Die Deutsche Bundesbank hat ihren Goldschatz weltweit verteilt. Von insgesamt 3.384 Tonnen Gold lagen bis 2013 insgesamt 2.348 Tonnen im Ausland. Dass 70 % der Goldreserven im Ausland lagern stieß in Deutschland auf Kritik. Die Folge: bis 2020 werden insgesamt 674 Tonnen Gold zurück nach Deutschland geholt. Gelingt diese Aufgabe, dann liegen ab 2020 immerhin 50 % der Reserven in den Tresoren der Bundesbank in Deutschland.

Der Rest soll im Ausland bleiben, ein Großteil in New York bei der Federal Reserve of New York. Grafik 1 zeigt die Aufteilung der Goldbestände nach Zentralbanken. In New York lagern die größten Bestände. Das ist historisch bedingt. Bis zum Ende des Bretton-Woods-Systems wurden Forderungen aus Handelsüberschüssen als Goldreserven in New York eingelagert.

Das Gold hätte freilich nicht in den USA bleiben müssen, doch es gab durchaus gute Gründe dafür. Im Krisenfall – welcher Art auch immer (Währungskollaps, Krieg, ...) – hätte Deutschland seine signifikanten Goldbestände gut brauchen können. Wäre es zu großen Währungsturbulenzen und einem Mangel an Devisenreserven nach Ende des Bretton-Woods- Systems gekommen, dann hätte Deutschland Gold in harte Währungen eintauschen können.

So unwahrscheinlich das Szenario klingt, es macht durchaus Sinn. Ebenso hätte der Kalte Krieg eskalieren können. Die Goldbestände wären in einem solchen Fall wohl kaum ignoriert und in Deutschland gelassen worden.

Die Zeiten des Kalten Krieges sind Geschichte. Auch die Deutsche Mark und der Französische Franc sind Geschichte. Weil Frankreich und Deutschland die gleiche Währung haben werden die Goldbestände aus Frankreich komplett zurückgeholt.

Einigen Kritikern reicht das nicht. Sie halten es einerseits für nicht mehr zeitgemäß Gold im Ausland zu lagern und zweifeln andererseits daran, dass es im Ernstfall wirklich zur Verfügung steht. Derzeit liegt der Wert des Goldbestandes in den USA bei 47,4 Mrd. Euro (Grafik 2). Um das in eine sinnvolle Perspektive zu rücken kann man diesen Betrag mit dem Bundeshaushalt vergleichen. Etwa 16 % des jährlichen Bundesbudgets liegen in New York. Das ist eine ganze Menge.

Die Kritik an den großen Auslandsbeständen war und ist immer noch groß. Die Reserven sind nicht einfach zugänglich. Das macht natürlich Sinn, sie sollen ja auch sicher aufbewahrt werden. Noch im Jahr 2012 waren die Bestände jedoch so sicher verwahrt, dass der Zutritt verweigert wurde.

2012 wollten zwei CDU Politiker die Goldbestände inspizieren. Die Bundesbank wies dies ab. Das war Grund genug eine breite, öffentliche Diskussion loszutreten. Es kam sogar zu Vermutungen, dass es die Goldbestände gar nicht gibt. Inzwischen kann mit einer gewissen Sicherheit von der Existenz der Reserven ausgehen. Am 7.10.2015 wurde eine Inventarliste auf der Website der Bundesbank veröffentlicht. Die 2.308-seitige Publikation kann man als interessierter Bürger abrufen. In dieser Liste ist jeder einzelne Barren für die Lagerstätten in Deutschland, England und Frankreich ausgewiesen. Der New Yorker Bestand ist teilweise in Melts zusammengefasst. Ein Melt ist eine Tranche aus Barren, die aus dem gleichen Gold gegossen wurden und somit die gleiche Feinheit haben.

Ob solche Inventarlisten wirklich beruhigen, sei dahingestellt. Man kann vieles auf Papier schreiben. Die Tatsache allein, dass etwas auf einem Papier steht, macht es freilich nicht wahrer. Letztlich bleibt Politikern und Bürgern nur das Vertrauen, dass die Bundesbank schon alles richtig macht.

Persönlich gehe ich stark von der Zuverlässigkeit der Bundesbank aus. Dennoch muss man sich fragen, ob die Goldbestände im Ausland sicher und zugänglich sind. Sie werden für Ernstfälle gehalten. Doch was, wenn der Ernstfall darin besteht, dass die USA die EU oder Deutschland sanktionieren? Werden die Bestände dann eingefroren und der Zugang verweigert? Wie sehr kann man einem Verbündeten vertrauen, der einem selbst nicht vertraut (NSA Abhörskandal)?