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    Gold gilt als sicherer Hafen. Steigt die wirtschaftliche, politische oder militärische Unsicherheit, dann gewinnt der Goldpreis. So einfach ist das – natürlich nicht. Der Goldpreis an sich hat wenig mit Krieg, Rezession usw. zu tun. Das ist ein Trugschluss. Das gilt in diesen Tagen besonders.

    Trotzdem – das kann man nicht bestreiten – tendiert Gold zu steigen, wenn die Unsicherheit zunimmt. Das erklärt sich relativ einfach. Gold reagiert vor allem auf die Realzinsen. Grafik 1 zeigt dazu die Realzinsen in den USA. Da Gold größtenteils in Dollar gehandelt wird, macht es Sinn, die US-Zinsen zu betrachten.

    Der Zusammenhang zwischen Realzinsen und Gold ist auf den ersten Blick klar. Fallen die Realzinsen, dann steigt Gold. Steigen die Realzinsen, dann fällt der Goldpreis. Das gilt nicht erst seit 15 Jahren wie in der Grafik dargestellt, sondern seit jeher.

    Gold erhält Wert. Es gleicht die Inflation aus. Da Gold keine Zinsen abwirft, ist es besonders gefragt, wenn die Realzinsen sinken. Steigen diese, ist Gold weniger relevant. Bei negativen Realzinsen verlieren Anleger, wenn sie ihr Geld in Anleihen parken. Gold, welches die Inflation ausgleicht, ist dann attraktiver. Erwirtschaften Anleger durch Anleihen oder auch Geldmarktfonds eine positive Realrendite, macht Gold weniger Sinn.

    In den letzten Wochen wurde der Anstieg des Goldpreises mit politischer Unsicherheit begründet. Trump wechselt seine Meinung jeden zweiten Tag. Die Republikaner bringen trotz Mehrheit im Repräsentantenhaus nichts weiter und nun kommen auch noch militärische Interventionen hinzu. Der Zusammenhang scheint auf der Hand zu liegen.

    Der Zusammenhang ist allerdings nicht direkt, sondern bestenfalls indirekt. Steigt die Unsicherheit, dann sinken für gewöhnlich die Zinsen, die vom Markt bestimmt werden. Nach Trumps Wahl stiegen die Zinsen erst rasant an. Einerseits erhoffte man sich mehr Wachstum durch eine Steuerreform und höhere Staatsausgaben, andererseits stieg auch die Inflation. Beides waren Argumente für steigende Zinsen.

    Nun fällt die Inflation wieder und es wird klar, dass Trump nicht die staatlichen Geldschleusen für Geschenke öffnet. Die Zinsen fallen seit Wochen. Sie fallen dabei stärker als die Inflation. Die Folge: die Realzinsen sinken. Das ist gut für Gold.

    Natürlich sinken die Zinsen auch, wenn die politische Unsicherheit groß ist. Deutet sich ein Abschwung oder ein militärischer Konflikt an, strömt Geld in den Anleihemarkt, der besonders liquide ist und als sicher gilt. Das drückt die Zinsen und damit auch die Realzinsen. Gold gewinnt daher in unsicheren Zeiten indirekt über den Zinseffekt.

    Wie extrem dieser Zusammenhang derzeit ist, zeigt Grafik 2. Dargestellt ist ein kleineres Zeitfenster, indem der Goldpreis und die Realzinsen praktisch vollkommen identisch verlaufen. Die Goldpreisbewegung der letzten Wochen hat vor allem mit einer Neubewertung der Anleger zu tun. In der zweiten Jahreshälfte 2016 glaubten Anleger an eine Normalisierung der Realzinsen. Die Wahl Trumps bestärkte diesen Glauben. Inzwischen relativiert sich das. Es deutet sich vielmehr an, dass die Zinsen wegen blutleerem Wachstum weiterhin ungewöhnlich niedrig bleiben werden. Das stützt den Goldpreis.

    Gold sollte unter diesen Umständen in den nächsten Wochen weiterhin solide performen. In der zweiten Jahreshälfte wird das schwieriger, wenn die Notenbank an ihrem Plan festhält die kurzfristigen Zinsen weiterhin anzuheben und ihre Bilanz zu verkleinern und dadurch die Langfristzinsen anzuheben. Geschieht dies bei stabiler Inflation, wird es Gold tendenziell schwer haben.

    Clemens Schmale

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