QE läuft derzeit noch in der Eurozone und in Japan auf vollen Touren. Ungarn hat ein kleines QE Programm aufgelegt. Im vergangenen Jahr gesellte sich noch einmal Großbritannien hinzu. Die Schweizer Notenbank druckte ohnehin pausenlos frisches Geld. Auch Schweden sah sich kurzfristig dazu gezwungen. Die USA leben schon eine ganze Weile ohne QE, doch insgesamt ist die Geldpolitik immer noch nicht restriktiv.

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Unterm Strich war 2017 das Jahr, indem am meisten Geld gedruckt wurde. Da fällt es einem schwer daran zu glauben, dass der globale Aufschwung nur Zufall sein soll. Es ist allerdings nur eine Vermutung, dass QE der Grund für den Aufschwung ist. Notenbanken sind sich zwar sicher, dass QE das Allheilmittel ist, doch bestätigt ist das keinesfalls.

Interessant ist das Fallbeispiel Japan. Hier kommt es nach fast 30 Jahren tatsächlich zu einem Paradigmenwechsel. Die Arbeitslosenrate ist so niedrig wie seit 1993 nicht mehr. Es fehlt nicht mehr viel und die Werte aus dem letzten richtigen Boomjahr vor der Krise sind wieder erreicht (Grafik 1). Schon jetzt gibt es deutlich mehr Stellen als Bewerber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Arbeitslosenrate auf neue Rekordstände fällt.


QE gibt es in Japan seit Anfang 2013. Der Trend zu niedriger Arbeitslosigkeit begann jedoch schon viel früher im Jahr 2010. Nach dem Start von QE setzte sich der Trend einfach fort. Eine Veränderung des Trends, der schon zuvor bestand, lässt sich in den Daten nicht erkennen.

Auch beim Lohnwachstum ist der große Durchbruch bisher nicht gelungen (Grafik 2). Das Lohnwachstum ist immerhin positiv. Seit fast drei Jahren sind die Löhne nicht mehr gesunken. Das ist die längste Strecke an Lohnwachstum seit den 90er Jahren.

Verwunderlich ist das nicht, denn auch die Inflation hält sich tendenziell im positiven Bereich. Einen wirklich großen Unterschied zu der Zeit vor QE, insbesondere in der Zeit von 2004 bis 2008 lässt sich allerdings nicht erkennen. Der Inflationsanstieg 2014 ist auf eine Steuererhöhung zurückzuführen und nicht auf einen natürlichen Preisanstieg.

Die Inflationsrate, die Nahrungsmittelpreise ausklammert, ist so hoch wie lange nicht, wenn man die Steuererhöhung und den rasanten Ölpreisanstieg 2007/08 ignoriert (Grafik 3). Möglicherweise befindet sich Japan tatsächlich auf dem Weg der Reflationierung. Aber lässt sich dieser Erfolg QE zuschreiben?

Eindeutig ist die Sache nicht. In den Daten ist kaum ein Unterschied zwischen der Zeit vor QE und nach QE zu erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass QE nicht gewirkt hat. Ohne QE wäre der Yen stärker geworden. Den Exportboom und damit die Rückkehr zur Vollbeschäftigung hätte es wohl nicht gegeben.

In der Eurozone ist die Lage nicht anders. Viele Länder haben sich über Exportwachstum saniert. Staaten, die immer ein Handelsbilanzdefizit hatten, weisen plötzlich einen Überschuss aus. Der schwache Euro, gesponsert durch QE, hat es möglich gemacht. Die Erfolge von QE sind nicht einfach zu greifen. Ich denke allerdings schon, dass wir ohne QE heute nicht so weit wären wie wir sind.

Clemens Schmale

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