Es wirkt paradox. Die Probleme eines Eurolandes sorgen dafür, dass es dem Rest besser geht. Dafür ist auch relativ schnell eine Erklärung gefunden. Die Logik geht über die Währung, die den meisten Ländern einen Vorteil verschafft.

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Je tiefer der Euro steht, desto attraktiver sind Güter aus der Eurozone. Andere Ländern können vom niedrigen Währungskurs profitieren und Güter aus der Eurozone zu günstigen preisen importieren.

Der Wechselkurs wird von mehreren Faktoren bestimmt. Ganz vorne mit dabei sind natürlich die Zinsen. Die Zinsen können in der Eurozone kaum noch sinken. Die EZB wird uns möglicherweise eines Besseren belehren. Marktteilnehmer gehen von einer weiteren Zinssenkung aus.

Dabei würde der Einlagensatz, der Banken aktuell stark belastet, von -0,4 % auf -0,5 % oder -0,6 % gesenkt werden. Man darf durchaus anzweifeln, ob das noch etwas nützt. Eine Senkung des Einlagensatzes belastet Banken und schwächt das Finanzsystem. Es führt nicht dazu, dass mehr Kredit vergeben wird. Vermutlich führt es sogar dazu, dass weniger Kredit zur Verfügung steht.

Rein wirtschaftlich bringt das also nichts, zumindest nicht, wenn es um die Versorgung mit Kredit geht. Vielmehr drückt es die Währung. Ob der Zins nun aber um 10 oder 20 Basispunkte gesenkt wird, ist kaum ausschlaggebend. Gerade gegenüber dem Dollar ist das ein Rundungsfehler. Im Dollarraum können die Zinsen sehr viel stärker gesenkt werden.

Der Dollar kann aufgrund der Zinsveränderung sehr viel stärker unter Druck geraten, weil die Notenbank mehr Spielraum hat. Trotzdem bleibt der Dollar stark und der Euro schwach. Das dürfte vor allem an Italien liegen. Die Lage hat sich wieder beruhigt, doch eine neuerliche Eurokrise schwelt weiterhin im Hintergrund.

Das führt dazu, dass der Euro nicht aufwertet, obwohl er es müsste. Das liegt nicht nur am Zinstrend, sondern auch an den Überschüssen, die die Eurozone über die Leistungs- und Kapitalbilanz anhäuft (siehe Grafik). Der Geldfluss aus diesen Bilanzen ist phänomenal positiv. Der Euro müsste nicht nur aufwerten, sondern bereits bei mindestens 1,30 stehen.

Anstatt aufzuwerten, kommt der Euro kaum vom Fleck. Es besteht Aufwertungsdruck, dem die Zinsen nur wenig entgegenzusetzen haben. Es sind also andere Gründe, die den Euro tief halten. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das auf die Probleme einzelner Länder zurückzuführen, namentlich Italien.

Ohne dieses Damoklesschwert sähe die Sache ganz anders aus. Eine schnelle Euroaufwertung würde die Eurozone wohl endgültig in die Rezession stürzen. Es ist zwar niemand begeistert über Italiens Politik, doch unterm Strich hilft sie der Eurozone sogar.

Clemens Schmale

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