Immer wieder stoße ich im Internet auf Empfehlungen seitens der Profis, auf den eingesetzten Hebel zu achten. Diese lauten meist in etwa so: Als Anfänger sollten Sie nie größere Hebel als 5 wählen, während risikofreudigere Trader und Fortgeschrittene gerne auch zu größeren Hebeln greifen können! Dies suggeriert, dass der Hebel ein entscheidendes Maß für das Risiko ist, aber ist dem wirklich so?

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Nun, diese und ähnliche Aussagen haben weniger einen wahrheitsgemäßen Ursprung, sondern sind wohl eher ein verzweifelter Versuch, überhaupt gehört zu werden. Tradingneulinge lieben es nun einmal einfach, klar und deutlich. Schließlich kommen die meisten mit dem Traum vom schnellen und einfachen Geld an die Börse und da passt eine solche Empfehlung viel besser ins eigene Schema, als sich mal etwas genauer mit dem Hebel und dessen Natur auseinanderzusetzen. Dies macht nämlich Arbeit. Letztlich aber ist das dahinterstehende Thema existenzieller Natur und so unsinnig wie ich obige Empfehlung auch halte, sie ist tatsächlich immer noch besser, als das Thema Risiko gar nicht anzuschneiden. Wenn Sie es also weiter einfach haben wollen, dann hören Sie an dieser Stelle einfach auf zu Lesen, steuern Sie Ihr Risiko weiter über den Hebel und genießen Sie das nahende Wochenende.

Angesichts der Headline dieses Artikels wird es Sie wahrscheinlich nicht mehr überraschen, wenn ich behaupte, dass der Hebel im obigen Kontext absolut unwichtig ist. Ich hoffe, Sie in den nächsten Minuten davon überzeugen zu können und ich verspreche, so schwer wird es gar nicht.

Angenommen wir interessieren uns für die Aktien der Deutschen Telekom, die gerade dabei sind, einen mittelfristigen Widerstand bei 10,06 Euro aus dem Weg zu räumen (siehe Abb.1). Das könnte in der Aktie einen großen Boden bedeuten und zunächst wäre Platz für Gewinne bis hin zu 11,38 Euro. Gehen wir den klassischen Weg ohne CFDs und Zertifikate, also ohne Hebel und wollen uns 500 Aktien ins Depot legen, so müssten wir dafür beim aktuellen Preis pro Aktie von 10,12 Euro insgesamt 500 * 10,12 = 5.060,00 Euro investieren.

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Um dem Hebel weiter auf die Schliche zu kommen, müssen wir einen kleinen vorbereitenden Schritt machen und den Risikobegriff definieren. Unter Risiko wird in diesem Fall der potentiell entstehende Verlust in Euro verstanden. Unser Geschäft in der Deutschen Telekom Aktie sichern wir beispielsweise mit einem Stopploss bei 9,40 Euro ab. Allein durch Setzen des Stopps haben wir unser Risiko fixiert. Dieses ergibt sich aus der Differenz von Einstiegspreis und Stopploss:

Risiko = 10,12 Euro – 9,40 Euro = 0,72 Euro

pro gekaufter Aktie bzw.

Risiko gesamt = 500 Stück * 0,72 Euro = 360,00 Euro.

In unserem Trade auf die Deutsche Telekom müssen wir also 5.060,00 Euro investieren, aber riskieren letztlich durch unseren Stopploss nur 360,00 Euro. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Investitionssumme ist der nötige Geldbetrag, um das Geschäft durchzuführen, während der Risikobetrag wesentlich kleiner ist. Nur dann, wenn kein Stopploss gesetzt wird, sind Investitionsbetrag und Risikobetrag identisch.

Kommen wir nun zu unseren Zertifikaten zurück. Anstatt die Aktie direkt zu kaufen, möchten wir einen Hebel einsetzen. Abbildung 2 zeigt eine Auswahl an Zertifikaten, die jeweils ein Bezugsverhältnis von 1 haben. Dies bedeutet, dass ein Zertifikat eine Aktie ersetzt und Kursveränderungen der Aktie im Verhältnis 1:1 im Zertifikat mitlaufen. Steigt der Kurs der Deutschen Telekom Aktie um einen Cent, dann steigt auch der Kurs eines jeden Longzertifikats um einen Cent. Fällt der Kurs der Deutschen Telekom um 20 Cent, verliert auch jedes der Zertifikate 20 Cent. Würden wir auf ein Zertifikat mit einem Bezugsverhältnis von 0,1 zurückgreifen, gäbe es bei einer Kursveränderung von 20 Cent in der Aktie im Zertifikat nur eine Veränderung von 2 Cent. Ein Zertifikat ersetzt also nur 0,1 Aktie bzw. um eine Aktie mit dem Zertifikat abzubilden, müssten wir 10 Stück von diesem kaufen.

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Merken Sie etwas? Entscheidend dafür, um wie viel Euro sich das Zertifikat bewegt, ist das Bezugsverhältnis. Zertifikate mit gleichem Bezugsverhältnis gewinnen oder verlieren auch den gleichen Betrag in Euro, völlig unabhängig davon, wie groß der Hebel ist. In Abbildung 2 hat jedes Zertifikat das gleiche Bezugsverhältnis und damit auch das gleiche Risiko und das, obwohl die Hebel dieser extrem unterschiedlich sind.

Machen wir die Probe aufs Exempel und vergleichen zwei konkrete Zertifikate miteinander. Da wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen können, kaufen wir zwar Zertifikate mit unterschiedlichem Hebel, aber jeweils die gleichen Stückzahlen. Nehmen wir hierzu in Variante eins das Zertifikat mit der WKN CF3XUE und legen uns davon 500 Stück ins Depot, dann müssen wir:

500 * 1,35 Euro = 675,00 Euro

investieren. Fällt der Kurs der Deutschen Telekom auf das Stopploss zurück, verliert die Aktie 0,72 Euro an Wert. Da das Zertifikat ein Bezugsverhältnis von 1 hat, ist der Verlust pro gekauftem Zertifikat identisch und der Gesamtverlust für unsere 500 im Depot liegenden Zertifikate liegt bei:

500 * 0,72 Euro pro Zertifikat = 360 Euro.

In Variante zwei wählen wir einen kleineren Hebel und entscheiden uns für das Zertifikat mit der WKN CF2ZBP. Von diesem werden ebenfalls 500 Stück ins Depot gelegt, womit wir

500 * 1,99 Euro = 995,00 Euro

investieren müssen. Fällt der Kurs der Deutschen Telekom auf das Stopploss zurück, verliert die Aktie wie schon ermittelt, 0,72 Euro an Wert. Da auch das zweite Zertifikat ein Bezugsverhältnis von 1 hat, ist auch hier der Verlust pro Zertifikat mit 0,72 Euro identisch. Damit ergibt sich erneut folgende Risikoanalyse für unsere 500 Stück:

Risiko = 500 * 0,72 Euro = 360,00 Euro.

Wie Sie sehen, sind die Risiken in beiden Fällen gleich. Der Trader verliert unabhängig davon, welches Zertifikat er kauft, pro gehandeltem Stück 0,72 Euro bzw. bei unseren 500 im Depot liegenden Zertis insgesamt 360,00 Euro und das, obwohl die Hebel höchst unterschiedlich sind. Der Hebel spiegelt also in keinster Weise das Risiko wieder. Dieses wird ausschließlich durch die Stopps und die gekauften Stückzahlen bestimmt, womit wir zu der Eingangsfrage zurückkehren können, warum die gängige Empfehlung für Einsteiger, eher kleinere Hebel einzusetzen, doch nicht ganz unwichtig ist.

Wie unsere Beispiele schön zeigen, bleibt das Risiko trotz unterschiedlicher Hebel identisch, sofern um das Bezugsverhältnis bereinigt gleiche Stückzahlen gehandelt werden. Das einzige, was sich mit dem Einsatz verschiedener Hebel ändert, ist die Investitionssumme und genau hier liegt die Gefahr für Tradingeinsteiger. Sie können einfach viel größere Stückzahlen kaufen. Ein Trader mit einem 5.060 Euro Konto wäre auf 500 Aktien der Deutschen Telekom beschränkt, während für die gleiche Größenordnung und unter Einsatz von Zertifikat 1 sein Konto mit nur 675 Euro belastet werden würde. Er könnte jetzt also deutlich mehr als 500 Zertifikate ins Depot aufnehmen.

Fassen wir zusammen: Beim Einsatz von Hebelprodukten können sich Trader mehr leisten, als bei ungehebelten Engagements und dies auch zu tun, ist die eigentliche Gefahr von Hebelprodukten. Der Hebel allein ist jedoch kein Maß für das Risiko, sondern wird es immer erst in Verbindung mit den gehandelten Stückzahlen. Während Tradingeinsteiger diesen Effekt gerne ausnutzen und ihr Tradingkonto über Gebühr strapazieren, achten professionelle Trader ausschließlich auf das Risiko und stimmen die Positionsgröße so ab, dass ein von ihnen gewählter Betrag nicht überschritten wird. Wie dies funktioniert (und vieles mehr), erfahren Sie im von mir betreuten Ausbildungspaket bei GodmodeTrader.de. Ich würde mich freuen, wenn Sie mal vorbeischauen

Ihr Rene Berteit

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Das Ausbildungs- und Seminarpaket: Individuell gehe ich auf Ihr Trading ein, egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener. Gemeinsam lassen sich die Wege hin zum erfolgreichen Trader wesentlich leichter und schneller beschreiten. Zudem erwarten Sie in meinem Archiv über 400 Stunden Webinaraufzeichnungen, sowie mehr als 500 Antworten auf Fragen rund um das Thema Börse und Trading und das alles zu einem unschlagbar günstigen Preis!!!

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