Athen (Godmode-Trader.de) - Die gute Nachricht ist: Griechenland und die Türkei reden nach fünf Jahren Funkstille wieder miteinander. Die weniger gute: Die Sachlage ist sehr kompliziert. Bisher sind sich die Konfliktparteien nicht einmal darüber einig, was sie konkret besprechen wollen. Es geht grundsätzlich um Rechte, die die Staaten vor ihren Küsten im Meeresgebiet beanspruchen. Hoheitsgebiete, die sich teilweise - je nach Definition - überschneiden, und in denen große Vorkommen an Erdgas, aber auch Erdöl vermutet werden. Der Konflikt um das Erdgas, er wäre im vergangenen Jahr fast zum Casus Belli geworden.

Das EU-Mitglied Griechenland wirft der Türkei vor, in Meeresgebieten nach Erdgas zu suchen, die nach internationalem Seerecht ausschließlich von Athen beansprucht werden dürfen. Das sieht die Türkei freilich anders, nach deren Ansicht gehören diese Gebiete zum türkischen Festlandsockel. Der Streit belastete auch die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei. Brüssel hatte Sanktionen verhängt, vor harten Strafmaßnahmen jedoch vorerst zurückgeschreckt.

Die 61. Runde der Beratungen findet nun in Istanbul statt. Die türkische Delegation leitet nach Medienberichten der stellvertretende Außenminister Sedat Önal, die griechische der Diplomat Pavlos Apostolidis. Eine pragmatische Lösung wäre nach dem Stand der Dinge die beste alles Lösungen.

Geht es dabei nur um wirtschaftliche Frage, wie die möglichen Funde an Erdgas und die Gewinne möglicher Explorationen aufgeteilt werden können, ließe sich sicherlich eine Übereinkunft erzielen. Ankara will aber offenbar das große Fass aufmachen und alle strittigen Themen ansprechen, darunter die jeweiligen Hoheitsgebiete und Ausschließlichen Wirtschaftszonen in der Ägäis sowie die Entmilitarisierung griechischer Inseln vor der türkischen Küste und auch die Definition des jeweiligen Luftraums. Bei allen diesen Fragen adäquate Kompromisse zu finden, dürfte ungleich schwerer werden.