsbilanzdaten für April und die Importpreise im Mai weiteren Aufschluss über die Währungs- und Inflationsentwicklung in Amerika geben. Bezüglich Europa erwarten wir am Mittwoch den Auftragseingang in Deutschland für April. Das Highlight der Woche ist die Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag. Ansonsten werden jeweils am Dienstag, Donnerstag und Freitag in Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland die nationalen Industrieproduktionsdaten für April veröffentlicht.

Quelle: Union Investment

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