Nun ist Silvio Berlusconi also tatsächlich zurückgetreten. Jedenfalls ein bisschen. Er werde sein Engagement im Parlament verdoppeln, kündigte der Medienmogul an.
Versprechen oder Drohung? Verwunderlich wäre es nicht, wenn Berlusconi nun auf harte Sanierungsmaßnahmen seines Nachfolgers Mario Monti setzen würde und dann bei Neuwahlen erneut anträte, um freudestrahlend die Lorbeeren zu ernten. Aber damit müssen wir uns 2011 hoffentlich nicht mehr auseinandersetzen.

Griechenland und Italien mit neuen, technokratisch dominierten Regierungen: Haben wir jetzt die Chance auf so etwas wie die Einkehr einer gewissen „Normalität“ an den Börsen innerhalb einer Dauerkrise, die uns sicherlich auch die nächsten Jahre begleiten wird?

Einen sehr positiven Effekt haben die von unwissender Seite harsch kritisierten Finanzmärkte auf jeden Fall: Sie erzeugen den nötigen Druck für Reformen. Man muss betonen, dass eigentlich nur die Märkte dazu in der Lage sind. Wer sonst kann so disziplinierend wirken auf Politiker, die darauf geeicht sind grundsätzlich mehr Geld auszugeben, als sie einzunehmen imstande sind?

Deswegen geht auch das ganze Gejammere über das angebliche Diktat der Finanzmärkte völlig am Kern vorbei. Die Märkte wollen nichts vom Staat, sondern die Staaten wollen Geld von den Märkten. Wenn etwas verwunderlich ist, dann die Tatsache dass die Märkte die desolate Haushaltsführung vieler Staaten mehr oder weniger ignoriert haben – was wiederum überwiegend der Tatsache geschuldet ist, dass als eherner Grundsatz galt, ein Staat der Eurozone könne nicht pleite gehen.

Sollten die Staaten Europas als Folge der Finanzkrise tatsächlich auf den Pfad einer nachhaltigen Staatsfinanzierung finden, weil sie dazu gezwungen wurden, dann müssen wir am Ende eigentlich alle danke sagen. Auch im Sinne des europäischen Einigungsgedankens.