• Gold - Kürzel: XAU/USD - ISIN: XC0009655157
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Thorsten Polleit, Chefökonom des Goldhändlers Degussa und Honorarprofessor an der Universität Bayreuth, ist ein bekannter Kritiker des sogenannten Fiatgeldsystems. In einem Vortrag für den Hayek-Club Köln hat sich Polleit kritisch mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auseinandergesetzt und ist der Frage nachgegangen, ob durch die ultralockere Geldpolitik der EZB womöglich eine Hyperinflation wie zu Zeiten der Weimarer Republik droht.

Die Wurzel allen Übels liegt für Polleit im Fiatgeldsystem, bei dem die Währung nicht mehr physisch besichert ist, sondern die Geldmenge durch Notenbanken und Geschäftsbanken unbegrenzt vermehrt werden kann: "Das Fiatgeld hat eine Reihe von ökonomischen und ethischen Defekten", betont Polleit in seinem Vortrag. "Zunächst ist es inflationär, das heißt es verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf (...), es sorgt auch für eine ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, bereichert sozusagen Einige auf Kosten Vieler und man kann durchaus sagen, dass Fiatgeld sozial ungerecht ist. Fiatgeld sorgt auch für Wirtschaftsstörungen, sogenannte booms und busts, Fiatgeld treibt die Volkswirtschaften in die Überschuldungsfalle und es lässt vor allem auch den Staat immer größer und mächtiger werden, Stichwort 'Deep State'. Die staatseigene Zentralbank kann die Fiat-Geldmenge beliebig ausweiten und den Staat mit Krediten zu günstigen Konditionen finanzieren. Die Finanzkraft des Staates wächst auf diese Weise über alle Maßen an. In Demokratien setzt das einen recht unheilvollen Prozess in Gang. Die Regierungen kaufen Wählerstimmen auf Pump [und] die Wähler lassen sich das gefallen, wenn die Regierenden das finanzielle Füllhorn über ihnen ausschütten. Der Staat dehnt sich auf diese Weise immer weiter aus, dringt in jeden Wirtschafts- und Gesellschaftsbereich vor. Die freie Marktwirtschaft und die freie Gesellschaft fallen ihm dabei früher oder später zum Opfer."

Wie stark das derzeitige Geldsystem zur Inflation neigt, zeigt Polleit anhand der Ausweitung der Geldmenge in den vergangenen Jahren. So führt Polleit aus, dass die Geldmenge M3 sich seit der Euro-Einführung als Recheneinheit im Jahr 1999 um durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr erhöht hat. Die Löhne in Deutschland seien in der gleichen Zeit nur um 2,1 Prozent gewachsen. "Vereinfacht gesprochen heißt das also, irgendjemand ist viel, viel reicher geworden (...), wenn Sie einen Einkommenszuwachs von nur durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr verbuchen konnten." Während die Geldmenge M3 um 5,3 Prozent pro Jahr wuchs, erhöhte sich außerdem das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Menge aller Waren und Dienstleistungen, nur um 1,2 Prozent pro Jahr. Ein kontinuierlicher Kaufkraftverlust, abzulesen an steigenden Verbraucher- und oder Vermögenspreisen, ist also fester Bestandteil des Fiatgeldsystems. So verwundert es auch nicht, dass der Euro bezogen auf die Konsumgüterpreise seit seiner Einführung einen Wertverlust von 30 Prozent verzeichnet hat. Im Vergleich zu Gold hat der Euro sogar 81 Prozent seines Wertes verloren, wie Polleit ausführt.

Die starke Ausweitung der Zentralbankbilanz, die spätestens mit der Finanzkrise von 2009 begann, wird sich im Zuge der Coronakrise erneut beschleunigen. Im Zuge einer "groben Kalkulation" rechnet Polleit vor, dass sich die Geldmenge M3 in den kommenden fünf Jahren um insgesamt rund 80 Prozent erhöhen könnte. Die Kaufkraft des Euro könnte dadurch um ca. 44 Prozent abnehmen. Das klinge zwar noch recht kontrolliert, allerdings könne aus einer hohen Inflation letztlich immer auch eine Hyperinflation werden. "Ich betone, das muss nicht so sein, aber das kann so sein", sagt Polleit. Komme die Inflation überraschend, dann könne sie zu einem sich selbst beschleunigenden Prozess werden. "Genau das geschah in der Weimarer Republik. Die Geldmengenvermehrung nahm ein derartiges Ausmaß und [eine derartige] Geschwindigkeit an, dass die Menschen eben erwartet haben, die Geldmengenvermehrung kommt gar nicht mehr zum Stillstand, sie beschleunigt sich immer mehr und dann gibt es eine Flucht aus dem Geld und letztlich ist dann das Geld kaputt." Allerdings hätten die heutigen Zentralbanker wohl aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und könnten durch unterschiedliche Maßnahmen einen Zusammenbruch möglichst lange hinauszögern. So werde die wahre Natur der Zentralbankmaßnahmen systematisch verschleiert, durch die Null- oder Negativzinsen werde die Schuldentragfähigkeit der Volkswirtschaft erhöht und im Notfall könne durch Maßnahmen wie Helikoptergeld die Geldmengenausweitung durch die Zentralbank auch erzwungen werden.

Als Folge der Geldmengenausweitung befürchtet Polleit vor allem eine Ende der freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und ein Abgleiten in eine Staatswirtschaft, in der die Regierung über Produktion und Konsum und die Notenbank über die Erteilung von Krediten entscheidet. "Der derzeitige Weg führt, und das muss man aus liberaler und libertärer Sicht so diagnostizieren, jedenfalls zusehends in eine unfreie Wirtschafts- und Gesellschaftsform." Als Lösung des Problems befürwortet Polleit eine "Entstaatlichung des Geldes", also Privatwährungen, die in freiem Wettbewerb zueinander stehen. "Ob die freie Gesellschaft eine Zukunft haben wird, wird mehr denn je davon abhängen, ob das staatliche Geldmonopol abgeschafft wird", sagt Polleit.

Der gesamte Vortrag von Thorsen Polleit kann auf Youtube angesehen werden.

https://www.youtube.com/watch?v=hZr6QAfX6FQ


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