Der 15. August 1971 dürfte in den wenigsten Geschichtsbüchern des vergangenen Jahrhunderts eine herausragende Rolle spielen. Aber an genau diesem Tag geschah etwas, das noch heute die Devisenmärkte stärker beeinflusst als fast alle anderen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts.

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    Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die wichtigsten Währungen der Welt im sogenannten Bretton-Woods-System organisiert. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hatten im Juli 1944 im Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire dieses Währungssystem vereinbart. Das Bretton-Woods-System sollte die Vorteile flexibler Wechselkurse mit denen fester Wechselkurse verbinden.

    Kern des Bretton-Woods-System war, dass der US-Dollar als Ankerwährung für alle anderen Währungen dienen sollte. Zwischen dem Dollar und anderen Währungen wurden feste Wechselkurse festgelegt, die aber innerhalb einer bestimmten Bandbreite schwanken durften.

    Die ausländischen Notenbanken kauften und verkauften Dollars, um den Wechselkurs innerhalb der vereinbarten Grenzen zum Dollar zu halten. Im Gegenzug verpflichtete sich die US-Notenbank, Gold in unbegrenzten Mengen gegen Dollar zu kaufen und zu verkaufen, und zwar zum festgesetzten Goldpreis von 35 Dollar je Unze.

    Eine Folge: Statt selbst Gold zu halten, sollten die ausländischen Notenbanken Dollars in ihren Tresorräumen bunkern. Die Dollars waren schließlich so gut wie Gold: Sie konnten jederzeit gegen das Edelmetall eingetauscht werden. So zumindest das Versprechen, das mehrere Jahrzehnte auch eingehalten wurde.

    Doch die Eintauschbarkeit gegen Gold stellte sich immer mehr als Lüge heraus: Weltweit bestand ein immer größerer Bedarf an Dollars - um als Währungsreserven zu dienen, aber auch um Handel mit den USA zu betreiben. Die USA erzielten im Handel mit dem Rest der Welt ein immer größeres Leistungsbilanzdefizit. Im Ausland sammelten sich immer größere Dollarbestände an, die weit größer waren als die US-Goldreserven. Es wäre also schlicht unmöglich gewesen, alle Dollars zum festgelegten Preis gegen Gold einzutauschen. Das Missverhältnis wurde mit der Zeit so groß, dass das Vertrauen in den Dollar immer stärker abnahm und eine Währungskrise drohte. Im Jahr 1968 wurde die Einlösbarkeit von Dollar gegen Gold bereits stark eingeschränkt: Nur noch Notenbanken durften bei der US-Notenbank Fed Dollar gegen Gold tauschen. Aber auch die Dollar-Reserven der ausländischen Notenbanken überstiegen die Goldreserven der US-Notenbank dramatisch: Die US-Notenbank verfügte nur noch über Goldreserven von 12 Mrd. Dollar, während die ausländischen Notenbanken Dollars im Wert von mehr als 50 Mrd. Dollar bunkerten.

    Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon schließlich eine Entscheidung, die letztlich zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems führte: Nixon hob die Eintauschbarkeit des Dollars gegen Gold auf. Der Dollar konnte nicht mehr zum festgesetzten Preis in Gold umgetauscht werden.

    Was eigentlich eine Bankrotterklärung der USA und des Bretton-Woods-System gleichkam, begründete Nixon mit einer angeblichem Stärkung des Dollars, obwohl die Entscheidung genau das Gegenteil, also eine Schwächung des Dollars, bewirkte. Die Schuld an der Vertrauenskrise des Dollars schob Nixon den „internationalen Geldspekulanten“ in die Schuhe:

    „Wir müssen die Position des US-Dollar als eines Stützpfeilers der Währungsstabilität überall in der Welt schützen. In den letzten sieben Jahren kam es durchschnittlich jedes Jahr zu einer internationalen Währungskrise. Wer profitiert von solchen Krisen? Nicht der Arbeiter, nicht der Kapitalanleger, nicht die wahren Produzenten von Vermögenswerten. Die Gewinner sind die internationalen Geldspekulanten. Weil sie von Krisen leben, helfen sie mit, Krisen zu schaffen. In den letzten Wochen haben die Spekulanten einen Krieg mit allen Mitteln gegen den amerikanischen Dollar entfacht. Die Stärke der Währung einer Nation beruht auf der Stärke ihrer Wirtschaft – und die amerikanische Wirtschaft ist die bei weitem stärkste der ganzen Welt. Dementsprechend habe ich den Finanzminister beauftragt, die zur Verteidigung des Dollars gegen Spekulanten erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Ich habe Finanzminister Connally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollar in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen, ausgenommen bei Beträgen und unter Bedingungen, die als im Interesse der Währungsstabilität und als im besten Interesse der Vereinigten Staaten liegend angesehen werden. [...] Diese Maßnahme wird uns keine Freunde unter den internationalen Geldhändlern einbringen, aber unsere Sorge gilt in erster Linie den amerikanischen Arbeitern und einem fairen Wettbewerb überall auf der Welt. [...] Ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, dass der amerikanische Dollar nie wieder ein Spielball in den Händen der internationalen Spekulanten sein wird.“

    Um einen plötzlichen Inflationssprung und einen Vertrauensverlust in den Dollar zu verhindern, verkündete Nixon außerdem eine Fixierung aller Löhne und Preise in den USA für eine Dauer von 90 Tagen. Außerdem wurde ein Einfuhrzoll von 10 Prozent auf alle Importwaren verhängt.

    Das folgende Youtube-Video zeigt den entscheidenden Abschnitt der Rede von Richard Nixon vom 15. August 1971 (englisch):

    https://www.youtube.com/watch?v=iRzr1QU6K1o

    Das folgende Youtube-Video zeigt die gesamte Rede (englisch):

    https://www.youtube.com/watch?v=ye4uRvkAPhA

    Die Aussetzung der Eintauschbarkeit von Dollar gegen Gold wurde von Nixon als vorübergehende Entscheidung bezeichnet, doch die Eintauschbarkeit von Dollar in Gold wurde auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht wieder eingeführt.

    Seit dieser Zeit sind Dollar nichts anderes mehr als bedrucktes Papier ohne inneren Wert – eine sogenannte Fiatwährung, wie fast alle Währungen heute. Der Wert der Währungen basiert seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems nicht mehr auf irgendwelchen Reserven der Notenbanken, sondern nur noch im Glauben der Menschen, diese hätten eigentlich einen Wert.

    Die Entscheidung zur endgültigen Aufhebung des Goldstandards machte die exorbitante Geldmengenausweitung in der ganzen Welt in den Jahren nach der Finanzkrise erst möglich. Die Entscheidung erklärt auch, warum für eine Unze Gold heute nicht mehr 35 US-Dollar, sondern rund 1.300 Dollar bezahlt werden müssen: Ein Dollar ist - gewichtet in Gold - heute nur noch rund 2,7 Prozent so viel wert wie zu Zeiten des Bretton-Woods-Systems.