Bemerkenswert ist die Entwicklung des Euro. Dieser eröffnete gestern Abend im asiatischen Handel mit einem fast 1,5%-igen Gap nach unten. Das sieht man nicht jeden Tag. Was man ebenfalls nicht jeden Tag sieht ist die extrem schnelle Erholung. Inzwischen steht der Euro höher als er am Freitag geschlossen hatte. Das sagt viel aus.

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Anleger nehmen den Bankrott Griechenlands und den möglichen Austritt aus der Währungsunion offenbar positiv auf. Die Logik dahinter kann ich gut nachvollziehen. Wenn das schwächste Glied einer Kette entfernt wird, dann ist der Rest stabiler.

Ganz so einfach ist die Lage dann anscheinend aber doch wieder nicht. Die Renditen für zehnjährige portugiesische, spanische und italienische Anleihen machten einen kräftigen Satz nach oben. Die Renditen bei irischen Anleihen bewegen sich kaum und sinken heute sogar ein wenig. Investoren unterscheiden ganz klar zwischen dem Norden und dem Süden der Krisenländer. Irland, kann man sagen, gehört schon gar nicht mehr dazu.

Die recht sprunghafte Bewegung der Renditen nach oben macht trotz des robusten EUR/USD Kurses deutlich, dass Anleger noch nicht alles vergessen haben. Den ganz großen Abverkauf gab es bei Anleihen der Krisenländer nicht. Das ist schon einmal ein gutes Zeichen.

Damit aus der heutigen, ersten Reaktion der Anleger kein Trend wird - sei es bei Aktien oder Anleihen - sollten die übrigen Euroländer relativ schnell Vorschläge machen, wie sie die Situation behandeln wollen. Die Bekenntnisse vieler Politiker, dass man jederzeit wieder miteinander verhandeln könne, sind verständlich, aber nicht hilfreich. Es muss Klarheit her und zwar jetzt. Revidieren kann man später immer noch - wäre ja nun wirklich nicht das erste Mal. Eine Fortsetzung des bisherigen Verhaltens, einem ständigen Hin und Her, ist kontraproduktiv.

Noch besteht die Chance, dass sich die heutigen Reaktion am Markt sehr schnell wieder ausbügeln lassen. Von alleine wird das jedoch nicht geschehen, denn es schwebt vor allem eine ganz große Frage im Raum: was geschieht mit den wertlosen griechischen Schulden und Krediten, die bei EZB und den Eurostaaten liegen?

Wahrscheinlich ist eine Auslagerung der Schulden an den EFSF und EFSM. Alles ganz einfach, oder? Nicht ganz. EFSF und EFSM haben zusammen eine Kapazität von 500 Mrd. Euro. Würden die Schulden des Hilfsprogramms und die Kredite der EZB gebündelt, dann müssten über 250 Mrd. ausgelagert werden. Mit anderen laufenden Programmen bleibt dann von den 500 Mrd. so viel nicht mehr.

Wer ein wenig über die Implikationen nachdenkt, der findet schnell viele offene Fragen, die Sprengstoff beinhalten. Darauf muss es Antworten geben. Alles andere tut der Eurozone wirklich nicht gut. Auf das Referendum zu warten und dann die nächsten Monate mit der gleichen Regierung in Athen weiterzuverhandeln dürfte ebenso produktiv werden wie die vergangenen Monate. Jetzt besteht die Chance auf einen Schlussstrich und diese Chance muss genutzt werden.

Griechenlands Regierung hackt derweil auf dem Rest der Eurozone weiter herum. Die Aussagen des Tsipras/Varoufakis Duos erinnern inzwischen an nordkoreanische Propaganda. So verkündete Varoufakis gestern Mittag, dass es keine Kapitalverkehrskontrollen geben wird. Kurze Zeit später erklärt Tsipras das Gegenteil. Varoufakis: die Maßnahmen dienen dazu, die Konsequenzen der Entscheidungen der Euroländer für die Griechen möglichst gering zu halten.

Was gut klingt ist einfach nur Müll und größte Propaganda. Behauptet wird zudem die Entscheidungen der Eurogruppe und der EZB dienten dazu, die Demokratie zu unterwandern und das Referendum zu verhindern.

Hören sich Tsipras und Varoufakis eigentlich selbst reden? Der Unsinn solcher Aussagen ist kaum noch greifbar. Die nordkoreanische Propagandamaschine kann da sogar noch etwas lernen.

Ob die Regierung es aus Verzweiflung oder aus Überzeugung tut weiß keiner. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass sich hier etwas ganz Schlimmes offenbart: kommt es nicht bald zu Neuwahlen in Griechenland, dann muss man sich dafür fürchten, dass die links-rechts Regierung totalitäre Maßnahmen umsetzen. Verbal sind sie schon mitten drin. Soviel zum Thema Demokratie.

Für Griechenland war`s das heute sicherlich noch nicht. Da kommt eine Lawine von Instabilität auf die Griechen zu, nicht nur an den Märkten, sondern auch in der Politik. Das wird sich auch auf den Rest Europas auswirken. Die rein finanziellen Implikationen der Krise sind zu bewältigen. Viel schwieriger einzuschätzen ist es, was passiert, wenn Griechenland auch politisch und Gesellschaftlich ins Chaos stürzt. Insofern kann es nach der heutigen Panikreaktion in den kommenden Tagen etwas ruhiger werden. Danach droht eine zweite Verkaufswelle.