Oldenburg (GodmodeTrader.de) - Krieg ist leichter angefangen als beendet. Diesen Satz Napoleons bestätigen die großen Feldherren aller Zeiten. Die Vereinigten Staaten sollten es eigentlich auch wissen, nachdem es ihnen bislang nicht gelungen ist, den längsten Krieg in ihrer Geschichte – den Afghanistan-Feldzug – zu beenden. Hinsichtlich des von Präsident Donald Trump angezettelten Handelskrieges mit China hatte es zu Beginn vollmundig geheißen, Handelskriege seien leicht zu gewinnen, wie die Loys-Fondsmanager Christoph Bruns und Ufuk Boydak in einem aktuellen Marktkommentar schreiben.

WERBUNG

Wo die Kräfteverhältnisse sehr einseitig verteilt seien, möge das stimmen. An China habe sich der US-Präsident jedoch verhoben. Die wütende Eskalation des Konflikts durch zusätzliche und höhere Zölle auf chinesische Waren entfalte mittlerweile nachteilige Wirkung auf die amerikanische Wirtschaft. Auffällig sei zum Beispiel der Anstieg der Importpreise im Juli gewesen. Entgegen der rosigen Versprechungen des Wüterichs aus dem Weißen Haus seien es nämlich keineswegs die Chinesen, die die zusätzlichen Abgaben aufbringen müssten. Vielmehr seien es zunächst die amerikanischen Importeure, die für Vorprodukte oder Fertigwaren tiefer in die Tasche greifen müssten. Sodann könnten sie die erhöhten Kosten an die Konsumenten weitergeben, was größtenteils auch passiere, oder aber zu Lasten der eigenen Marge auf die Weitergabe verzichteten. In jedem Fall aber seien Amerikaner negativ von den Maßnahmen betroffen, heißt es weiter.

„Nun hat sich aber gezeigt, dass die Chinesen sich die Erpressungen aus Washington nicht widerspruchslos bieten lassen, wie das bei Kanada und Mexiko weitestgehend der Fall war. Im Gegenteil: Das Reich der Mitte hat klargestellt, dass es amerikanische Waren seinerseits mit Strafzöllen belasten will. Viele US-Unternehmen geraten dadurch in eine unangenehme Lage, denn China gilt angesichts seiner Größe als der Wachstumsmarkt schlechthin. In den meisten Produktkategorien wie z.B. Autos, Stahl, Computer, Chemie etc. ist das Reich der Mitte mittlerweile der größte Markt der Welt. Sollten amerikanische Unternehmen den Zugang dazu verlieren wäre das ein Desaster“, so Bruns und Boydak.

Zudem verhalte sich Peking in dem Handelsstreit diplomatisch klug, was man von den USA eher nicht behaupten könne. Während China ruhig und gezielt auf US-Provokationen reagiere, zwitschere Donald Trump im Minutentakt cholerische Kurznachrichten. Geschickt sei auch die Politik Chinas, weniger Agrargüter aus den USA einzuführen. Die Herren in Peking wüssten sehr wohl, dass die US-Farmer ganz überwiegend Trump-Wähler seien, heißt es weiter.

„Besonderen Zorn hat schließlich die Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan bei Präsident Trump hervorgerufen. Ohne ein Mittel dagegen zu finden, drischt Donald Trump seither auf seinen eigenen Notenbankpräsidenten ein, damit dieser die angeblich viel zu hohen Zinsen senkt“, so Bruns und Boydak.

Zu den Kollateralgeschädigten des beschriebenen Handelskrieges gehöre die deutsche Exportwirtschaft, die sich in den letzten Monaten merklich abgekühlt habe. Und es sei gut vorstellbar, dass die USA auch gegenüber Europa einen Handelskrieg beginnen wollten, wenngleich die jüngsten China-Erfahrungen dem Immobilienmogul Trump etwas das Mütchen gekühlt hätten. Immerhin wolle Trump in 15 Monaten erneut zum Präsidenten gewählt werden und dafür benötige er eine gut laufende Wirtschaft. Trotz maximaler Stimulation sei die US-Wirtschaft im zweiten Quartal lediglich um zwei Prozent gewachsen. Das wüssten auch die Chinesen, denen dadurch neue Trümpfe zuwüchsen, heißt es weiter.

„Per Saldo wird nun von den Notenbanken erwartet, durch deutlich verringerte Zinsraten den Dämpfungswirkungen des Handelskrieges entgegenzutreten. Negative Realzinsen werden weltweit zum Dauerzustand. Weniger denn je gibt es zu konservativ betriebenen Aktienanlagen sinnvolle Anlagealternativen“, so Bruns und Boydak.