Die Mehrzahl der stimmberechtigten US-Notenbanker steht hinter Fed-Chef Powell. Dieser zeigt sich immer noch resistent über das Nachdenken über eine Änderung der Geldpolitik nachzudenken. Einer Minderheit der Notenbanker wird dabei unwohl. Das liegt nicht so sehr an der Inflation von 4,2 %, die gerade gemeldet wurde.

Diese ist stark von vorübergehenden Faktoren beeinflusst. Das sollte jeder erkennen. Problematisch ist vielmehr, dass der von der Fed favorisierte Preisindikator bald bei mehr als 3 % liegen wird. Es handelt sich um die Kernkonsumpreise. Die Notenbank von Cleveland erwartet bereits für Mai einen Anstieg auf über 3 %.


Der Preisdruck wird auch nicht so schnell verschwinden, wie es manche glauben. Einige Faktoren, wie z.B. der stark gestiegene Ölpreis, sind vorübergehend. Auch Lieferengpässe werden nicht ewig anhalten. Einen Teil der Preisanstiege, die wir aktuell sehen, werden sich bereits im kommenden Jahr nicht mehr wiederholen.

Dafür werden andere Faktoren den Preisdruck aufrechterhalten. Trotz hoher Arbeitslosigkeit finden Unternehmen keine Beschäftigten. Die Nachfrage nach Dienstleistungen wie Flugreisen, Urlaub, Hotelübernachtungen, Essengehen usw. steht jedoch vor einer regelrechten Explosion.

Um die Nachfrage bedienen zu können, müssen Arbeitgeber die Löhne anheben. Damit kommt etwas in Gang, was seit der Finanzkrise Mangelware war: Lohnsteigerungen. Lohnsteigerungen und Inflation sind sehr stark miteinander korreliert. Es dürfte zu einer moderaten Lohnpreisspirale kommen. Das gab es schon lange nicht.

Die Inflation ist hoch und wird vermutlich auch auf absehbare Zeit über dem Inflationsziel von 2 % bleiben. Wieso handelt die Notenbank dann nicht?

Die Frage drängt sich besonders stark auf, weil viele Notenbanken bereits an das Ende der lockeren Geldpolitik denken. Dazu zählt auch die EZB. Die Fed widersetzt sich beharrlich. Der Markt glaubt ihr bisher nicht, dass sie dieser Linie treu bleiben wird. Ihr bleibt aber gar keine andere Wahl.

Im Gegensatz zu anderen Notenbanken hat die Fed ihre geldpolitischen Ziele verändert. Sie will nicht 2 % Inflation, sondern über einen längeren Zeitraum durchschnittlich 2 %. Die Kernkonsumpreise müssten noch zwei Jahre mit einer Rate von 4,4 % steigen, um die Lücke der letzten Jahre, in denen die Inflation niedriger war, zu schließen.


Wahrscheinlich ist eine Inflationsrate von 2-3 %. Die Fed hat zeitlich also viel Spielraum, bevor sie die Zinsen anheben muss. Sie hat nicht nur einfach Spielraum, sie darf die Zinsen gar nicht anheben. Reagiert sie auf die Inflation zu früh, gibt sie ihr geldpolitisches Ziel von durchschnittlich 2 % auf.

Die Frage, ob die Notenbank handeln muss, basiert auf der alten Geldpolitik. Die Logik der neuen Geldpolitik diktiert etwas anderes: Die Notenbank darf die lockere Geldpolitik noch nicht beenden.

Clemens Schmale


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