Die Volatilität ist seit dem Crash wieder zurückgegangen und das auch nicht zu knapp. Der S&P 500 Volatilitätsindex VIX verzeichnete im März ein Hoch von mehr als 80 Punkten. Inzwischen ist der Index unter die Marke von 30 gefallen. Damit ist der Wert aber immer noch hoch. Unterm Strich ist die Schwankungsbreite auch seit Juni nicht weiter zurückgekommen. Anleger scheinen weiterhin sehr nervös zu sein. Blickt man in die Zukunft, sind Anleger sogar noch nervöser. Während der VIX bei 25 steht, zeigen die Futures für Oktober einen Wert von mehr als 30 an. Generell ist es üblich, dass die Futures höher stehen. Die Zukunft ist per Definition unsicher und diese Unsicherheit wird durch höhere Volatilität abgebildet. In diesem Jahr gibt es allerdings einen besonderen Faktor. Im November wird in den USA gewählt. Der VIX-Future für Oktober, der diese Unsicherheit voll berücksichtigt, steht höher als der Dezember-Future (Grafik 1). Dezember kommt nach Oktober und so sollte der Dezember-Future eigentlich höher stehen. Tut er aber nicht.

Anleger erwarten also erhöhte Volatilität rund um den Wahltermin. Das ist ein Grund, weshalb Anleger auf Sicht mehrerer Monate vorsichtig bleiben. Es erklärt aber nicht, weshalb die Volatilität auch heute noch hoch ist.

Dafür gibt es eine sehr einfache Erklärung. Es dauert bis Anleger den Schock von Crashs überwunden haben. Das letzte Beispiel, das die Systematik verdeutlicht, war die globale Finanzkrise 2007/09. Damals stieg der VIX ebenfalls auf 80 Punkte. Die Futures, die sonst höher stehen, standen tiefer.

Wenn im aktuellen Moment die Volatilität sehr hoch ist, kann man davon ausgehen, dass sie sich in Zukunft wieder beruhigen wird. Die Beruhigung dauerte. Future und Kassamarkt fanden erst acht Monate nach Beginn des Crashs wieder zueinander (Grafik 2). Es dauerte zwei weitere Monate bis der Future wieder höher stand.


Erst ein Jahr nach Beginn des Crashs erreichte der VIX wieder Werte im Bereich von 20. 20 ist der langjährige Durchschnitt. In den letzten Jahren stand der VIX häufig tiefer, teils unter der Marke von 10. So niedrige Werte sind selten und nicht normal.

Anleger müssen sich darauf einstellen, dass die Nervosität auch in den kommenden Monaten hoch bleibt. Rückgänge der Volatilität brauchen lange. Wie 2009 dürfte sich der Abwärtstrend in den kommenden Monaten weiter verlangsamen, zumal im November die Wahlen stattfinden. Der Markt bleibt als vermutlich bis mindestens November unter Anspannung. Diese kann sich jederzeit auch wieder mit Tagesbewegungen von 5 % entladen. Niemand sollte darüber überrascht sein.

Clemens Schmale


Tipp: Als Godmode PLUS Kunde sollten Sie auch Guidants PROmax testen. Es gibt dort tägliche Tradinganregungen, direkten Austausch mit unseren Börsen-Experten in einem speziellen Stream, den Aktien-Screener und Godmode PLUS inclusive. Analysen aus Godmode PLUS werden auch als Basis für Trades in den drei Musterdepots genutzt. Jetzt das neue PROmax abonnieren!