Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Es gibt einen Agrarrohstoff, der sich noch deutlich stärker verteuert hat als Getreide und Ölsaaten: Holz. An der Chicago Mercantile Exchange (CME) hat sich dessen Preis seit dem 1. April 2020, d.h. innerhalb nur eines guten Jahres, von 260 US-Dollar je 1.000 Board Feet (diese Menge entspricht umgerechnet 2,36 Kubikmeter) auf über 1.500 US-Dollar versechsfacht – so teuer war Holz noch nie in einem meistgehandelten Kontrakt (derzeit der im Juli fällige), wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl in der aktuellen Ausgabe von „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Der Anstieg sei von starken Schwankungen begleitet gewesen, zahlreiche maximal mögliche Tagesausschläge nach oben und unten seien vermerkt worden. Auch wenn die Nachfrage nach vielen Gütern in der Corona-Krise in den USA gelitten habe, Holz gehöre nicht dazu. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Holz aus dem Baugewerbe sei sowohl für Neubauten als auch für Renovierungen trotz der Krise sehr hoch, heißt es weiter.

„Gleichzeitig arbeiten viele Sägewerke wegen der Corona-Abstandsregeln mit weniger Personal und verminderter Kraft. Diese Mischung treibt den Preis. Für die Verbraucher errechnete die Nationale Vereinigung der Hausbauer (NAHB) eine Kostensteigerung innerhalb eines Jahres von fast 36.000 US-Dollar für ein durchschnittliches neues Einfamilienhaus“, so Helbing-Kuhl.

Auch diesseits des Atlantiks seien die Holzpreise deutlich gestiegen, getrieben vor allem durch hohe Exporte in Richtung USA. Deutschland sei nun deren zweitgrößter Lieferant von Nadel- und auch Laubschnittholz hinter Kanada. Diese Konkurrenz durch ausländische Nachfrage verknappe und verteuere auch für die deutsche Bauindustrie die Rohware. In den Preisen für noch nicht geschlagenes und verarbeitetes Holz beginne der Preisauftrieb Medienberichten zufolge aber erst langsam anzukommen, heißt es weiter.

„Entsprechend gering ist noch der Anreiz, mehr Holz zu schlagen und anzubieten. Die Entwicklung der Rohholzpreise waren in Deutschland nämlich lange wenig erfreulich: Schon seit 2019 sanken sie deutlich, wie etwa der Preisindex für Fichte des Statistischen Bundesamts zeigt. Die Corona-Krise ließ ihn bis zum Herbst 2020 weiter absacken. Trotz der jüngsten Erholung liegt er noch immer rund ein Drittel unter dem Durchschnitt der Jahre 2012-18. Insgesamt sind die Erzeugerpreise für Industrieholz noch 20 Prozent niedriger als vor zwei Jahren“, so Helbing-Kuhl.