Dass keiner mehr Gold haben will, lässt sich ganz einfach zeigen. So ist z.B. der Verkauf von Goldmünzen in den USA massiv eingebrochen (Grafik 1). Es wurden einmal mehrere hunderttausend Unzen an Münzen pro Monat verkauft. Aktuell sind die Verkäufe so niedrig wie zuletzt im Jahr 2000.

    Im Jahr 2000 begann Gold einen Boden auszubilden und danach bis 2011 zu steigen. Der Preis konnte sich mehr als versechsfachen. Bei Silber sieht es ähnlich aus. Auch hier stieg der Preis um mehrere 100 %. Danach kam der tiefe Fall. Dieser war deutlicher als bei Gold. Während Gold ein Drittel seines Wertes einbüßte, waren es bei Silber mehr als zwei Drittel.

    Gold
    Silber

    Trotzdem erfreuten sich Silbermünzen noch lange Zeit großer Beliebtheit (Grafik 2). Inzwischen sind aber auch hier die Verkäufe eingebrochen und befinden sich auf historisch niedrigem Niveau. Das ist für Anleger ein einigermaßen erfreuliches Zeichen. Es kann als erstes antizyklisches Signal gewertet werden.

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    Das geringe Interesse in diesen Tagen ist verwunderlich. An geopolitischen Krisen mangelt es nicht. Auch die Inflation zieht wieder an und gerade Gold gilt als Inflationsschutz. Trotzdem bewegt sich der Preis nicht vom Fleck und tendiert zuletzt mehr nach unten als nach oben.

    Das macht auf den ersten Blick wenig Sinn. Der Vorgang ist aber nicht ohne historische Vorlage. Nach dem Spekulationsexzess der 70er Jahre ging es für den Goldpreis viele Jahre bergab (Grafik 3). Danach schleppte sich der Preis über ein Jahrzehnt lang seitwärts.

    Bisher sind die Parallelen von heute zu damals kaum zu ignorieren. Der Goldpreis kann sich also durchaus noch mehrere Jahre seitwärts/abwärts bewegen. Theoretisch sind sogar Preise von weniger als 1.000 Dollar je Unze denkbar. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten, denn immerhin ist das Interesse der Anleger an Gold schon jetzt historisch niedrig. Das ist zumindest der Ansatz eines antizyklischen Signals.

    Auf Unterstützung durch geopolitische Krisen für den Goldpreis sollte man nicht hoffen. Solche Krisen bewegen den Goldpreis für gewöhnlich nur kurzfristig. Viel bedeutender ist das Realzinsniveau. Die Zinsen steigen mit der Inflation. Die Realzinsen bleiben unterm Strich relativ unverändert. Es bräuchte eine Senkung des Realzinszinses, um Gold auf die Sprünge zu helfen. Realzins und Goldpreis bewegen sich normalerweise in gegengesetzte Richtungen.

    Derzeit sieht es so aus, als ob Gold die Chance auf eine Trendwende nach oben verpasst hätte. Vieles spricht für eine Fortsetzung des Seitwärtstrends. Das Umfeld ist aber für Überraschungen gut. So könnten immer neue Zölle die Inflation deutlich ansteigen lassen. Das wäre gehöriger Rückenwind für Gold. Als Hedge bleibt Gold attraktiv.

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