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Die Angst vor einer Rezession in den USA hält die Aktien- und Kapitalmärkte in ihrem Bann. Ein Rückgang der Wirtschaftsleistung der USA könnte sich negativ auf die Exporte in Europa und Asien auswirken und damit auch dort zu einer Wachstumsabkühlung führen. Durch die enge Verflechtung der Weltwirtschaft drohe eine weltweite, globale Rezession. Doch ist diese Angst angebracht?

Die Meinung der Analysten ist nicht einstimmig, die Unsicherheit an den Börsen sehr hoch. So hoch, dass selbst nach der massiven Zinssenkung in den USA um 75 Basispunkte an diesem Mittwoch eine weitere Senkung zwischen 25-50 Basispunkten erwartet wird. Ob die Notenbank wirklich erneut senkt, oder nicht, wissen wir nicht. Mir scheint als würde die Wirkung der Zinssenkungen und anderer Maßnahmen der Notenbanken aber ein wenig unterschätzt. Immerhin haben alle Zentralbanken weltweit rechtzeitig auf die aufziehenden Wolken reagiert und gemeinsam und entschieden gehandelt. Never fight the fed, heißt ein Sprichwort.

Wer ist der stärkste auf der ganzen Welt?

Fest steht indes schon heute, was zum Weltwirtschaftsforum in Davos am Wochenende von PepsiCo-Chefin Indra Nooyi treffend formuliert wurde: „Dieses Jahr wird ein Test, ob die USA noch der einzige Motor der weltweiten Wirtschaft sind, oder ob sich das Machtgleichgewicht verschoben hat.“

Sind die Volkswirtschaften in den Schwellenländern bereits so stark, dass sie sich von einer Wachstumsabkühlung in der größten und zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde abkoppeln können?

Das Risiko einer US-Rezession ist auch nach den Leitzinssenkungen in den USA weiterhin hoch. Zu beachten ist, dass die Zinssenkungen nicht bewirken, dass sich die Richtung eines Konjunkturzyklus ändert, sie kann lediglich die Bewegungen moderieren. In den USA wird versucht, ein Hard Landing der Volkswirtschaft nach der starken Wachstumsperiode der letzten Jahre zu verhindern und so eine langsame Abkühlung herbei zu führen.

Japan bereits in Rezession?

Während in den USA also das Risiko eines rückläufigen Wachstums besteht, scheint es in Japan bereits eingetreten zu sein. Allerdings nicht ausgelöst durch die Kreditprobleme in den USA, sondern durch einen Einbruch des inländischen Konsums, meint Tetsufumi Yamakawa, Japan-Volkswirt von Goldman Sachs. „Es scheint sehr wahrscheinlich dass das Wirtschaftswachstum, das seit 70 Monaten seit Anfang des Jahres 2002 anhält, beendet und die Wirtschaft nun in eine Rezession eingetreten ist“, so Yamakawa.

Lakmustest für die Global Economy

Das Wachstum in den zwei größten Volkswirtschaften der Erde schwächt sich also ab oder geht sogar zurück. Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, sieht aber regionale Unterschiede. „Der kommende weltweite Abschwung wird wahrscheinlich die deutlichen regionalen Unterschiede verdecken“, so Roach. „Das Weltwirtschaftswachstum wird sich in 2008 auf 4,3% abschwächen. Während diese Rate weiter über dem 45-Jahrestrend von über 3,7% liegt, würde eine solche Abschwächung sich nach dem durchschnittlichen Wachstum von 4,9% zwischen 2003 und 2007 sehr schwach anfühlen – das war die stärkste Fünfjahresperiode des Wirtschaftswachstums seit Menschheitsgedenken.“

Für das Weltwirtschaftswachstum entscheidend sei laut Roach die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften in den Schwellenländern Asiens, Lateinamerikas und den OPEC-Ländern im Nahen Osten. Es werde sich zeigen müssen, wie stark die zunehmend starke Inlandsnachfrage dieser Länder die exogenen Belastungsfaktoren kompensieren können. Da China gerade jetzt seine Maßnahmen zur Abkühlung des Wirtschaftswachstums durch Leitzinserhöhungen und die Anhebungen der Reservesätze intensiviert, erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Wachstumsabkühlung in China immerhin deutlich, so Roach weiter.

Wie kräftig sind die Schwellenländer?

Roach rechnet jedoch ungeachtet aller Belastungsfaktoren damit, dass sich der „asynchrone Charakter“ der Weltwirtschaft auch in 2008 fortsetzen wird. Ob die Schwellenländer eigenständig wachsen, oder ob sie mit einer Rezession in die Tiefe gerissen werden, darüber werden sich die Marktteilnehmer in diesem Jahr den Kopf zerbrechen. „Wenn das „globale Entkoppeln“ das Thema des Jahres 2007 war, dann ist das globale „Ankoppeln“ das Thema dieses Jahres“, so Roach.

Darüber hinaus könnte auch die Debatte darüber, wie stark die Märkte, Politik und Konjunktur miteinander verbunden sind, weiter intensivieren, da die angespannte Finanzlage aggressive und/oder unkonventionelle Reaktionen fordern könnten. Ein Beispiel hierfür sei durch die synchrone Bereitstellung von Liquidität durch fünf Notenbanken bereits eingetroffen. Weitere werden folgen, so Roach. Das beherrschende Thema dieses Jahres werde daneben auch die Inflation sein. Hier könnte eine „zweite Inflationswelle“ aus den Schwellenländern Asiens, Lateinamerikas und dem Nahen Osten in die Industrieländer überschwappen.

Lesen Sie mehr darüber, wie China seine Inflation nach Deutschland und Europa exportiert, in diesem Artikel: China Twin-Peg - Artikel: Klicken Sie hier

Herzlichst,
Ihr Jochen Stanzl
Chefredakteur Rohstoff-Report.de