Was sich in Griechenland derzeit abspielt, ist absolut bemerkenswert. Die Zinsen fallen wie ein Stein. So zahlt Griechenland für 5-jährige Anleihen heute weniger als die USA. Von einigen Kommentatoren wurde das so aufgefasst, dass sich Griechenland leichter Geld besorgen kann als die USA. Das ist natürlich Unsinn.

Der Zinssatz in den USA hat nichts damit zu tun wie leicht sich die Regierung Geld leihen kann. Sie hat überhaupt keine Probleme an Geld zu kommen. Nicht umsonst gelten US-Staatsanleihen als risikolos. Nun ist der Leitzins aber bei fast 2,5 %. Da kann man nicht erwarten, dass die Rendite von Staatsanleihen wesentlich tiefer notiert.

Die Anleiherendite spiegelt die erwarteten Leitzinsen über die Laufzeit wider, inklusive Inflationserwartung und etwaiger Aufschläge für besonders lange Laufzeiten. Insofern ist es kaum denkbar, dass die Zinsen in den USA deutlich fallen, wenn die Notenbank den Leitzins nicht senkt.


In den USA werden die Renditen maßgeblich von den Zinserwartungen geprägt. In Griechenland ist das anders. Es gibt ja keinen Leitzins oder sogar einen negativen Einlagensatz. Das, was der Staat an Zinsen zahlt, ist die Risikoprämie. Diese ist nun so tief gesunken, dass Griechenland für Laufzeiten bis 5 Jahre weniger zahlen muss als die USA.

Das gleicht nicht nur einem Wunder. Es ist eines. Ökonomisch ist die Lage ja keinesfalls rosig. Die Arbeitslosenrate liegt zwar nicht mehr bei den 28 %, die das Land 2013 ausweisen musste, doch mit 18 % kann man nicht gerade von einem Boom sprechen.

In den meisten Krisenländern hat sich die Lage annährend normalisiert. In Spanien liegt die Arbeitslosenrate bei weniger als 14 %. Zwischen 10-13 % kann man von einer Normalisierung sprechen. In Portugal ist die Arbeitslosenquote wieder dort, wo sie vor der Krise war. Auch in Zypern dauert es nicht mehr lang und die Krise ist ausgestanden. Nicht so in Griechenland.

Griechenland bräuchte beim derzeitigen Tempo noch mindestens 4 Jahre, um von einer Normalisierung sprechen zu können. In vier Jahren kann viel geschehen. Dass der Staat da nur 2,2 % für 5-jährigen Anleihen zahlen muss, ist bemerkenswert. Für 10-jährige sind es immerhin noch 3,3 %. Für ein Land, das die Definition von bankrott ist, erscheint das sportlich.

Es zeigt wie unglaublich verzweifelt Anleger nach Zinsen suchen. Nachdem die EZB die Zinsen nicht anhebt und das Versprechen niedriger Zinsen verlängert hat, kam Panik auf. Es ist kein Zufall, dass griechische Anleiherenditen seit der vorletzten EZB-Sitzung stark gefallen sind.

Wegen zu großer Geldmengen, die nach Rendite suchen, wird Risiko vollkommen vernachlässigt. So entstehen Schieflagen im Finanzsystem. Die EZB nimmt diese einfach in Kauf. Sie erzwingt sie geradezu.

Clemens Schmale

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