Liebe Leserinnen und Leser,

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    ein Kollege hat gestern erzählt, wie er für eine Freundin Gold bei der Degussa gekauft hat; zwei 100-Gramm-Barren. Die Münchner Filiale liegt zentral in der Innenstadt am eleganten Paradeplatz, in unmittelbarer Nachbarschaft der berühmten Fünf-Sterne-Edelabsteige Bayerischer Hof.

    Interessant die Beobachtungen, die er beim Goldkauf gestern gemacht hat: Er hat für sich selbst im November 2013 und an Goldpreistiefs vor dem Sommer 2014 Barren erworben und war erstaunt, wieviel Betrieb jetzt in der Filiale herrschte.

    „Damals fühlte ich mich wie beim Bestatter“, erinnert er sich. Niemand wollte Gold kaufen, das Edelmetall galt als tot. „Der Türdiener zuckte überrascht zusammen als wir reinkamen. In der kleinen Filiale feierliche Stille. Ein Bund weißer Lilien auf dem Tisch, das Ticken einer Uhr. ,Nein, Sie müssen nicht warten, Sie können gleich zum Schalter‘, hieß es.“ Der 100-Gramm-Barren wanderte damals für schlanke 3.035 Euro durch den Schiebekasten unter dem Glasfenster, erzählt der Kollege. Gold hatte damals sein Tief erreicht und die aufblühenden Aktienmärkte hielten potenzielle Kunden vom Edelmetallerwerb ab. Anders gestern, nach SNB und EZB und Griechenlandwahl, und trotz spektakulärer Rekordhochs beim DAX:

    „In der kleinen ausschließlich für den Golderwerb vorgesehenen Filiale drängten sich die Kunden. Im Minutentakt kamen und gingen die Leute. Ständig klappte die Tür. Der Portier und Aufpasser in Personalunion musste immer wieder ältere Damen zur um die Ecke gelegenen Goldankaufsfiliale der Degussa schicken, die Schmuck zu den aktuellen hohen Euro-Goldpreisen loswerden wollten.“ Verwunderlich fand der Kollege, wieviel Geld die Anleger springen ließen, um sich in den Aufwärtstrend einzukaufen: „Der 100-Gramm-Barren wechselte gestern für knapp 3.800 Euro den Besitzer.“

    Interessant auch die Zusammensetzung der Kauflustigen: „Es gab ältere Geschäftsleute mit schweinsledernen Aktentaschen und rahmenlosen Brillen, aber auch Damen in fortgeschrittenem Alter, die sehr schlank und sehr exzentrisch aussahen und die 15.000-Euro-Kaufgrenze für Freunde der Anonymität fast ausschöpften. In der Sporttasche, die lässig über die Schulter hing, wurde die Beute abtransportiert.“

    Auffällig war noch die Stimmung des Schalterangestellten, die gar nicht zum Euro-Höhenflug des Goldes passte. „Sonst hatte er sich immer gefreut etwas zu tun zu bekommen und begrüßte mich freundlich, aber jetzt schien er aufgrund des Trubels sehr im Stress zu sein und schien über täglich acht Stunden Sport gar nicht begeistert: Für die Erfüllung der Wünsche der Kunden musste er immer wieder an die Safes im Nebenraum hasten und zurück...“

    Kurz vor dem Aufruf zum Schalter hörte der Kollege, der beim Warten die Tür im Blick hatte, wie ein älterer schlecht Deutsch sprechender und etwas abgerissen aussehender Mann hereinkam und nach irgendwas mit einer Nummer fragte. „Der Portier wies ihn ab: ,Wir haben hier keine Nummer‘ gab er dem Mann mit ironischem Unterton zu verstehen und öffnete ihm die Tür. Die Kundschaft lächelte dazu versonnen, froh darüber, dank Gold anonym und ohne Nummer die finanzielle Eigenständigkeit bewahren zu können. Das Fazit des Besuchs des Kollegen in der Degussa-Filiale zu Gold: „Totgesagte leben länger.“