Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Vor allem die Erwartung steigender US-Zinsen hat den Goldpreis zuletzt belastet. Im zurückliegenden Monat verlor das Edelmetall in Dollar gerechnet fast 7 Prozent an Wert. Ein anziehendes Zinsniveau macht Gold im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren grundsätzlich uninteressanter. Doch ist diese Annahme zwingend? Nicht alle Rohstoffinsider teilen diesen Schluss. Eine mögliche Zinswende müsse man zum einen aus einer statischen und zum anderen aus einer dynamischen Perspektive betrachten, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer bei der auf Edelmetalle und Rohstoffmärkte spezialisierten Investmentboutique Stabilitas. „Aus statischer Sicht sind hohe Zinsen eine Alternative zu Goldinvestments, da hier keine Zinsen anfallen. Aus dynamischer Sicht bedeutet das allerdings: Wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihekurse. Bei niedrigen Zinsen und fallenden Kursen werden wir eine echte Baisse in den Anleihemärkten sehen. Umfangreiche Anlagegelder werden dann aus der platzenden Anleiheblase fliehen. Somit könnte die Zinswende eher eine Trendwende bringen und Gold wieder zu einer echten Alternative für Anleger werden“, sagt Siegel.

    Der Blick in die Vergangenheit bestätigt, dass der Goldpreis in den letzten sechs Zinsanstiegszyklen im Durchschnitt leicht anstieg. So zog die Goldnotiz sechs Monate nach vollzogener Leitzinswende um durchschnittlich 3 Prozent an. „Die Investoren haben ihre Investments in dieser Marktphase aus Anleihen in Gold umgeschichtet“, sagt Siegel.

    Aus Sicht der DZ Bank ist es aber zweifelhaft, ob der Goldpreis diesem Muster folgen wird. Einige Gründe sprächen gegen steigende Notierungen nach einem Zinsschritt, sagt Stefan Bielmeier, Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt der DZ Bank. Erstens sei die historische Vergleichbarkeit limitiert. Die Zinsen verharrten in den letzten Jahren über einen sehr langen Zeitraum auf einem extrem niedrigen Niveau. Eine solche Phase suche man in der Historie vergeblich. Daher sei auch anzunehmen, dass der Goldpreis anders als in den Vorperioden auf den bevorstehenden Zinsanstieg reagieren werede. Die Zinswenden in der Vergangenheit seien zudem oftmals auch von der Erwartung eines spürbaren Inflationsanstiegs gekennzeichnet gewesen. Dies sei im aktuellen Umfeld nicht der Fall. Nicht zuletzt habe in der Historie oftmals auch ein schwächerer US-Dollar dem Goldpreis auf die Beine geholfen. Im Zuge der divergierenden Zinsentwicklung in den USA und Europa dürfte der Dollar aber seine Stärke weiter fortsetzen. Nicht zuletzt schwächelt weiterhin die physische Nachfrage nach Gold. Gold dürfte aus diesen Gründen auch 2016 nicht glänzen, so DZ Bank-Chefvolkswirt Bielmeier.