Es gibt für Gold derzeit gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht zuerst: markttechnisch befindet sich Gold im Aufwärtstrend. Gold hat Ende 2015 bei gut 1.000 Dollar je Unze ein Tief ausgebildet, welches bisher nicht nach unten durchbrochen wurde. Anfang 2017 folgte ein neues Tief, allerdings ein höheres. Das ist per Definition ein Aufwärtstrend (höhere Tiefs und höhere Hochs).

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    Gold

    Für ein höheres Hoch hat es bisher noch nicht gereicht. Dazu müsste der Goldpreis noch ein ganzes Stück zulegen. Vollkommen hoffnungslos ist das nicht, doch es gibt auch eine schlechte Nachricht. Die Haupttreiber des Goldkurses erreichen ihre Grenzen.

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    Gold kann kurzfristig gewinnen, wenn viel Unsicherheit im Markt ist. Das war wieder einmal zu erkennen, als einige arabische Länder Qatar von einen Tag auf den anderen isolierten und der Terrorfinanzierung bezichtigten. Das half Gold immerhin für einen Tag lang.

    Diese kleinen Schübe können den Goldpreis zwar stützen, doch langfristig sind sie ziemlich unerheblich. Gold ist und bleibt von den Realzinsen getrieben. Grafik 1 zeigt den Goldpreis und die Realzinsen in den USA. Immer dann, wenn die Realzinsen in den negativen Bereich fielen, gewann Gold überproportional an Wert.

    Der Grund für diese Systematik ist einfach. Gold wirft keine Zinsen ab. Je niedriger die Realzinsen sind, desto geringer sind die Opportunitätskosten. Anleger können sich unter anderem zwischen Anleihen und Gold entscheiden. Vor allem kurzfristige Anleihen haben geringe Kursschwankungen, werfen aber Zinsen ab.

    Zahlt eine Kurzfristanleihe 1 % Zinsen bei wenig Kursrisiko, ist das gar nicht so unattraktiv. Gold zahlt nichts, hat aber volles Kursrisiko. Liegt die Inflation nun in diesem Beispiel bei 2 %, so ist die reale Verzinsung der Anleihe negativ. Anleger können sich nun für einen sicheren Verlust entscheiden oder Gold kaufen, welches die Inflation recht zuverlässig ausgleicht.

    Nun sind die Realzinsen so tief wie lange nicht. Sie bewegen sich im Bereich von 0 %. Es ist unwahrscheinlich, dass sie von diesem Niveau aus weiter sinken. Die Inflation hat ihre Hochs erst einmal gesehen. Gleichzeitig steigen die Zinsen, wenn auch nur sehr langsam. Für Realzinsen gibt es derzeit praktisch nur den Weg nach oben.


    Das dürfte den Goldpreis mittelfristig belasten. Es hilft auch nicht, dass die USA möglicherweise auf die nächste Rezession zusteuern. Eine Rezession allein bringt den Goldpreis nicht zum Steigen. Indirekt kann negatives Wirtschaftswachstum helfen, weil im Abschwung die Zinsen gesenkt werden und die Realzinsen fallen. Wirtschaftliche Kontraktion per se ist aber kein Grund für steigende Goldpreise.

    Abgesehen von ereignisgetriebenen Rallys wie zuletzt nach der Isolierung Qatars, fehlt es an fundamentalen und langfristigen Gründen für weiter steigende Preise. Ganz nebenbei laufen andere Währungen Gold den Rang als großartiges Investment ab. Grafik 2 zeigt, dass Bitcoins inzwischen mehr gehandelt werden als Gold auf dem London Bullion Market.

    Clemens Schmale

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