Es liegt auf der Hand, dass die Inflation wegen Zöllen ansteigen wird. Produkte werden durch Zölle verteuert. Würde die Inflation in der Folge sinken, wäre das nahezu absurd. Man kann fast nicht zu einem anderen Schluss kommen, als dass die Inflation in den USA wegen des Handelskonfliktes ansteigen wird.

In einzelnen Güterkategorien macht sich das bereits bemerkbar. Seit Januar erheben die USA bereits auf ausgewählte Güter Zusatzzölle. So verteuerten sich etwa Waschmaschinen auf Jahressicht im zweistelligen Prozentbereich. Das kommt einer Preisexplosion nahe.

Alles spricht für höhere Preise und eine insgesamt höhere Inflation. Die Geschichte sagt aber etwas anderes. Grafik 1 zeigt die durchschnittlich erhobenen Zölle und die Inflationsrate. Erhöhen Zölle die Inflation, dann sollten beide Zeitreihen parallel verlaufen. Das tun sie allerdings nicht. Vielmehr verlaufen sie teils ganz klar gegenläufig.

Besonders offensichtlich wird dies etwa Anfang der 1920er und 1930er Jahre. Die Zölle wurden schnell und stark erhöht. Die Inflationsrate bracht daraufhin ein. In den 1860er Jahren gab es ein ähnliches Phänomen. Erst wurden die Zölle gesenkt. Die Inflation sprang nach oben. Als die Zölle dann verdoppelt wurden, kam es zur Deflation.

Das hat mehrere Gründe. Der Theorie nach werden höhere Zölle bis zu einem gewissen Grad durch den Wechselkurs ausgeglichen. Erheben die USA Zölle, dann sollte der Dollar steigen. Das gleicht die Zölle aus und der Einfluss auf die Inflation bleibt gering. Historisch lässt sich das so nicht belegen. Das liegt allerdings vor allem daran, dass die Wechselkurse erst in der jüngeren Geschichte wirklich frei sind (Grafik 2).


Die Theorie muss sich an dieser Stelle sicherlich noch beweisen. Dafür gibt es andere Ansätze, die das Ausbleiben eines Inflationsanstiegs erklären. Ein Beispiel ist die Große Depression. Wegen wirtschaftlicher Probleme begann ein Wettrennen um die höchsten Zölle. Man dachte, man könnte die Wirtschaft so stützen. In Wahrheit verschlimmerte es die Lage.

Werden Zölle erhoben, um einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung zu begegnen, geht das praktisch immer schief. Es würgt die Wirtschaft ab. Die Inflation sinkt. Das gilt auch für normale Zeiten. Zölle sorgen für Unsicherheit. Investitionen werden aufgeschoben, der Handel sinkt. Die Wirtschaftsaktivität wird durch Zollanhebungen tendenziell gedämpft. Das wirkt der Inflation entgegen.

Die USA müssen daher keinen Inflationsschock befürchten – zumindest nicht wegen der Zölle. Die derzeitige Dollaraufwertung ist sicherlich nicht gänzlich auf die Zölle zurückzuführen, aber sie wirkt der Inflation entgegen. Ebenso lässt sich Zurückhaltung bei Investitionen erkennen.