Wären die Ozeane ein Staat, würden sie mit einem „Brutto-Meeres-Produkt“ von jährlich rund 2,5 Billionen Dollar über die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt verfügen. Der World Wide Fund For Nature (WWF) beziffert die Summe aller Vermögenswerte der Weltmeere auf mindestens 24 Billionen Dollar. Allein in Europa hängen etwa fünf Millionen Vollzeitjobs an ihnen. Annähernd drei Milliarden Menschen sind auf Fischfang und Aquakulturen als primäre Quellen von Proteinen angewiesen. Mehr als 50 Prozent des weltweiten Sauerstoffs werden von den Ozeanen produziert.

„Obwohl die Weltmeere von unschätzbarer Bedeutung für unseren Planeten sind, setzen wir ihnen mit der Klimaerwärmung, der Überfischung und der Wasserverschmutzung erbarmungslos zu. Gehen wir weiter so mit ihnen um, können bis zum Jahr 2100 fast 50 Prozent aller Lebewesen in den Ozeanen verschwinden“, sagt Paul Buchwitz, Fondsmanager des DWS Invest SDG Global Equities mit Blick auf den internationalen Earth Day am 22. April.

Ozeane schlucken CO2 und Wärme – das ist keine gute Nachricht

Die Weltmeere haben nach Berechnungen des Weltklimarats seit 1970 mehr als 90 Prozent der vom Menschen gemachten zusätzlichen Wärme aus der Atmosphäre absorbiert. Die Gründe für die Fähigkeit, mehr als tausendmal so viel Energie aufzunehmen, wie die Atmosphäre bei einem vergleichbaren Temperaturanstieg speichern würde, sind die hohe Wärmekapazität von Wasser und die schiere Masse der Ozeane.

Doch was sich zunächst nach einer guten Nachricht anhört, ist in Wirklichkeit potenziell verheerend. „Eine Folge ist eine thermische Ausdehnung, die die Meeresspiegel deutlich stärker als das Schmelzen der grönländischen Gletscher steigen lässt. Damit verbunden ist für viele Menschen eine existenzielle Bedrohung: Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in einem Küstenstreifen von 100 Kilometern“, erläutert Buchwitz. Zusätzlich sorge die steigende Temperatur dafür, dass sich die Wasserschichten schlechter durchmischten und viele Lebewesen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen versorgt würden.

Dasselbe Bild zeigt sich beim Blick auf das CO2: Berechnungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zufolge haben die Weltmeere von 1994 bis 2007 etwa 31 Prozent der gesamten menschengemachten Emissionen des Treibhausgases aufgenommen. Seit Beginn der industriellen Revolution ist der pH-Wert in der obersten Schicht der Ozeane damit auf 8,1 von 8,2 gesunken. So hat sich der Säuregehalt um rund 30 Prozent erhöht. „Diese Übersäuerung bedroht vor allem kalkbildende Lebewesen wie Korallen, Schalentiere und Seesterne“, sagt der Fondsmanager.

Fischbestände zu 90 Prozent ausgebeutet – und die Regulierung verpufft

Für weitere gravierende Schäden ist die Überfischung der Weltmeere verantwortlich, die von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Meeresfrüchten getrieben wird. So sind mehr als 90 Prozent der globalen Bestände bereits ausgebeutet. Der Beifang macht annähernd 40 Prozent der gesamten Fangmenge aus, schätzungsweise hundert Millionen von bereits bedrohten Delphinen, Haien, Rochen und Walen werden zumeist tot als Abfall wieder in die Ozeane zurückgeworfen. Vorgaben von Staaten oder Organisationen für ein nachhaltiges Bewirtschaften der Vorkommen entfalten ihre Wirkung oft nur zum Teil, da bis zu 30 Prozent der global konsumierten Menge an Meeresfrüchten aus unreguliertem Fang stammt. „Zwar entfallen mittlerweile 49 Prozent des Angebots auf Farmen. Diese wirtschaften aber häufig nicht besonders nachhaltig, da sie beispielsweise Fischmehl verfüttern. Darüber hinaus sind Aquakulturen immer wieder für Krankheiten von Wildbeständen verantwortlich, wenn befallene Tiere von einer Farm entkommen“, erklärt Buchwitz.

Delphine und Wale düngen Phytoplankton – wäre da nicht der Müll in ihren Mägen

Dabei sind es längst nicht nur die Fangmethoden, die beispielsweise Delphine und Wale bedrohen. Etwa 80 Prozent der Verschmutzung des maritimen Lebensraums kommen vom Land – von ungeklärten Abwässern über Düngemittel und Pestizide bis hin zu jenem Plastikmüll, der sich in den Mägen der gestrandeten Kadaver dieser Tiere findet. Auch hier sind die Folgen weitreichend: Delphine und Wale scheiden mit Eisen und Stickstoff genau jene Substanzen aus, die das Phytoplankton zum Wachstum braucht, das mindestens 50 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre produziert.

„Angesichts der Bedeutung der Ozeane für die Erde insgesamt und vor dem Hintergrund der zahlreichen und massiven Bedrohungen dieses Lebensraums müssen wir schnell und umfassend handeln. Dafür brauchen wir smarte Lösungen“, sagt der Fondsmanager. „Im Rahmen unserer Engagements nutzen wir deshalb die Chance, Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen.“

Eine Möglichkeit bestehe darin, Aquakulturen nachhaltiger zu machen. So lasse sich die Ernährung der Tiere mit Fischmehl etwa durch die Fütterung von Fliegenlarven ersetzen. Dafür sei etwa die schwarze Soldatenfliege prädestiniert, deren Nachkommen mit Gülle ernährt werden könnten, die bei der Massentierhaltung anfällt. „Mit Blick auf die Zukunft der Weltmeere ist es eine große Herausforderung, solche Lösungen zu finden“, so Buchwitz.