Es gibt wenige Anlegergruppen, die wirklich einen Vorteil gegenüber anderen haben. Die meisten aktiv gemanagten Fonds zeigen gegenüber dem Markt eine Underperformance. Eigentlich sollte man meinen, dass Fondsmanager, die sich jeden Tag mit der Materie befassen, gegenüber dem Markt einen Vorteil haben. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.

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Auch die lange Zeit hochgelobten und exklusiven Hedgefonds sind inzwischen unter die Räder gekommen. Während der Markt anständige Renditen abliefert, verlieren einige Fonds zweistellig. Die Strategie einiger Fonds, riskante und große Wetten einzugehen, zahlt sich im Durchschnitt nicht aus.

Privatanleger sind da nicht besser. Die wenigsten kurzfristig orientierten Privatanleger verdienen Geld. Mit Trading wird es eher verloren. Diejenigen, die Aktien kaufen und sie liegen lassen, verdienen immerhin langfristig ganz gut.

Eine Gruppe von Anlegern kann jedoch glänzen. Das liegt vermutlich daran, dass sie nicht wirklich Anleger sind. Sie sind die Manager von Unternehmen, die an der Börse notieren. Sie sind Insider, weil sie über ihre Unternehmen am besten Bescheid wissen. Weil dem so ist, müssen sie ihre Aktienkäufe und Verkäufe offenlegen.

Insider verkaufen im Durchschnitt mehr als sie kaufen. Das liegt daran, dass ein wesentlicher Bestandteil ihrer Vergütung in Aktien- und Optionenpaketen besteht. Sie bekommen von ganz allein immer mehr Aktien, die sie mit der Zeit verkaufen. Wenn sie trotzdem plötzlich deutlich mehr Aktien kaufen als verkaufen, wird man hellhörig. Wie das aussieht, zeigt Grafik 1.

Das Verhältnis der Verkäufe und Käufe (Käufe dividiert durch die Verkäufe) ist für gewöhnlich unterhalb von 1. Es wird also mehr verkauft. Nach der Lehman Pleite war das anders. Zwischen November 2008 und Mai 2009 wurden deutlich mehr Aktien gekauft als verkauft. Manager sahen ihre Unternehmen als deutlich unterbewertet an. Ihnen war bewusst, dass der Markt überreagiert.

In solchen Übertreibungen greifen Insider zu. Das war 2008/09 so und auch wieder 2011. Als der Markt 2015 und Anfang 2016 korrigierte, wurde ebenfalls mehr gekauft als verkauft. Aktuell verhält sich die Sache anders. Im Februar kauften Insider so wenige neue Aktien wie noch nie bzw. mindestens seit 29 Jahren. Längere Datenreihen gibt es nicht.

Um sich das besser vorstellen zu können zeigt Grafik 2 das Verkauf-Kauf-Verhältnis (Verkäufe dividiert durch Käufe). Es ist die gleiche Zeitreihe wie in Grafik 1, aber der Kehrwert davon. Man sieht wie außergewöhnlich die Lage ist. Mit anderen Worten: Insider empfinden die aktuelle Bewertung ihrer Unternehmen als zu hoch. Es gibt nichts mehr zu holen.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn Insider rechnen natürlich auch durch, was mögliche politische Entscheide für eine Wirkung haben. Anleger kaufen Aktien, weil sie sich von den Steuersenkungen und der Deregulierung der Trump-Administration viel erwarten. Insider denken: da wird zu viel erwartet. Sie kaufen keine Aktien mehr und verkaufen bestehende Positionen im Eiltempo.

Insider sind keine exakten Market-Timer. Sie kaufen, wenn sie ihr Unternehmen für unterbewertet halten und verkaufen, wenn es überbewertet erscheint. Das ist eine fundamentale Sichtweise, die der Markt teils lange Zeit ignorieren kann. Dennoch sollten sich Anleger darauf gefasst machen, dass die Rallye so nicht ewig weitergehen wird.

Clemens Schmale

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