Die Gewinnberichtssaison offenbarte große Unterschiede bei den Finanzergebnissen der Banken. „US-Banken haben im Allgemeinen recht gut abgeschnitten; vor allem das Trading von BNP Paribas war eindrucksvoll. Allerdings haben Société Générale und HSBC eine schwierige Zeit durchlebt“, sagt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. Einige Banken, darunter auch Société Générale, haben aus seiner Sicht unter der Struktur der Handelsbücher gelitten, da Unternehmen keine Dividenden auszahlten. Andere Banken, wie die HSBC, waren von zunehmenden Kreditverlusten betroffen. „Ob sie nun auf Eigenkapitalderivate spezialisiert sind, wie die Société Générale, oder ob sie ein stark diversifiziertes Geschäftsfeld haben, wie JPMorgan – die unterschiedlichen Geschäftsausrichtungen der Banken führten zu einer großen Bandbreite von Ergebnissen“, erklärt Galy. „Die Banken profitierten zudem von Derivaten und klaren Trends, wobei Volatilitätsausbrüche in der Regel vorteilhaft für ihre Market-Making-Geschäfte sind. Da die Trends an den Finanzmärkten in den nächsten Monaten immer komplexer werden, verdunkeln sich die Handelsaussichten für den Sektor, worauf mehrere Banken hingewiesen haben.“

Was bedeutet das für Investoren?

„Da die Unterschiede zwischen den Finanzwerten und anderen reifen Sektoren zunehmen dürften, gewinnt die Rolle von Portfoliomanagern und ihren Analysten an Bedeutung. Sie treffen eine bewusste Entscheidung für Länder, Sektoren und bestimmte Banken auf der Basis ihrer Analyse von Produkten, Bilanzen und Richtlinien. Sie suchen zudem den Dialog mit dem Management und fordern es häufig dazu auf, ESG-Themen stärker in den Fokus zu nehmen. In einem komplexer werdenden Umfeld sind umfassende Analysen unabdingbar. Zudem müssen Anleger weiterhin Geduld beweisen, bis sich Value-Aktien durchsetzen werden“, schlussfolgert Galy.

Spannung zwischen den USA und China

Die Spannungen zwischen den USA und China nehmen angesichts der schlechten Umfrageergebnisse des US-Präsidenten wie erwartet zu. Außenminister Pompeo könnte ähnliche Sanktionen vorschlagen, wie sie Indien gegen China verhängt hat, indem es eine breite Palette chinesischer Apps verbot. Und dies trotz der Gespräche, die Microsoft über den Kauf von TikTok in den USA, Kanada und Australien führt. „Man darf jedoch nicht vergessen, dass die chinesische Regierung die Nutzung vieler westlicher Apps, darunter Facebook, bereits unterbindet und Maßnahmen unternimmt, ausländische Inhalte aus ihrem Netzwerk und ihrer Wirtschaft auszuschließen, obwohl sie gleichzeitig ausländische Investitionen fördert“, erklärt Galy. Potenzielle chinesische Vergeltungsmaßnahmen dürften den US-Softwareherstellern schaden, wobei es schwierig werden könnte, Firmen wie Microsoft zu ersetzen. Ein Nebeneffekt dieser Spannungen sei, dass die Einhaltung des Phase-1-Abkommens wahrscheinlich nachgelassen habe. „Die Spannungen mit China werden immer wieder aufkeimen und nachlassen. Der Markt spiegelt bereits größtenteils die Erwartungen an eine von Demokraten geführte US-Regierung wider, unter denen die Spannungen zwischen den Ländern deutlich zurückgehen dürften, auch wenn der Konflikt bestehen bleibt“, so Galy.

Was bedeutet das für Investoren?

„Obwohl die Spannungen zwischen den USA und China wie erwartet zugenommen haben, halten wir an einem von China angeführten Aufschwung im asiatisch-pazifischen Raum fest, da die Binnennachfrage dort weitaus wichtiger geworden ist, als das in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war“, sagt Galy. Der Caixin China Einkaufsmanagerindex sei im Juli besser als erwartet ausgefallen und signalisiere eine leichte Expansion. Zudem sind die hochfrequenten Daten sowie die regionalen Einkaufsmanagerindices im asiatisch-pazifischen Raum aus Sicht des Experten ermutigend. Angesichts der Spannungen mit den USA könne die Chinesische Zentralbank (PBoC) den Märkten in den nächsten Wochen wieder mehr Liquidität zuführen und die monetären Bedingungen lockern. Denn es dürfte einige Monate dauern, um die ergriffenen Maßnahmen der republikanischen US-Regierung rückgängig zu machen. „Diese Spannungen dürften sich positiv auf den Dollar und negativ auf den Euro auswirken, da Investoren in einer Zeit der Risikoaversion dazu neigen, den Dollar zurückzukaufen. Ebenso wichtig ist, dass sich unter solchen Spannungen Investments in China tendenziell reduzieren, was bedeutet, dass weniger eingehende Dollar von der chinesischen Zentralbank verkauft werden, um Euro zu kaufen“, schließt der Senior-Makrostratege.