Die mögliche Staatspleite Griechenlands und ein Austritt des Landes aus der Eurozone werden oft in einem Atemzug genannt. Athen müsste die Währungsunion bei einer Zahlungsunfähigkeit aber nicht zwangsläufig verlassen. Der EU-Vertrag sieht nicht vor, dass ein Land aus der Eurozone austritt. Ein Grexit müsste deshalb verhandelt oder einseitig von Griechenland erklärt werden. Einen Automatismus gibt es nicht. Zudem ist völlig unklar, wie ein Ausscheiden aus der Währungsunion überhaupt vonstatten gehen soll.

Dennoch ist ein Grexit bei einer Insolvenz nicht ganz unwahrscheinlich: "Die griechischen Banken wären von der Liquiditätsversorgung durch die EZB abgeklemmt. Ohne Zugang zu neuen Euro wäre das Land faktisch aus der Währungsunion ausgeschlossen", erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Griechenland wäre daher gezwungen, eine neue Währung einzuführen, die die griechische Notenbank selbst "drucken" könnte. Denkbar ist aber auch, dass Griechenland den Euro behält und eine Parallelwährung einführt. Der griechische Staat könnte dann einen Teil seiner Staatsausgaben über diese Parallelwährung finanzieren.

Wie das im Detail aussehen könnte, auch was den Handel zwischen der Eurozone und Griechenland betrifft, ist allerdings noch völlig unklar. Zudem würde die EU den neuen griechischen Status wahrscheinlich nur sehr widerstrebend offiziell anerkennen. Denn dann wäre der Weg für weitere Austritte geebnet, und zwar immer dann, wenn eine Regierung ihre Schuldenlast als zu drückend empfände.

Die Fragezeichen und die Gefahren rund um einen Grexit sind riesig und nicht abschätzbar. Ich gehe deshalb davon aus, dass man sich in letzter Minute einigen oder einen Notfallplan präsentieren wird, der Athen in der Eurozone hält. Aus politischen und geo-strategischen Gründen werden die Vertreter der EU es um jeden Preis vermeiden, dass ein Land aus dem Euro ausscheidet.

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