Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Die Welternährungsorganisation FAO der Vereinten Nationen hält die weltweiten Bestände der wichtigsten Getreide und Ölsaaten für üppig genug, um in der Coronavirus-Krise nicht mit Knappheit rechnen zu müssen. Mit Sorge sieht sie aber, dass Verhaltensänderungen auf der Nachfrageseite und Einschränkungen bei Verarbeitung und Logistik weltweit zu einer steigenden Inflation bei den Nahrungsmittelpreisen führen könnten. Die Weizen- und Reispreise haben bereits kräftig zugelegt, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Als Beispiel für Verhaltensänderungen führe die FAO Panikkäufe von Verbrauchern an. Und wenn Händler an den internationalen Agrarmärkten kurzfristig massive Käufe tätigten, aus Sorge, in einigen Monaten keine Ware zu bekommen, könne auch dies eine globale Krise in der Versorgung mit Nahrungsmitteln auslösen, heißt es weiter.

„Von derartigen Panikkäufen fehlt bei den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern bislang jede Spur. Ganz im Gegenteil, sie haben ihre Long-Positionen bei Weizen in der letzten Berichtswoche sogar deutlich reduziert, so dass erstmals in diesem Jahr Netto-Short-Positionen bestehen“, so Helbing-Kuhl.

Nicht nur die FAO, sondern auch das US-Landwirtschaftsministerium USDA und der Internationale Getreiderat IGC rechneten damit, dass die laufende Saison mit höheren weltweiten Beständen an Weizen ende als die letzte Saison. Beide gingen von einem Überschuss in Höhe von zehn Millionen Tonnen aus. Außerhalb Chinas, das so gut wie nicht im internationalen Handel mit Weizen aktiv sei, sollten sie laut USDA allerdings nur um eine Million Tonnen steigen, in den wichtigsten Exportstaaten sogar um rund 5,5 Millionen Tonnen fallen, heißt es weiter.

„Es gibt aber auch durchaus Aspekte, die dämpfend auf die Preisentwicklung bei Getreide wirken. So dürften gerade Öl exportierende Länder, von denen einige zu den weltgrößten Weizenimporteuren zählen, angesichts des Preiseinbruchs bei Rohöl mit großen Käufen zurückhaltender sein“, so Helbing-Kuhl.