Hongkong (Godmode-Trader.de) - Die Hedgefonds-Branche in Hongkong hat im vergangenen Quartal vor dem Hintergrund der Proteststimmung in der Finanzzentrale den größten vierteljährlichen Abfluss seit der globalen Rezession vor einem Jahrzehnt verzeichnet. Die Netto-Rücknahmen beliefen sich in den drei Monaten bis September demnach auf rund 1 Milliarde US-Dollar, wie aus Daten von Eurekahedge hervorgeht. Laut Analysten des Beratungsunternehmens haben die Proteste gegen die Regierung in Hongkong die Märkte zwar verunsichert und die Abflüsse sicherlich beschleunigt. Gleichwohl war weltweit ein finanzieller Rückzug zu beobachten, nachdem einige Manager 2018 schlechte Renditen erzielt hatten.

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Die Abzüge aus Hongkong in Q3 waren im Verhältnis zu den gesamten Hedgefonds-Vermögenswerten in der chinesischen Sonderverwaltungszone bescheiden. Im August lag das von Hedgefonds verwaltete Vermögen insgesamt bei 92 Mrd. Dollar und damit 6,9 Mrd. Dollar über dem Vorjahresstand, so Eurekahedge. Kleine und mittlere Hedgefonds, die 500 Mio. Dollar oder weniger verwalten, mussten den Großteil der Kundenabflüsse verdauen, wobei größere Fonds positive Zuweisungen aufwiesen. Seit 2009 verzeichnete die Branche jedes Jahr Nettozuflüsse. „Die politische Krise in Hongkong stellt noch keine ernsthafte Bedrohung dar", sagte Mohammad Hassan, leitender Hedgefonds-Analyst bei Eurekahedge in Singapur, zu Bloomberg. „Die Chancen und der Zugang, den Manager mit Sitz in Hongkong den chinesischen Onshore-Märkten und der gesamten Region bieten, werden auf kurze Sicht kaum in den Hintergrund treten, wenn die Dinge nicht wirklich außer Kontrolle geraten sollen“.

Die Proteste haben bereits Auswirkungen auf andere Teile des Finanzsystems der Stadt. Eine aktuelle Analyse von Goldman Sachs ergab, dass einige Bankeinlagen nach Singapur transferiert wurden. Der MSCI Hong Kong Index ist seit Mitte Juli um 13,2 Prozent gesunken, während in dieser Zeit globale Aktien sich kaum verändert hatten.

Am Sonntag zogen wieder Zehntausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Während Demonstranten in einem langen Marsch friedlich im zentralen Stadtteil Kowloon demonstrierten, gingen radikale Aktivisten auf einen Zerstörungszug durch die Stadt. Sie blockierten Straßen, warfen Brandsätze und verwüsteten Geschäfte sowie die Eingänge von U-Bahn-Stationen.