London (GodmodeTrader.de) - Seit rund zwei Jahren bekämpft die chinesische Regierung die enorme Schuldenlast des Landes und seiner Wirtschaft. Indem China versucht, das Schuldenwachstum zu bremsen, kämpft es gegen die eigene größte ökonomische Schwäche. Davon dürfte auf mittlere Sicht die chinesische und auch die globale Wirtschaft profitieren, wie Erik Lueth, Global Emerging Market Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Chinas Präsident Xi Jinping habe zunächst betont, während seiner zweiten Amtszeit einen Schwerpunkt auf die finanzielle Stabilität des Landes legen zu wollen, ohne dabei konkrete Wachstumsziele in den Vordergrund zu rücken. „Dann hat die Bankenaufsicht eine Fülle von Vorgaben erlassen, die es den Banken untersagen, Vermögenswerte aus ihren Bilanzen zu entfernen. Mit den neuen Vermögensverwaltungsrichtlinien entstand daraus zügig ein einheitliches Regelwerk“, erklärt Lueth.

Zudem habe China die gesamte regulatorische Infrastruktur neu gestaltet, indem die Banken- und Versicherungsaufsichtsbehörden zusammengelegt und zu Institutionen umfunktioniert worden seien, die ausschließlich für die Umsetzung der neuen Vorgaben zuständig seien. Regulatorische und aufsichtsrechtliche Aufgaben erfülle nun die Zentralbank People's Bank of China, während ein neu geschaffener Ausschuss für Finanzstabilität und Entwicklung die übergeordnete Koordination verbessern und Schlupflöcher schließen solle. „Mit Liu He wurde der ehemalige Wirtschaftsberater von Präsident Xi Jinping zum Vorsitzenden des Ausschusses für Finanzstabilität und Entwicklung ernannt, was den Stellenwert dieses Themas noch einmal untermauert“, so Lueth.

Die Auswirkungen dieser neuen Fokussierung auf eine geringere Verschuldung und größere Finanzstabilität seien inzwischen überall erkennbar. Dem Experten zufolge sinkt der Bestand an Vermögensverwaltungsprodukten der Banken gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Rückgänge seien auch bei Forderungen von Banken an Finanzinstitutionen ohne Bankenstatus sowie bei den Assets under Management von Vermögensverwaltern ohne Bankenstatus zu verzeichnen. Doch der Kampf gegen die Verschuldung beschränke sich nicht nur auf die Schattenbanken: „Das Wachstum der staatlichen Kredite erreicht immer wieder neue Tiefststände. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sinkt seit Mitte 2016 sogar der Anteil an Firmenkrediten, die der eigentlich wunde Punkt der chinesischen Schuldenlast sind“, sagt Lueth.

Nach Ansicht des Experten bleibt jedoch abzuwarten, wie konsequent die chinesischen Behörden den Schuldenabbau vorantreiben werden, wenn sich das globale Umfeld weniger günstig entwickelt. Denn der Abbau von Schulden übe auch Druck auf bestehende Schwachstellen aus, was zum Beispiel die Zunahme von Unternehmensinsolvenzen zeige. „Angesichts der Risiken sollten Investoren bei Aktien aus Schwellenländern zunächst noch Vorsicht walten lassen. Mittelfristig dürften jedoch aus dem Schuldenabbau in China Vorteile für die chinesische und globale Wirtschaft entstehen, von denen Anleger profitieren können“, sagt der Experte.