• Coca-Cola: Corona lässt Nachfrage einbrechen
    • IBM: Cloud-Sparte treibt
    • Ebay wird Anzeigengeschäft los
    • ifo Institut: EU-Einigung beweist Solidarität und Handlungsfähigkeit
    • Nach EU-Einigung: „Historischer Tag für Europa"?
    • Hans-Werner Sinn: Heftige Inflation voraus
    • Fiskus: Steuereinnahmen brechen weg
    • Britischer Corona-Impfstoff könnte zweifach wirken
    • Wirecard-Skandal wird zum Politikum
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    DAX & Wall Street

    • Die EU-Staaten haben sich auf das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte geeinigt. Insgesamt umfasst das Paket 1,8 Bio. Euro - davon 1.074 Mrd. für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen und 750 Mrd. für ein Konjunkturprogramm gegen die Folgen der Pandemie-Krise. Die sog. sparsamen Staaten akzeptierten, dass gemeinsame Schulden aufgenommen werden und das Geld teilweise auch als Zuschuss an EU-Staaten geht. Die EU zeigte sich letztlich handlungsfähig, auch wenn das Ringen auf dem Sondergipfel mehrere Tage gedauert hat. Das lässt die Anleger an den Finanzmärkten so manch schwelendes Risiko vergessen. Die Meinung der Ökonomen ist daher durchaus geteilt. Mit der Einigung auf einen Fonds für die wirtschaftliche Erholung habe die EU ein wichtiges Zeichen der Solidarität, der Handlungsfähigkeit und des weit reichenden Wandels gesetzt, so die Bewertung der Ergebnisse des EU-Gipfels von Clemens Fuest, Chef des ifo Instituts. Dessen ehemaliger Chef Hans-Werner Sinn äußerte sich da schon skeptischer. “Wenn wir jetzt alles über Staatsschulden finanzieren, die am Ende wie schon in den letzten Jahren mit frisch gedrucktem Geld abgelöst werden, besteht die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt und wir zur Beseitigung des mittlerweile riesigen Geldüberhangs eine heftige Inflation kriegen“, warnte Sinn. Auf dem Börsenparkett hieß es, mit der Einigung zu Corona-Hilfen beim EU-Gipfel regnet es “förmlich Geld“, was die Aktienmärkte aufatmen lässt. Der DAX stieg in der Spitze bis auf über 13.310 Punkte und beweist einmal mehr, dass er die Corona-Krise hinter sich gelassen hat. Den Xetra-Handel beendete der Index nach Gewinnmitnahmen am Nachmittag mit einem Plus von 0,96 Prozent bei 13.171,83 Punkten. Nun rückt selbst das Allzeithoch schon wieder in Blickweite. Zumal es Fortschritte bei der Corona Impfstoffforschung gibt und schon wieder gute Zahlen der Technologiefirmen in den USA.
    • Der Dow Jones konnte nach starken Quartalszahlen mehrerer großer Konzerne ein Plus von 0,60 Prozent ins Ziel retten, nachdem er zwischenzeitlich noch doppelt so stark gestiegen war. Der S&P 500 schloss nur 0,17 Prozent im Plus, nachdem er zuvor auf den höchsten Stand seit dem Beginn des Corona-Börsencrash im Februar gestiegen war, während der Nasdaq 100 1,09 Prozent einbüßte.

    Chartanalysen & Artikel des Tages

    Unternehmensnachrichten

    • Patrizia Immobilien hat im ersten Halbjahr auf Basis vorläufiger Zahlen ein operatives Ergebnis von 74,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Auf das erste Quartal entfällt dabei ein Wert von 24,7 Millionen, auf das zweite Quartal 49,4 Millionen Euro. Aufgrund des insgesamt starken ersten Halbjahres bekräftigt das Unternehmen seine Prognose für das operative Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 in Höhe von 100-140 Millionen Euro.
    • Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNtech hat ein öffentliches Angebot von fünf Millionen neuen sogenannten American Depositary Shares angekündigt. Zudem wollen bisherige Aktionäre 750.000 ADS verkaufen. Neue und bestehende Aktionäre, darunter Pfizer, wollen für 200 Millionen Dollar ADS kaufen, wie es heißt.
    • Das Mainzer Biopharma-Unternehmen BioNtech und der US-Konzern Pfizer haben in den Forschungen an einem Corona-Impfstoff ein weiteres positives Teilergebnis bekanntgegeben. Die klinische Studie in Deutschland habe gezeigt, dass der Impfstoffkandidat BNT62b1 zu einer verstärkten Bildung sogenannter T-Zellen führe, teilten die Unternehmen mit. T-Zellen, die als "Gedächtniszellen" gelten, sind ein wichtiger Indikator, dass ein möglicher Immunschutz auch langfristig erhalten bleibt. Zuletzt hatten die beiden Partner bereits mitgeteilt, dass der Impfstoffkandidat „eine Immunantwort mit neutralisierenden Antikörpern im Menschen induzieren kann".
    • Ebay verkauft sein Kleinanzeigen-Geschäft für 9,2 Mrd. Dollar an den norwegischen Wettbewerber Adevinta, wie beide Seiten mitteilten. Der US-Konzern erhält 2,5 Mrd. Dollar in bar und wird zugleich mit 44 Prozent der Anteile und 33 % der Stimmrechte größter Aktionär von Adevinta, die 2019 vom norwegischen Medienkonzern Schibsted abgespalten worden war.
    • Der US-Getränkehersteller Coca-Cola hat in den drei Monaten bis Ende Juni einen Gewinnrückgang um ein Drittel auf 1,8 Mrd. Dollar erlitten. Der Umsatz ging um 28 Prozent auf 7,2 Mrd. Dollar zurück. Besonders bei gewerblichen Kunden brach die Nachfrage stark ein. CEO James Quincey geht trotz der erneuten Corona-Eskalation in den USA davon aus, dass das Unternehmen das Schlimmste hinter sich hat.
    • Apple will zum Jahr 2030 komplett klimaneutral sein. „Das bedeutet, dass in zehn Jahren jedes Apple-Gerät ohne eine CO2-Belastung hergestellt wird", sagte Umweltchefin Lisa Jackson der dpa. Der Konzern will dafür den CO2-Ausstoß um 75 % senken - und den Rest mit Lösungen zur Bindung des Treibhausgases ausgleichen. Bisher betreibt Apple bereits seine Büros, Rechenzentren und eigene Produktionsstätten komplett mit erneuerbaren Energien.
    • LinkedIn wird etwa 960 Mitarbeiter und damit rund 6 % der Belegschaft entlassen. Grund sei die coronabedingt niedrigere Nachfrage nach Neueinstellungen, teilte das Online-Karriere-Netzwerk, das zu Microsoft gehört, mit.
    • IBM hat in der Corona-Krise Abstriche machen müssen, sich aber gleichzeitig besser geschlagen als erwartet. Der Umsatz ging im zweiten Quartal um 5,4 Prozent auf 18,1 Mrd. Dollar zurück, der Nettogewinn fiel sogar um 46 Prozent auf 1,4 Mrd. Dollar. In der wichtigen Cloud-Sparte legten die Erlöse um fast 30 Prozent zu.
    • Der japanische Technologieinvestor Softbank zieht laut Reuters ein hunderte Mio. Dollar schweres Investment aus spezialisierten Fonds der Credit Suisse ab. Einem Bericht der "Financial Times" vom Juni zufolge hatte Softbank 500 Mio. Dollar in den Credit-Suisse-Fonds angelegt, wie Reuters schrieb.
    • Der Tabakhersteller Philip Morris schlug sich im zweiten Jahresviertel besser als erwartet. Auch mit dem Jahresausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie liegt Philip Morris über den Marktschätzungen.
    • Der Fall Wirecard schlägt weitere Wellen. Der mutmaßliche Betrugsskandal bringt die Bundesregierung in Erklärungsnot. Zentrale Fragen sind, wann genau die Bundesregierung von den Vorgängen beim Zahlungsabwickler Bescheid wusste und ob sie womöglich Wirecard unterstützte, obwohl der Verdacht von Unregelmäßigkeiten bereits öffentlich geäußert worden war. Das Bundesfinanzministerium erklärte nun, dass das Kanzleramt vor einer China-Reise von Kanzlerin Merkel zum Fall Wirecard informiert zu haben. „Am 23. August 2019 hat das Bundesfinanzministerium auf Anfrage des Kanzleramts per E-Mail verschiedene Informationen zum Fall Wirecard weitergegeben", zitierte der "Spiegel" einen Sprecher des Ministeriums. „Das Bundesministerium der Finanzen hat an das Bundeskanzleramt auf Arbeitsebene auf - im Übrigen öffentlich bekannte - Vorwürfe gegen das Unternehmen hingewiesen.“ Der mutmaßliche Betrugsskandal kann die Staatskasse teuer zu stehen kommen. Grund sind mögliche Steuerrückforderungen in Millionenhöhe. Denn da der Wirecard-Vorstand die Bilanzen sehr wahrscheinlich künstlich aufblähte, hat das Unternehmen auch zu hohe Steuern gezahlt. Die nachträgliche Korrektur von Steuerbescheiden aber ist in solchen Fällen gängige Praxis.
    • Bayer hat im Berufungsverfahren im ersten US-Prozess um angeblich krebserregende Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat einen Teilsieg errungen. So wurden die Strafe für den Konzern drastisch reduziert, allerdings wurde der Schuldspruch nicht wie gefordert aufgehoben. Das zuständige Gericht in San Francisco senkte den Schadens- und Strafschadensersatz, den das Unternehmen dem Krebs-Opfer Dewayne Johnson zahlen muss, von ursprünglich 289 Mio. auf 20,5 Mio. Dollar. Bayer begrüßte die Entscheidung als „Schritt in die richtige Richtung". Allerdings sei man weiterhin der Ansicht, dass das Urteil nicht im Einklang mit der beim Prozess präsentierten Beweislage und dem geltenden Recht stehe. Das Unternehmen werde seine Rechtsmittel prüfen und ziehe es in Betracht, erneut Berufung einzulegen.
    • Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat in Folge der Corona-Beschränkungen inkl. wochenlanger Werkschließungen im zweiten Quartal schwere Einbußen verzeichnete Der Umsatz sank bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseffekte um 40 Prozent auf 6,62 Mrd. Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag bei rund 636 Mio. Euro nach 868 Mio. Euro vor Jahresfrist. Die Geschäftsentwicklung habe sich im zweiten Quartal zwar gebessert, hieß es. Doch auf einen Ausblick verzichte Continental wegen der Unsicherheiten nach wie vor. Es bleibe schwierig, das Ausmaß der nachteiligen Auswirkungen der Pandemie auf Produktion, Lieferkette und Nachfrage abzuschätzen.
    • Ein Impfstoffkandidat gegen das Coronavirus, den die Universität Oxford zusammen mit dem britischen Pharmakonzern Astrazeneca entwickelt, zeigt vielversprechende erste Ergebnisse. Das Mittel löst gleich zwei Antworten des Immunsystems aus: Es fördere sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von T-Zellen, hiess es. Beide sind für die Immunabwehr wichtig. Über die Ergebnisse berichtete die Medizin-Zeitschrift „The Lancet“.
    • Der Computerzubehörhersteller Logitech ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (per Ende Juni) stark gewachsen. Die Gruppe wies einen Umsatz von 791.9 Mio. Dollar aus (+23 %). Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg um 75 Prozent auf 117,3 Mio. Dollar, der Reingewinn belief sich auf 72,1 Mio. (+59 %). „Wir haben ein außergewöhnliches Quartal hingelegt", wird CEO Bracken Darrell in der Unternehmensmitteilung zitiert.
    • Die Schweizer UBS hat im zweiten Quartal die Coronakrise zu spüren bekommen. Der Quartalsgewinn ging um 11 Prozent auf 1,2 Mrd. US-Dollar zurück. Der Grund für den Rückgang waren Rückstellungen, die wegen der Krise getätigt wurden.
    • Der Gasfeder- und Dämpfer-Spezialist Stabilus konnte sich im dritten Geschäftsquartal weiterhin nicht der Corona-Pandemie entziehen. So fiel der Umsatz im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 147 Mio. Euro, das bereinigte betriebliche Ergebnis (Ebit) schrumpfte von 37,1 Mio. Euro auf 5,7 Mio. Euro. Unbereinigt wurden roten Zahlen geschrieben.
    • Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius hat seine Mittelfristprognose bekräftigt. Bis 2025 soll der Umsatz auf 4 Mrd. Euro steigen und die Marge (Ebitda) bei etwa 28 Prozent liegen. Grundlage dafür sei, dass sich die mittelfristigen Fundamentaldaten der Biopharma-Branche unverändert darstellten.
    • Das Biotechnologieunternehmen Evotec hat mit dem österreichischen Forschungsunternehmen Quantro Therapeutics eine Forschungs-Partnerschaft abgeschlossen. Evotec unterstütze Quantros Anti-Tumor-Projekte mit Dienstleistungen zur Hit-Identifizierung - einer automatisierten Testmethode, teilte Evotec am Dienstag mit. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

    Konjunktur & Politik

    • In den USA zeichnet sich zwischen Demokraten und Republikanern eine überparteiliche Einigung auf ein neues Hilfspaket ab. Nancy Pelosi, Mehrheitsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus; sagte nach einem Gespräch mit US-Finanzminister Steven Mnuchin dass die Differenzen für ein neues Stimulus-Paket überwunden werden könnTen. Ende nächster Woche könnTe es zu einer Abstimmung kommen, so Pelosi.
    • Die Wirtschaft der Eurozone mag im zweiten Quartal zwar weniger geschrumpft sein als erwartet, aber eine zweite Corona-Welle, wie etwa in den Vereinigten Staaten, könnte das Wachstum abwürgen, sagte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Luis de Guindos in einem Webinar am Dienstag. „Die Nachrichten aus den USA sind nicht gut, ebenso wenig wie die aus Lateinamerika und einigen Teilen Asiens", betonte de Guindos. „Und dies wird sich negativ auf die Entwicklung des Welthandels auswirken.“ De Guindos führte aus, dass die EZB erwarte, dass der Welthandel in diesem Jahr um mehr als 10 Prozent zurückgehen werde, war für die Länder der Eurozone, die von der Auslandsnachfrage abhängig sind, eine herbe Belastung darstellen dürfte.
    • Die wirtschaftliche Aktivität in den USA ist im Juni im Zuge der Wiedereröffnung auf Expansionskurs, wie Daten der Fed von Chicago zeigen. Der Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) lag im Juni bei 4,11 Zählern, gegenüber einem nach oben revidierten Wert von 3,50 im Mai. Von FactSet befragte Ökonomen erwarteten einen Indexstand von 4,00. Der CFNAI stürzte im April in Folge der strikten Restriktionen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert ab, er erholte sich jedoch im Mai stark, als die Restriktionen sukzessive aufgehoben wurden. Im Juni verzeichnete er trotz höhere Neuinfektionszahlen im Land und erneuter Geschäftsschließungen weitere Zuwächse.
    • China hat Großbritannien im Hongkong-Streit aufgefordert, die Aussetzung des Auslieferungsabkommens mit seiner Sonderverwaltungszone zurückzunehmen. Die Regierung in Peking verlange, dass „Großbritannien seine Fantasien von einem anhaltenden kolonialen Einfluss in Hongkong aufgibt und seine Fehler sofort korrigiert", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. China werde mit einem energischen Gegenangriff auf das falsche britische Vorgehen reagieren.
    • Die US-Regierung will CNN zufolge in dieser Woche Bundesbeamte zur Verbrechensbekämpfung nach Chicago (Illinois) schicken. Hintergrund ist die grassierende Gewalt in der Stadt, die unter anderem auf eine große Anzahl illegaler Waffen, Gangs und soziale Probleme zurückgeht. Das Heimatschutzministerium erwägt, mehr als 150 Mitarbeiter eines Arms der Einwanderungsbehörde ICE zu entsenden.
    • Nach Kritik an seinem Krisenmanagement will US-Präsident Trump seine Pressekonferenzen zur Coronavirus-Pandemie in den USA wieder durchführen. „Wir hatten sehr erfolgreiche Briefings", sagte Trump am Montag. Rekordzahlen an Zuschauern hätten seine Auftritte im Fernsehen verfolgt.
    • Mit der Einigung auf einen Fonds für die wirtschaftliche Erholung hat die EU ein wichtiges Zeichen der Solidarität, der Handlungsfähigkeit und des weit reichenden Wandels gesetzt, so die Bewertung der Ergebnisse des EU-Gipfels von Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Das sei ein wesentlicher Unterschied zur Eurokrise. Denn damals seien lediglich Kredite vergeben worden, verbunden mit weit reichenden Auflagen. Nun werde die wirtschaftliche Erholung der von der Krise am stärksten getroffenen Länder durch den Fonds unterstützt, indem Transfers quasi ohne Auflagen flössen. Fuest erläutert: „Die EU zeigt damit, dass sie sich tiefgreifend verändert. Sie gibt gleichzeitig einen Vertrauensvorschuss an die Empfängerländer. Weiter sagt er: „Die wirtschaftliche Erholung wird jedoch nur funktionieren, wenn die betroffenen Länder selbst erhebliche Reformanstrengungen unternehmen.“ Gleichzeitig seien weitere Reformen auf EU-Ebene erforderlich.
    • Die EU-Staaten haben sich letztlich dann doch auf das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte geeinigt. Der Kompromiss wurde nach mehr als viertägigen Gesprächen von allen Staaten angenommen, hieß es von EU-Ratschef Charles Michel. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erleichtert. „Das war nicht einfach". Für sie zähle aber, „dass wir uns am Schluss zusammengerauft haben". Der Haushalt sei auf die Zukunft Europas ausgerichtet. „Historischer Tag für Europa", schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erinnerte daran, dass die 100 Stunden Verhandlungen während der vier Tage und Nächte des Gipfels mehrfach am Rand des Scheiterns standen. „Das ist schon eine Achterbahn der Gefühle", sagte sie. Der Moment des Erfolgs sei jedoch atemberaubend. Insgesamt umfasst das Paket 1,8 Bio. Euro. Davon 1.074 Mrd. Euro für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen und 750 Mrd. Euro für ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gegen die Folgen der Corona-Krise. Die sogenannten sparsamen Staaten, akzeptierten, dass gemeinsame Schulden aufgenommen werden und das Geld als Zuschuss (390 Mrd. Euro + 360 Mrd. als Kredit) an EU-Staaten geht. Kritisch sind die Pläne aber deshalb, weil die EU für das Corona-Programm erstmals in großer Dimension gemeinsame Schulden aufnehmen will. Das Morning Briefing von Gabor Steingart zitiert den Ökonomen Hans-Werner Sinn: „Wenn wir jetzt alles über Staatsschulden finanzieren, die am Ende wie schon in den letzten Jahren mit frisch gedrucktem Geld abgelöst werden, besteht die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt und wir zur Beseitigung des mittlerweile riesigen Geldüberhangs, ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe, eine heftige Inflation kriegen.“
    • Österreichs Kanzler Sebastian Kurz sprach nach dem Brüsseler Gipfel von einem „guten Resultat für die EU und Österreich". Kurz lobte das Bündnis der sog. sparsamen Staaten, das Österreich mit Schweden, Dänemark und den Niederlanden eingegangen war. „Vielen Dank an alle Kollegen, besonders an die "Sparsamen"", twitterte er am Dienstagmorgen.Kurz kündigte an, dass die „Sparsamen Vier" ihre Zusammenarbeit fortsetzen wollen. „Das ist der wichtigste Punkt, weil ich glaube, dass das durchaus historisch ist", sagte Kurz. Die Kooperation sei „relevant für die Machtverhältnisse in der Europäischen Union, aber das ist nichts Unanständiges, sondern in unserem Fall etwas sehr Positives." Es sei dank dieses Bündnisses gelungen, dass Österreich als kleines Land Interessen und Ideen in einem Ausmaß habe durchsetzen können, wie das sonst unmöglich gewesen wäre.
    • Großbritannien hat sein Auslieferungsabkommen mit Hongkong ausgesetzt. Zudem wird ein für China geltendes Waffenembargo auf Hongkong ausgeweitet. London reagierte damit auf das Pekinger Sicherheitsgesetz, das Chinas Sicherheitsorganen in der Sonderverwaltungszone neue Rechte einräumt.
    • Wegen der Corona-Pandemie sind die Steuereinnahmen des deutschen Fiskus im Juni um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Im ersten Halbjahr sank das Aufkommen um 9,1 Prozent. „Die konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Krise sowie die aufgrund dieser Krise umgesetzten steuerlichen Maßnahmen belasteten das Steueraufkommen signifikant", erklärte das Bundesfinanzministerium.

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