• GRENKE AG - Kürzel: GLJ - ISIN: DE000A161N30
    Börse: XETRA / Kursstand: 34,720 €

London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Nach dem am Dienstag von Viceroy Research veröffentlichten Bericht zu GRENKE ist die Unsicherheit im Markt bezüglich der Aktie nach wie vor extrem hoch. Der britische Investor Fraser Perring hat durch schwere Vorwürfe den Kurs der Aktie ins Taumeln gebrach. Die Perring gehörende Firma Viceroy Research veröffentlichte einen Report, in dem GRENKE vorgeworfen wird, über Jahre die Bilanz aufgebläht sowie überhöhte Gewinne und Kassenbestände ausgewiesen zu haben. Ähnliche Vorwürfe hatte Perring vor vier Jahren auch schon dem inzwischen insolventen Unternehmen Wirecard gemacht.

Gegen Perring ermittelten allerdings bereits die Finanzaufsicht und die Staatsanwaltschaft München im Zusammenhang mit 2018 gegen das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 erhobenen Vorwürfen, und ausdrücklich weist Perring darauf hin, dass er in GRENKE Short-Positionen aufgebaut hat und somit von fallenden Kursen profitiert.

Immerhin sind die Vorwürfe offenbar stichhaltig genug, um die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan zu rufen. Die Finanzaufsicht geht sowohl gegen GRENKE wegen möglicher Marktmanipulationen als auch gegen Perring u.a. wegen mutmaßlicher Insidergeschäfte vor.
In einer Stellungnahme wies GRENKE die Vorwürfe zurück und behielt sich rechtliche Schritte vor. Der Viceroy-Bericht enthalte Unterstellungen und nicht zutreffende Anschuldigungen, gegen die sich GRENKE in einer derzeit in Vorbereitung befindlichen Entgegnung zur Wehr setzen werde. Ein zentraler Vorwurf sei, dass von den im GRENKE-Halbjahresbericht ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln ein substanzieller Teil nicht existiere. Dies ist nach Darstellung von GRENKE nachweislich falsch, da sich 849 Mio. Euro der liquiden Mittel zum 30.06.2020 gemäß Halbjahresbericht auf Konten der Deutschen Bundesbank befanden. Aktuell beliefe sich das Guthaben bei der Deutschen Bundesbank auf 761 Mio. Euro.

Der britische Investor Fraser Perring habe mit GRENKE erneut ein deutsches Unternehmen als Ziel seiner Short-Attacken ausgewählt, schreibt NordLB-Analyst Thorsten Strauß in einer am Montag vorgelegten Studie. So zweifelhaft und rustikal die Vorgehensweise auch sein möge: der Umstand, dass er bei Wirecard frühzeitig auf mögliche Bilanzmanipulationen hingewiesen habe, beschere Perring nun erheblichen Zulauf. Außerdem sei nach den bitteren Wirecard-Erfahrungen nicht völlig auszuschließen, daß sich einige der jetzt von Perring gegen GRENKE erhobenen Vorwürfe als zutreffend erweisen könnten.

Licht ins Dunkel sollen nun die Bafin und die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, DPR, bringen. Solange nicht mehr Klarheit bezüglich der von Perring vorgebrachten Vorwürfe herrsche, setze die NordLB ihre Empfehlung und das Kursziel für die GRENKE- Aktie aus (Rating: under Review).

Eine umfassende Erklärung, in der alle Vorwürfe im Detail behandelt werden, sei derzeit in Vorbereitung und werde voraussichtlich in Kürze veröffentlicht. Darauf weisen die Analysten von Warburg Research in einer Studie von Donnerstag hin. Solange die Antwort des Unternehmens jedoch noch ausstehe, gehen man davon aus, dass die Aktienkursbewegungen weitgehend durch Stimmungsänderungen und technische Muster bestimmt werden, so Warburg. Daher scheine sich der Aktienkurs von der fundamentalen Bewertung zu lösen. Warburg setzt aus diesen Gründen das Rating für Grenke ebenfalls vorerst aus.“Dennoch glauben wir weiterhin an das operative Geschäft des Unternehmens und sehen gute Chancen für eine Neubewertung, sobald sich die Unsicherheit verringert hat“, schrieb Warburg-Analyst Marius Fuhrberg.

Folgende Punkte sollten laut Fuhrberg beachtet werden: „Auch wenn die Vorwürfe über nicht offengelegte Transaktionen mit verbundenen Parteien ernst zu nehmen und aus unserer Sicht das wichtigste Thema sind, sollte dies keine Bedrohung für die Existenz des Unternehmens darstellen“. Der kumulierte Nettogewinn seit 2010 belaufe sich auf über 764 Millionen Euro. „Vor diesem Hintergrund könnten potenzielle, nicht offengelegte Transaktionen mit verbundenen Parteien bei den Investoren einige Kästchen zur Corporate Governance ankreuzen, sollten aber, wenn sie nachgewiesen werden, keine existenzielle Bedrohung für das Unternehmen darstellen“.

Die Zahl der Resellers, die mit GRENKE zusammenarbeiten, beläuft sich laut Warburg auf etwa 40.000. Der größte Reseller sei nur für 0,9 Prozent des Mietportfolios verantwortlich. Dieser hohe Diversifizierungsgrad spreche gerade nicht für eine strukturelle Unterstützung von und Zusammenarbeit mit betrügerischen Operationen, wie von Viceroy vorgeworfen.

Als Folge der Vorwürfe könnte aber die Liquidität für GRENKE zu einem Problem werden. „Wir glauben, dass es für das Unternehmen derzeit nahezu unmöglich ist, eine Refinanzierung über die Kapitalmärkte sicherzustellen“. Darüber hinaus könnte ein Abfluss von Kundeneinlagen das Ergebnis hoher Unsicherheiten sein. Fuhrberg hält dies jedoch für eher unwahrscheinlich, da der Großteil der Bankeinlagen von GRENKE in Termineinlagen angelegt werden sollte, die nicht kurzfristig abgezogen werden können. Daher gehe er davon aus, dass GRENKE über genügend liquide Mittel verfüge, um das Neugeschäft zu finanzieren, so der Analyst. „Sobald die Situation geklärt ist, sollte GRENKE wieder Zugang zu weiteren Refinanzierungsmöglichkeiten haben“.

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GRENKE AG