Frankfurt/Hamburg (Godmode-Trader.de) - Wir haben unser Modell überprüft und die vorläufigen Zahlen 2017/18 von Gerry Weber aufgenommen.

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Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Like-for-Like- (LfL-) Umsatz (Wachstum auf vergleichbarer Fläche) im Kerngeschäft Gerry Weber seit 2015 jedes Jahr kontinuierlich zurückgegangen ist, kann die stagnierende Umsatzentwicklung auf vergleichbarer Fläche im laufenden Geschäftsjahr bereits als „Best Case Szenario“ bezeichnet werden, wie Warburg Research-Research-Analyst Jörg Philipp Frey in einer am Donnerstag vorgelegten Studie zu der Aktie von Gerry Weber resümiert.

Vor dem Hintergrund der geplanten Schließung von rund 230 defizitären Filialen, was einer Reduzierung der Filialzahl um mehr als 25 Prozent entspricht, erwarte er sowohl für das Geschäftsjahr 2018/19 als auch für das Geschäftsjahr 2019/20 einen zweistelligen Rückgang der Gerry Weber-Kernumsätze von 11 bzw. 12 Prozent, so Frey. Das Großhandelsgeschäft von Gerry Weber sollte gleichfalls weiter rückläufig sein, da das Exposure gegenüber wachsenden Online-Händlern sehr gering ist, während viele seiner traditionellen Kunden kämpfen und damit die Verkaufsfläche reduzieren.

Der Umsatz der Tochter Hallhuber ist in den letzten zwei Jahren gewachsen, jedoch wurde dieses Wachstum überwiegende durch die Eröffnung neuer Filialen getrieben (die Zahl stieg in den beiden Jahren bis zum dritten Quartal 2017/18 um mehr als 30 Prozent), während der LfL-Umsatz 2016/17 zurückging und sich im Geschäftsjahr 2017/18 volatil zeigte. In der aktuell angespannten Finanzlage hat Hallhuber im dritten Quartal 2017/18 fünf Filialen (netto) geschlossen, so dass der Umsatz der Tochter auch in Zukunft lediglich stabil bleiben sollte. „Wir gehen daher davon aus, dass der Konzernumsatz von Gerry Weber in den nächsten beiden Geschäftsjahren rückläufig sein wird“, befürchtet Warburg Research.

In den letzten vier Jahren haben sich die Margen von Gerry Weber sukzessive verschlechtert. Der EBIT-Verlust 2017/18 von 148,1 Millionen Euro spiegelt laut Analyst Frey zwar Wertminderungen von 69,3 Mio. Euro und Restrukturierungs-Rückstellungen von 63,3 Mio. wider, beinhalte aber auch einen einmaligen Gewinn von 18 Mio. Euro aus dem Verkauf von Immobilien. Damit habe der normalisierte EBIT-Verlust bei 33 Mio. Euro gelegen. Angesichts der schlechten Visibilität reduzierte Frey seine langfristige EBIT-Margenannahme um 100 Basispunke auf 3,5 Prozent. Auch wenn seine Einschätzung pessimistisch erscheinen möge, habe Gerry Weber CEO Ehling kürzlich erst 2021 ein operatives Break-Even in Aussicht gestellt, betont der Experte.

Die Gläubiger von Gerry Weber haben kürzlich die Verschiebung der Zahlung eines Schuldscheins in Höhe von 30 Mio. Euro auf Ende Januar akzeptiert. Bei einem aktuellen Durchschnittszinssatz von nur rund 1,5 Prozent für die langfristige Gesamtverschuldung von rund 200 Mio. Euro sollte die Refinanzierung Ende Januar aus Sicht von Frey zu einem deutlichen Anstieg der Finanzaufwendungen und möglicherweise zu einer stark verwässernden Kapitalerhöhung und damit zu einem erheblichen Ereignisrisiko führen.

Trotz der schlechten Aktienkursentwicklung handele Gerry Weber nach wie vor mit einem EV/Umsatz-Multiplikator von 0,4, d.h. einer Prämie von rund 30 Prozent gegenüber dem engsten Konkurrenten Tom Tailor, der für 2018 weiterhin ein positives bereinigtes EBIT erwartet.

Trotz eines 25-prozentigen Abschlags auf den materiellen Buchwert hält Warburg Research das Chancen-Risiko-Profil der Aktie von Gerry Weber für sehr unattraktiv und stuft den Titel daher mit einem neuen Kursziel von 1,30 Euro auf „Verkaufen“ herab.

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Gerry Weber AG