„In den nächsten Wochen wird der ,einfacheʻ Teil der Erholung nach Covid-19 vorbei und Anleihen sowie Aktien werden sehr viel teurer sein. Zum Übergang in die nächste Phase empfehlen wir, auf flexible Lösungen zu setzen, um über einen Portfoliomanager oder eine automatisierte Lösung die Assetallokation schnell anpassen zu können. Davon abgesehen haben zwei langfristige Themen weiterhin Bestand: 1) die wirtschaftliche Erholung in China, die sich auf die Region Asien-Pazifik ausdehnt, und 2) das ESG-Thema, das immer mehr zur Kernpriorität für Investoren wird.

Flexible Lösungen passen sich schnell an

Covid-19 hat der Weltwirtschaft einen massiven Schlag versetzt: Sowohl Angebot als auch Nachfrage wurden so sehr erschüttert, wie wir es in über hundert Jahren nur selten erlebt haben. Maßnahmen, die von den Behörden im Hinblick auf die Gesundheit ergriffen wurden, Unterstützung für Arbeitnehmer und Unternehmen sowie eine aggressive geldpolitische Lockerung haben dazu beigetragen, diese Erschütterung abzufangen und eine Erholung einzuleiten. Wir befinden uns nun mitten in dieser Erholung, von der viele annehmen, dass sie U-förmig erfolgen wird, wobei jüngste Belege darauf hindeuten, dass sie in den USA etwas schneller verläuft. Die Frage ist nun, ob die Behörden die langfristigen Wachstumserwartungen stabilisieren konnten, die viele langfristige und kurzfristige Verhaltensweisen bestimmen. Abgesehen von Italien scheinen die Regierungsinitiativen gut zu funktionieren, so dass die Zukunft vielversprechend aussieht. Infolgedessen ergab sich ein Aufschwung bei Anleihen und Aktien und der S&P 500 erreichte annähernd Rekordwerte. Was in näherer Zukunft auf uns zukommen wird, ist jedoch komplexer.

Wir erwarten, dass sich der Anstieg der Aktienkurse aufgrund der sehr aggressiven geldpolitischen Lockerung der Zentralbanken, der fiskalischen Expansion (darunter ein zweites Rettungspaket in den USA) und der anhaltenden Wiedereröffnung der Weltwirtschaft trotz einiger vorübergehender Rückschläge fortsetzt. Eine Möglichkeit, sich dafür zu positionieren, sind Klimafonds, die typischerweise in Tier-2-Growth-Titel investieren. In der letzten Phase der Erholung werden wir wahrscheinlich eine Outperformance von Growth- und Qualitätsaktien im Vergleich zu Value- und zyklischen Aktien sehen, die von kurzfristigen Bewertungsmetriken wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis zuverlässiger bewertet werden. Das deutet auf eine Neigung zu Growth und Quality hin. Angesichts der steigenden Risikokonzentration schlagen wir vor, verstärkt auf flexible Strategien zu setzen, die sich über automatische Prozesse oder Portfoliomanager einfach an Marktbewegungen anpassen können.

Zwei dauerhafte Trends zeichnen sich ab

Mit Blick auf die Zukunft zeichnen sich zwei langfristige Themen zunehmend ab. Die Erholung der chinesischen Wirtschaft dürfte früher erfolgen als die anderer Volkswirtschaften und in einem Zeitraum von ein bis drei Monaten das übrige Asien erfassen. Hier konzentrieren wir uns auf die wachsende Mittelschicht sowie den reichhaltigen und innovativen IT-Sektor, der Unternehmen von Suchmaschinen-Anbietern bis hin zu Mikrochip-Herstellern umfasst. Dieses Potenzial kann durch Schwellenländeraktien oder -anleihen genutzt werden. Bei den Anleihen haben die Spreads sich zwar deutlich verengt, aber es gibt immer noch idiosynkratische Chancen für Bottom-up-Analysten. Zudem wird die US-Notenbank wahrscheinlich eine Renditekontrolle (ca. 40 % Wahrscheinlichkeit) und negative Zinssätze einführen (ca. 60 % Wahrscheinlichkeit, obwohl vom Markt nicht erwartet). Sollte das der Fall sein, würde dies Hart- und Landeswährungsanleihen in Ländern, die stark an den Dollar gebunden sind, begünstigen. Schwellenländeraktien und -anleihen sind für uns als langfristige Investitionen attraktiv.

Das zweite Thema, Umwelt-, Sozial- und Governance-Investitionen (ESG), dürfte künftig eine noch größere Rolle spielen, da eine Krise in der Regel große Veränderungen mit sich bringt, und immer mehr Investoren die Dringlichkeit des Klimawandels verstehen. Der Status quo wird zunehmend abgelehnt, und die daraus resultierenden kulturellen Veränderungen treiben Investitionsflüsse und Preise an. Der Vorteil des Themas ESG ist, dass es in der Regel das Abwärtsrisiko reduziert, da die Unternehmen in diesem Spektrum tendenziell besser geführt sind. Qualität bedeutet häufig auch Performance.

Fazit:

Die letzte Phase der Erholung von der Covid-19-Krise wird in den nächsten zwei Monaten erhebliche Chancen bieten. Danach dürfte das Marktumfeld komplexer werden. Wir definieren uns durch unseren Ausblick und unser Risikomanagement – beides dürfte für die Zukunft wichtig sein.“