Frankfurt (GodmodeTrader.de) - In letzter Zeit tun sich seltsame Dinge an den Anleihemärkten. Seit Anfang des Jahres ist die US Federal Reserve von weiteren Zinserhöhungen abgerückt. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat sich verschärft. Und der Ölpreis ist stark gestiegen. All das sollte normalerweise die Inflationserwartungen erhöhen, wie die Finanzanalysten der DWS im aktuellen „Chart der Woche“ schreiben.

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Teures Öl und höhere Zölle auf chinesische Importe führten letztlich zu höheren Preisen für US-Verbraucher. Stattdessen seien die Inflationserwartungen der Anleger gesunken. Die fünfjährigen Forward-Breakeven-Raten für die folgenden fünf Jahre lieferten ein nützliches Maß für die durchschnittlichen, mittelfristigen Inflationserwartungen. Normalerweise tendierten sie dazu, sich parallel zum Ölpreis zu bewegen. In letzter Zeit habe sich jedoch eine Lücke aufgetan, heißt es weiter.

„Die Gründe sind vorerst unklar. Vielleicht werden die Ölpreise korrigieren. Oder vielleicht sehen die Anleger die Wachstumsaussichten der USA skeptischer. In jedem Fall werden die Auswirkungen des Handelskonflikts weit über die anfänglichen Verbraucherpreissteigerungen hinausgehen“, so die DWS-Experten. Protektionistische Maßnahmen machten die Welt als Ganzes weniger effizient. Allerdings würde man erste Anzeichen dafür weniger bei den Inflationserwartungen vermuten, als bei den Realzinsen, die eng an die längerfristigen realen Wachstumsraten einer Volkswirtschaft geknüpft seien, heißt es weiter.

„Wir haben eine alternative Erklärung. Vielleicht ist das eigentliche Geheimnis hinter unserem Chart nicht das Ende, sondern das bisherige Bestehen der engen Beziehung zwischen den Inflationserwartungen und dem Ölpreis. Denn es gibt keinen wirtschaftlichen Grund, warum der heutige Ölpreis für die Inflation in fünf Jahren sonderlich bedeutsam sein sollte, geschweige denn für die langfristigen Inflationserwartungen. Bloß fehlt es auch an anderen zuverlässigen Indikatoren für die so ferne Zukunft“, so die DWS-Experten.

Die aktuellen Diskussionen erinnerten ein wenig an die Suche nach einem Zusammenhang zwischen Sonnenfleckenaktivität und Maispreisen im 19. Jahrhundert. Ein statistisch zuverlässiger Zusammenhang zwischen Sonne und Konjunktur sei bisher nicht gefunden worden, auch wenn sonniges Wetter die Stimmung an den Märkten zu verbessern scheine. Nach neuerer ökonomischer Theorie könnten solche Zusammenhänge durchaus Bestand haben, wenn sie ein Element von sich selbst erfüllender Prophezeiung beinhalteten, heißt es abschließend.