Die Tage des Widerstands gegen die Wall Street sind gezählt. Der Aufstand, der am prominentesten mit der Aktie von Gamestop geführt wurde, steht vor dem endgültigen Ende. Das gute Dutzend an besonders auffälligen Aktien ist in der Grafik als Hype Aktien Index zusammengefasst. Die Performance kann sich durchaus sehen lassen. Den S&P 500 hat der Index problemlos geschlagen. In den vergangenen fünf Jahren stieg der S&P 500 um 100 %. Bei den Hype Aktien waren es 744 %. Die Outperformance begann allerdings erst Ende 2020. Davor lagen diese Aktien zwei Drittel tiefer. Bei den meisten der Hype Aktien ermöglichten eine geringe Marktkapitalisierung und geringes Handelsvolumen den enormen Anstieg. Gamestop und AMC waren vergleichsweise Schwergewichte mit mehreren Milliarden an Marktkapitalisierung. Viele Unternehmen hatten vor dem Anstieg allerdings lediglich eine Kapitalisierung von weniger als 50 Mio., so etwa der Kopfhörerhersteller Koss, der vor dem Hype lediglich 20 Mio. wert war...

Hype-Aktien gab es schon immer. In regelmäßigen Abständen gewinnen Pennystocks ohne Grund mehrere hundert Prozent in wenigen Tagen. Die Anzahl an Aktien und die Koordination waren diesmal jedoch neu. Da durch die Kursanstiege zumindest ein Hedgefonds in Schieflage geriet, fühlten sich Kleinanleger bestätigt. Sie hatten es der Wall Street gezeigt.


Nun lässt die Dynamik seit Wochen nach. Gamestop ist mit einem Kurs von ca. 150 Dollar weit vom Allzeithoch bei 480 Dollar entfernt. Irgendwann geht auch der Masse das Geld aus. Viel wichtiger als Kapital ist aber ein anderer Faktor. Die Direktzahlungen der Regierung hören auf und die Wirtschaft öffnet wieder. In einem anderen Artikel hatte ich den engen Zusammenhang aus Öffnung und Handelsvolumen von Optionen gezeigt.

Mit der Öffnung der Wirtschaft hängen viele Börsenneulinge nicht mehr 12 Stunden am Tag am Smartphone und traden Aktien. Die Kurse werden volatil bleiben. Es kann auch immer wieder kleine Schübe nach oben gehen. Insgesamt ist das Hoch jedoch erreicht.

Vor zwei Monaten warnte ich explizit davor diese Aktien zu shorten. Dafür gab es zwei Gründe. Wer über Put Optionen auf fallende Kurse spekuliert, hat ein Problem: Volatilität. Volatilität ist ein Bestandteil des Optionspreises. Je volatiler ein Wert ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Ausübungspreis erreicht wird. Die Option kostet mehr.

So konnte man zum Zeitpunkt des Allzeithochs einen Put mit Ausübungspreis bei 150 Dollar kaufen. Die Option kostete damals 90 Dollar. Obwohl der Kurs der Aktie daraufhin relativ schnell zwei Drittel an Wert verlor, sank der Preis der Put Option. Obwohl man auf die richtige Richtung setzte, verlor man.

Man kann natürlich auch die Aktien direkt shorten. In diesem Fall können die Verluste unbegrenzt ausfallen. Steigt der Aktienkurs noch einmal um mehrere hundert Prozent, wünscht man sich, man hätte nicht mitgemischt.

Das Top genau zu erwischen ist mitten im Hype schwierig und man sollte davon die Finger lassen. Die Lage hat sich nun beruhigt. Fundamental sind die Hype-Aktien maßlos überbewertet und aus sozialer Perspektive stellt die Öffnung der US-Wirtschaft ein Belastungsfaktor für die Aktien dar. So langsam ist der Zeitpunkt für einen Short gekommen.

Clemens Schmale


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