Bargeld war in dieser Krise besonders nutzlos. Trotzdem wurde es gehortet wie selten zuvor. Bargeld war vor allem deswegen nicht sonderlich hilfreich, weil Geschäfte eine Zeit lang geschlossen waren. Auch nach der Öffnung zahlen viele Konsumenten eher mit Karte. Bargeld, das von einer Hand zur nächsten gereicht wird, ist nicht gerade steril.

Krisen bedeuten aber Unsicherheit und Bargeld ist greifbar. Die Zahl auf dem Konto ist es nicht. Es ist einfach nur eine Zahl und wer die Finanzkrise mitgemacht hat weiß, dass dieses Geld nicht unbedingt sicher ist. Es gibt auch andere Gründe, weshalb Haushalte auf Bargeld setzen. Wer Angst vor Negativzinsen hat, sich nicht sicher ist, ob die Bank morgen noch existiert oder Zwangsabgaben an den Staat befürchtet, ist mit Bargeld gut bedient.

Derzeit lässt sich ein rasanter Anstieg des Bargelds im Umlauf beobachten. In der Eurozone steigt die Menge mehr oder minder kontinuierlich an. Seit Krisenbeginn ist die Menge jedoch überdurchschnittlich stark gestiegen. 50-Euro und größere Noten sind beliebt (Grafik 1).

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Das ist kein Phänomen, das auf die Eurozone beschränkt ist. In den USA wächst die Bargeldmenge sogar schneller als zur Zeit der Finanzkrise. In der Eurozone ist das Wachstum noch niedriger, hat sich aber trotzdem nahezu verdoppelt. Auch in Japan gibt es einen Rebound des Wachstums.

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Mit Einführung von Negativzinsen stieg der Bargeldbedarf für einige Zeit lang an, fiel dann aber wieder Richtung Nullwachstum. Aktuell liegt das Wachstum gegenüber dem Vorjahr bei mehr als 5 %.

2008 war der hohe Bedarf nachvollziehbar. Es gab ja sogar den einen oder anderen Bank Run. Im Vergleich zu damals sind die Banken heute sicherer und es gibt keine langen Schlangen von Kunden vor Bankfilialen, um Geld abzuheben und es in Sicherheit zu bringen. Wieso also steigt dann die Bargeldmenge so stark an? Wovor fürchten sich die Menschen?

Das Horten von Bargeld, das man in den Daten sieht, ist eine Art Täuschung. Ein Teil des Anstiegs hängt damit zusammen, dass Banken größere Geldmengen lagern. Vermutlich bereiteten sie sich auf einen Ansturm wie 2008 vor, doch dieser kam nie.

Ein anderer Grund ist die Unterbrechung normaler Wirtschaftsabläufe. Tatsächlich wird weniger Bargeld nachgefragt. Banken geben weniger Bargeld aus als sonst üblich (Grafik 3 blaue Linie). Das würde unter normalen Umständen zu einer Verringerung von Bargeld im Umlauf führen. Es wird aber noch weniger Bargeld bei Banken einbezahlt. Allein aus dem Grund, dass weniger Bargeld zurück an Banken fließt, steigt die Umlaufmenge.

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Theorien, weshalb das so ist, gibt es viele. Unternehmen könnten Bargeld horten, nachdem sie wochenlang keines eingenommen haben. Andere Überlegungen gehen davon aus, dass der Shutdown zu einem Stau bei der Geldwäsche geführt hat. Sind z.B. Restaurants geschlossen, lässt sich das Geld nicht waschen und einzahlen. Was auch immer der genaue Grund ist, eines scheint festzustehen: Bargeld wird nicht gehortet, weil die Menschen Angst haben.


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