Jeffrey Gundlach, Gründer und CEO der Investmentfirma DoubleLine Capital, glaubt an den Beginn eines neuen Bärenmarktes und an neue Tiefs im breiten US-Aktienindex S&P 500.

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    "Ich bin mir ziemlich sicher dass dies ein Bärenmarkt ist", sagte Gundlach am Montag im Finanzsender CNBC.

    Anders als etwa der DAX haben die wichtigsten US-Indizes noch keine 20 Prozent gegenüber ihren jeweiligen Hochs eingebüßt und befinden sich damit einer weitverbreiteten Definition zufolge noch nicht in einem neuen Bärenmarkt. Mit einem Minus von mehr als 10 Prozent handelt es sich aktuell nur um eine Korrektur in den US-Indizes. Gundlach hingegen glaubt fest an eine längere Periode fallender Kurse: "Wir haben so ziemlich alle Faktoren, die einen Bärenmarkt auszeichnen", sagte Gundlach.

    Ein Bärenmarkt entwickele sich typischerweise, nachdem etwas passiere, "das keinen Sinn ergibt". Mit Bitcoin habe der Finanzmarkt auch dieses Mal eine Blase erlebt, die an die Internetblase zu Beginn des Jahrtausends und die Immobilienblase vor der Finanzkrise von 2008 erinnere.

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    Jeffrey Gundlach im Interview mit dem Finanzsender CNBC

    "Einer nach dem anderen sieht man immer mehr Marktsektoren, die es aufgeben", sagte Gundlach. Letzte Hoffnung seien die FAANG-Aktien der schnell wachsenden Technologieunternehmen Facebook, Amazon, Apple, Netflix und der Google-Mutter Alphabet gewesen, die sich inzwischen in oder nahe an einem Bärenmarkt befinden.

    Der Handelskrieg der USA mit China zusammen mit den Fed-Zinserhöhungen habe den Markt belastet, so Gundlach. "Ich glaube, dass der Handelskrieg schlimmer wird", sagte Gundlach. "Wir werden die Zölle hochfahren."

    Die US-Notenbank solle in dieser Woche den Leitzins besser nicht anheben, riet Gundlach. "Ich denke, sie sollten sie diese Woche nicht erhöhen." Der Anleihemarkt sage der Fed im Wesentlichen, dass sie keine Möglichkeit habe, die Zinsen zu erhöhen. Die Renditen der US-Staatsanleihen mit zwei, drei und fünf Jahren Laufzeit seien mit 2,7 Prozent praktisch identisch, so Gundlach. Eine Verflachung bzw. Inversion der sogenannten Zinsstruktur, bei der kurzlaufende Anleihen so hoch oder sogar höher rentieren als lang laufende Anleihen, gilt als wichtiges Anzeichen für eine beginnende Rezessiom und einen Bärenmarkt. Das eigentliche Problem sei aber nicht, dass die Fed nun die Zinsen erhöhe, sondern dass die Zinsen für so lange Zeit so niedrig belassen worden seien, betonte Gundlach.

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    S&P 500: Auf dem Weg in einen neuen Bärenmarkt?

    Im Jahr 2019 komme es nicht darauf an, das Kapital zu vermehren, sondern das Kapital zu erhalten, sagte Gundlach. So "unsexy" es auch klinge, sei ein Portfolio mit qualitativ hochwertigen Anleihen mit kurzer Laufzeit wohl die beste Wette für 2019, so Gundlach. "Ich werde von Anlegern gefragt, was genau falsch daran sei, einfach die zweijährige US-Staatsanleihe zu kaufen. Und ich stimme zu. Was soll falsch daran sein, die zweijährige US-Staatsanleihe mit einer Rendite von 2,70 Prozent zu kaufen, wenn die 30-jährigen Anleihen mit 2,85 Prozent rentieren und die Dividendenrendite des S&P 500 unter der Rendite eines T-Bills (US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit unter einem Jahr) liegt?", sagte Gundlach. Interessant seien aber auch Rohstoffe, die sich im letzten Jahr anders als Aktien und Anleihen trotz der schlechten Stimmung positiv entwickelt hätten.

    Den Trend hin zum passiven Investieren bezeichnete Gundlach als "Wahn", der sich entwickelt habe, als der Aktienmarkt auf immer neue Hochs gestiegen sei. "Ich bin überhaupt kein Fan des passiven Investierens", betonte Gundlach. Nun könnten passive Investmentansätze und sogenannte Robo Advisors die Probleme im Markt verschlimmern, prophezeit Gundlach.

    Neben Gundlach warnte am Montag auch der vor allem als Short-Seller bekannte Hedgefondsmanager Jim Chanos vor einer weiteren Zinserhöhung durch die Fed. Er sei besorgt, wie fragil der Markt angesichts der Aussicht auf kleine Zinserhöhungen reagiere. Es sei erschreckend, dass der Markt offenkundig schon Probleme mit einem Leitzins von (unter) drei Prozent habe, obwohl das nominale BIP-Wachstum zuletzt bei sechs Prozent gelegen habe und sich die Arbeitslosigkeit auf dem tiefsten Stand aller Zeiten befinde, sagte Chanos.


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