• Gold - Kürzel: XAU/USD - ISIN: XC0009655157
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 1.804,66000 $/oz.

Geht es nach den Preisprognosen von Investmentbanken, könnte Gold im nächsten Jahr zum schlechtesten Investment von allen gehören. Im besten Fall gehen Banken von stabilen Preisen aus. Viele halten allerdings auch Preis im Bereich von 1.500 Dollar je Unze für möglich.

2023 soll es auch nicht besser werden. Gold könnte sogar einen Preis von weniger als 1.300 Dollar erreichen. Der Konsens ist damit recht eindeutig. Mit Gold sind keine Kursgewinne zu erzielen, sondern vielmehr Verluste. Im Normalfall haben Kurszielprognosen eher Zufallscharakter. Das gilt zumindest für Aktien. Bei Gold steckt etwas mehr als nur Zufall dahinter.

Gold-Chart

Der Goldpreis folgt dem Realzins. Sinkt der Realzins, steigt der Goldpreis (Grafik 1). Derzeit sind die Zinsen niedrig und die Inflation ist sehr hoch. Der Realzins ist also bereits sehr niedrig. Es fällt schwer, an noch tiefere Realzinsen zu glauben. Vielmehr ist es wahrscheinlicher, dass der Realzins in den kommenden Quartalen wieder langsam ansteigt.

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Für den Goldpreis bedeutet dies nichts Gutes. Kursgewinne werden unwahrscheinlich. Kursverluste sind hingegen deutlich wahrscheinlicher. Eine Hintertür für höhere Goldpreise kann man jedoch offenlassen. Trotz Gegenwind durch den Zinstrend hat sich die Investitionsnachfrage nach Gold stabilisiert.

Der Goldbestand von physisch besicherten ETFs stabilisiert sich seit Monaten (Grafik 2). Das unterscheidet die aktuelle Phase zum letzten Bärenmarkt von 2011 bis 2015. Damals sank der Goldbestand in ETFs Monat um Monat. Aktuell ist das nicht der Fall. Der Goldbestand bleibt stabil. Anleger kehren Gold nicht den Rücken.

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Dieser Unterschied zu 2011-2015 lässt sich vermutlich damit begründen, dass auch die Umstände in Bezug auf Inflation andere sind als damals. Der Realzins, dem der Goldpreis folgt, ist ein vom Markt bestimmter Zins. Ablesen kann man ihn anhand der Rendite 10-jähriger inflationsgebundener Anleihen.

Die Rendite dieser Anleihen liegt derzeit bei -1 %. Das ist angesichts einer Inflationsrate von über 6 % relativ hoch. Die Rendite von herkömmlichen 10-jährigen Staatsanleihen liegt bei 1,5 %. Zieht man die Inflationsrate davon ab, müsste der Realzins eigentlich bei mindestens -5 % liegen. Anleger taxieren ihn über inflationsgebundene Anleihen allerdings auf lediglich -1 %.

Das spiegelt die Erwartung wider, dass die Inflationsrate bald und schnell wieder sinkt. Diese Erwartungshaltung kann sich erfüllen. Anleger könnten sich aber auch irren. Bleibt die Inflation längere Zeit so hoch wie jetzt, besteht ein enormer Anpassungsbedarf bei inflationsgebundenen Anleihen. Sinkt die Rendite von -1 % auf -3 %, kann das den Goldpreis regelrecht in die Höhe katapultieren.

So bleibt Goldbullen die Hoffnung, dass der Anleihemarkt falsch liegt. Es würde zu der Entwicklung des Goldpreises in den 70er Jahren passen (Grafik 3). Der Goldpreis hätte in diesem Fall noch sehr viel Luft nach oben. Wahrscheinlicher ist das erste Szenario. Gold ist aber eine Versicherung. Gerät die Inflation außer Kontrolle, sind die Aussichten blendend.

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