Wie lange erwarten die Charttechniker eigentlich schon „wasserfallähnliche Verluste““ beim Gold? Einen Monat, oder auch zwei? Ein halbes Jahr? Ich weiß es nicht. Mindestens jedoch seit der Goldpreis die Marke von 1.250 US-Dollar je Unze aufgegeben hat, ist das Thema salonfähig geworden. Das war Mitte November. Und jawoll, jetzt wird das Gold endgültig abstürzen, so ist es seither in zahlreichen Kolumnen zu lesen.

Die Einigkeit der Spekulanten zu diesem Thema hat nun dazu geführt, dass es insbesondere unter den Kleinanlegern keine (!) Goldbullen mehr gibt. Also überhaupt keine. Nachzulesen ist das im jüngsten Bericht der Rohstoffbörse COMEX. Erstaunlich ist das deshalb, weil gerade die Kleinanleger beim Gold traditionell auf steigende Kurse setzen.

Wenn nun aber sogar die Kleinspekulanten beim Gold „short“ sind, dann sollte uns das zu denken geben, denn diese Anlegergruppe steht mit schöner Regelmäßigkeit immer exakt zum falschen Zeitpunkt auf der richtigen Seite - und umgekehrt. Sie verstehen, was damit gemeint ist...

Nun fällt auf, dass sich der Goldpreis in dieser Woche besonders schwankungsfreudig verhalten hat – den heiß ersehnten „Wasserfall“ hat es aber schon wieder nicht gegeben.

Eine hohe Schwankungsbreite wird oftmals an wichtigen Tiefs verzeichnet. Wird das Gold demnächst also zu einer Erholung ansetzen, oder wird der Sektor nie wieder steigen? So wie sich das unsere Kleinanleger ausgedacht haben und sich jetzt schon mal ausrechnen, wie unermesslich reich sie sein werden, wenn der Goldpreis demnächst auf 1.000 US-Dollar fällt. Oder noch viel tiefer...

Wir haben Ihnen zu diesem Thema zwei sehr langfristige Kursverläufe mitgebracht. Der erste zeigt den Verlauf des US-amerikanischen Goldminen-ETF mit dem Kürzel GDX. Darin sind die wichtigsten Junior-Edelmetallproduzenten zusammengefasst. Nachfolgend sehen Sie den Verlauf dieses ETFs seit Auflegung im Jahr 2006. Dass sich die Minenwerte in einem Abwärtstrend befinden, das sieht man zur Not auch ohne Brille.

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Was nicht sofort auffällt, was aber noch viel bedeutender ist, das ist der starke Volumenanstieg im Herbst dieses Jahres. Ähnlich wie eine hohe Schwankungsbreite der Kurse weist auch eine Volumenexplosion auf eine anstehende Trendwende hin. Das gilt übrigens für beide Richtungen. Deshalb signalisiert ein Volumenanstieg am Hoch oftmals fallende Kurse, während ein solcher Anstieg am Tief das genaue Gegenteil ankündigt. Achten Sie auf die blaue Markierung in der Grafik oben...

Und damit zu unserem zweiten Chart von dieser Woche. Denn steigende Kurse bei den Minenaktien kann es natürlich nur geben, wenn der Goldpreis endlich wieder in die Hufe kommt.

Unnötig zu erwähnen, dass beim Gold von Trendwendesignalen derzeit nichts zu sehen ist. Das ist ja gerade der Grund, warum Gott und die Welt bei den Edelmetallen derzeit auf fallende Preise spekuliert. Dabei lässt die nähere Betrachtung bereits erahnen, dass sich auch dieser Trend nicht bis in alle Ewigkeit fortsetzen wird.

Nachfolgend sehen Sie den sehr langfristigen Verlauf des Goldpreises seit 1984. Bemerkenswert ist die Beobachtung, dass der Money Flow Index (MFI) mittlerweile ein Niveau erreicht hat, das es selbst während der schweren Goldbaisse der 1980er Jahren nie gegeben hat. Der MFI ist eine umsatzgewichtete Variante des bekannteren RSI. Der Indikator misst die Stärke des Umsatzvolumens, das in eine Aktie oder einen Index hinein- oder daraus abfließt.

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Die Grafik zeigt nun, dass das Marktbarometer im Herbst 2013 auf das mit weitem Abstand niedrigste Niveau der vergangenen 40 Jahre (!) zurückgefallen ist. Achten Sie auf die rote Markierung. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Pessimismus der Goldanleger heute größer ist als im Jahr 2000, also am Ende einer 20 Jahre währenden Baissephase bei den Edelmetallen.

Beide Beobachtungen, die Volumenexplosion beim GDX, sowie der historisch einmalige Pessimismus beim Gold sprechen dafür, dass sich die Kleinanleger (wieder einmal) eine blutige Nase holen werden. Die Lehre daraus wird allerdings unbezahlbar sein.

Sie lautet in etwa:

In einer epischen Papiergeldkrise, die alles in den Schatten stellt, was Generationen vor uns erlebt haben, in einer solchen Krise geht man nicht short im einzigen werthaltigen Geld, das unsere Welt kennt: Gold (und Silber).

Diese Lehre dürfte sich vielen Kleinanlegern in den kommenden Jahren für den Rest ihres Lebens in das Gedächtnis einbrennen.

Und damit ist dann ja auch schon etwas gewonnen...

In der Dezember-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs haben wir für unsere Leser untersucht, wie man in diesen schwierigen Zeiten vorgehen sollte. Die Ausgabe ist vor wenigen Tagen erschienen...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de