Der zeitweise leichter tendierende Ölpreis lieferte zusammen mit guten US-Konjunkturdaten zwar positive Impulse, doch gaben die amerikanischen Aktienmärkte nach der Leitzinserhöhung ihre Gewinne wieder weitgehend ab. Freundlich tendierten Europa und Japan.

USA: Fast unverändert

Die amerikanischen Börsen tendierten per saldo fast auf dem Niveau der Vorwoche. Von Seiten der Konjunktur kamen zwar positive Signale. So ist das Verbrauchervertrauen im Juni auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert und das BIP-Wachstum im ersten Quartal wurde auf 3,8 Prozent erhöht. Auch der Chicago Einkaufsmanagerindex fiel besser als erwartet aus. Allerdings reagierten die Anleger vor allem auf die Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank mit Verkäufen. Die Anhebung um ein Viertelprozentpunkt auf nun 3,25 Prozent wurde von Äußerungen über weitere maßvolle Zinsschritte in der Zukunft begleitet. Ein Ende der Erhöhungen ist somit nicht in Sicht. Einige Turbulenzen gab es am Ölmarkt. Zu Wochenbeginn erreichte der Ölpreis mit 61 USD je Barrel WTI ein neues Rekordhoch. Im Anschluss rutschten die Notierungen aufgrund gestiegener US-Lagerbestände unter 57 USD, ehe am späten Freitag Abend wieder die Marke von 59 USD erreicht wurde.

Zu den wichtigsten Unternehmensmeldungen gehörte die angekündigte Übernahme des Kreditkartenanbieters MBNA durch die Bank of America für rund 35 Mrd. USD. Damit entsteht eines der weltgrößten Kreditkartenunternehmen mit 40 Mio. aktiven Konten und offenen Kreditkarten-Forderungen in Höhe von 143 Mrd. USD. Der Aktienkurs von MBNA machte daraufhin einen Sprung von über 24 Prozent. Eine Personalentscheidung sorgte bei zwei anderen Werten für Bewegung. Der Wechsel des bisherigen 3M-Chefs James McNerney an die Spitze von Boeing setzte die Titel des Mischkonzerns spürbar unter Druck, während die Aktien des Luftfahrtkonzerns kräftig anzogen. Gute Nachrichten kamen vom Versicherungskonzern AIG. Nachdem Fehlbuchungen die Vorlage von Geschäftszahlen für das erste Quartal 2005 verzögert hatten, konnte das Unternehmen nun einen deutlichen Umsatz- und Ertragsanstieg mitteilen. Der Kurs zog nach der Veröffentlichung um über fünf Prozent an. Vom Pharmaunternehmen Wyeth kam unterdessen eine Prognoseanhebung für den Quartalsgewinn. Im Technologiesegment legte der Softwarekonzern Oracle aktuelle Unternehmenszahlen vor und übertraf mit der positiven Entwicklung die Erwartungen der Marktteilnehmer. Mit einer Gewinnwarnung enttäuschte hingegen das Animationsstudio Pixar die Anleger.

Japan: Tankan-Bericht stimmt Anleger freundlich

An der Tokioter Börse ging es mit den Aktienkursen in den vergangenen Tagen wieder bergauf. Insbesondere der positiv ausgefallene Takan-Bericht der Bank of Japan zur Konjunkturentwicklung hob die Stimmung der Marktteilnehmer. Die Zentralbank stellte darin eine Verbesserung des Wirtschaftsklimas fest, die sich in gestiegenen Erwartungen der Unternehmen niederschlägt. Dabei zeige vor allem die Binnenkonjunktur deutliche Erholungstendenzen und kompensiert damit die etwas schwächeren Signale bei der Auslandsnachfrage. Vor diesem Hintergrund waren zuletzt Werte aus dem Einzelhandelsbereich gefragt. Unterstützend für den japanischen Aktienmarkt wirkte sich zudem der Devisenmarkt aus. Der US-Dollar erreichte gegenüber dem Yen ein Neun-Monats-Hoch und förderte damit die Exporttitel.

Europa: Insgesamt fester

Die europäischen Aktienbörsen präsentierten sich in den vergangenen Tagen in fester Verfassung. Die guten US-Konjunkturdaten und der Ölpreisrückgang verliehen den Kursen in fast allen Branchen Schwung. Aus konjunktureller Sicht war der erste Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex seit Januar erwähnenswert. Allerdings fiel die Reaktion am Montag verhalten aus. Hierzulande zählte Deutsche Telekom zu den gefragten Werten. Marktteilnehmer führten als Gründe einerseits positive Nachrichten vom französischen Konkurrenten France Télécom, der seine Dividende deutlich erhöhte, als auch charttechnische Aspekte an. Hinzu kamen Meldungen zur Internettochter T-Online. Diese hat den kleineren spanischen Netzanbieter Albura für 61,5 Mio. Euro übernommen. In starker Verfassung zeigte sich ebenfalls Deutsche Börse, deren Kurs um über sechs Prozent kletterte. Im Softwarebereich profitierte SAP von Oracles guten Quartalszahlen. Mit weitem Abstand größter Wochenverlierer im DAX war die Aktie von Altana. Der Bad Homburger Pharmakonzern gab am Freitag das Ende der Kooperation mit dem amerikanischen Konkurrenten Pfizer für das Atemwegsmedikament Daxas bekannt, was den Kurs auf Wochensicht um fast 15 Prozent einbrechen ließ. Mit dem Schritt haben sich nach Markteinschätzung die Geschäftsaussichten für das Unternehmen spürbar eingetrübt. Für einige Bewegung in den wichtigen Aktienindizes STOXX 50 und EURO STOXX 50 wird in den nächsten Wochen die Entscheidung von Royal Dutch/Shell sorgen, die bislang getrennt gelisteten Royal Dutch- und Shell-Aktien zusammenzuführen. Entsprechende Indexanpassungen dürften voraussichtlich am 20. Juli bekannt gegeben werden.

Ausblick: Neue Quartalsberichtsaison

Die neue Handelswoche dürfte aufgrund der fehlenden Impulse aus den USA zunächst verhalten beginnen. Dort bleiben die Aktienmärkte wegen des Independence Day heute geschlossen. Im weiteren Verlauf kommen dann aber einige Konjunkturindikatoren. Für Europa werden die Einzelhandelsschätzungen für Mai veröffentlicht und in Deutschland erscheinen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe. Aus Amerika stehen die Industrieaufträge, der ISM-Service-Index sowie der Arbeitsmarktbericht auf dem Programm. Mit Argusaugen sollte auch unverändert die Ölpreisentwicklung von den Marktteilnehmern verfolgt werden. In der nächsten Zeit wird ferner der Unternehmenssektor wieder mehr Beachtung finden. Mit dem amerikanischen Aluminiumkonzern Alcoa beginnt am Donnerstag wieder die nächste Quartalsberichtssaison. Auch das G-8-Treffen in Schottland wird von den Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt werden.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 122 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende Dezember 2004. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.