Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Die Zahl ist erschreckend: Seit Pandemiebeginn sind in Indien mehr als 300.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, wie das indische Gesundheitsministerium Ende Mai mitteilte. Dabei sind das nur die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer ist laut Experten vier- bis fünfmal höher. Besonders in ländlichen Gebieten, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt, sterben viele zu Hause und tauchen in keiner Statistik auf.

Die bekannte Zahl der Neuinfektionen hat sich zuletzt verringert, liegt aber nach wie vor auf hohem Niveau: Seit dem 7. Mai halbierten sich die Neuinfektionen bis auf 222.000 am Pfingstmontag. Zugleich kommt die Impfkampagne im Land, das eigentlich als „Apotheke der Welt“ gilt, nicht so recht in Fahrt. Bislang haben auf dem Subkontinent gut 10 Prozent der Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten. Erst drei Prozent sind vollständig geimpft. Prognosen gehen davon aus, dass Indien zum Jahresende erst ein Viertel seiner Bevölkerung vollständig geimpft haben wird,

Die humanitäre Katastrophe belastet das Wirtschaftswachstum in Indien. Die ersten Banken haben ihre Prognosen nach unten herabgestuft. Das revidierte Wachstum könnte aber noch bei rund 10 Prozent liegen. Ausländische Investoren kehrten bereits Ende April als Käufer an die Anleihe- und Aktienmärkte Indiens zurück, nachdem sie seit Mitte März massiv indische Anleihen verkauft hatten, wie Dirk Steffen, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Postbank, berichtet.

„Ausländische Anleger erwarben in der vergangenen Woche indische Aktien im Gegenwert von 394 Mio. US-Dollar, was auch auf den global zunehmenden Konjunkturoptimismus zurückzuführen ist“, so Steffen. Insbesondere die konjunkturabhängigen Titel der Sektoren Finanzindustrie und Rohstoffe, die 38 Prozent beziehungsweise 15 Prozent der Marktkapitalisierung des Leitindex Nifty 50 ausmachen, hätten von diesen Zuflüssen profitiert. Experte Steffen erwartet, dass der indische Leitindex bald auf sein Allzeithoch vom Februar zurück klettern könnte.