Anleger haben derzeit eine Abneigung gegen Intel. Im Oktober 2020 kam es zu einem regelrechten Crash. Investoren hatten von den Produktionsproblemen einfach genug. Der neue CEO verbreitete allerdings Zuversicht. Intel soll nicht nur die Probleme in den Griff bekommen, sondern zukünftig auch für Konkurrenten produzieren. Die Aktie stieg von 44 Dollar auf fast 70 Dollar. Nun schwankt der Kurs wieder seit Monaten zwischen 50 und 55 Dollar. Die Euphorie ist verflogen. Anleger wollen jetzt Fakten sehen und nicht nur Visionen. Zudem muss sich erst zeigen, ob Intels Plan überhaupt aufgeht. Zunächst muss Intel wieder den technologischen Anschluss in der Produktion finden. Dann steht zur Debatte, ob Intel Produktionskapazitäten für Wettbewerber einsetzen kann. Diese müssen es auch wollen, dass ein Konkurrent für sie produziert. Grundsätzlich wäre es nicht falsch, wenn auch die USA eine robuste Chipproduktion hätten. Die meisten Unternehmen lagern die Produktion an Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSM) aus. Das ist effizient. Jeder kann sich auf das konzentrieren, was er am besten kann. Taiwan unterliegt jedoch einem politischen Risiko. Keiner weiß, ob oder wann Peking Taiwan annektiert. Für die USA und die jeweiligen Unternehmen ist das ein großes Risiko, Effizienz hin oder her.

Wegen der hohen Investitionen macht es wenig Sinn, dass jedes Unternehmen seine eigenen Produktionsanlagen aufbaut. Es ist nicht nur teuer, sondern praktisch auch ein Garant für Probleme. Wäre es billig und einfach, würde es jeder machen. Der Markt für die eigentliche Herstellung von Chips ist sehr konzentriert. TSM hat einen Marktanteil von mehr als 50 %. Danach folgt Samsung mit 18 %. Mehr Wettbewerb und mehr Kapazität, auch geografisch besser verteilt, wäre ein Vorteil.

Ob nun aber Nvidia seine Chips von Intel herstellen lassen möchte, sei dahingestellt. Daher bleiben Zweifel bei Investoren. Auch Analysten sehen Intel noch nicht mit Turnaround. Der Gewinn dürfte bis 2023 stagnieren (Grafik 1). Das ändert jedoch nichts daran, dass Intel mit 17 Mrd. Jahresgewinn eine Gewinnmaschine bleibt.


Nvidia schreibt 4 Mrd. Jahresgewinn. Bis 2023 kann dieser Gewinn vermutlich auf 10 Mrd. ansteigen. Das ist zwar hohes Wachstum, allerdings sind das immer noch 7 Mrd. weniger Gewinn als bei Intel. Dafür ist Nvidia mit einer Marktkapitalisierung fast 500 Mrd. beinahe 300 Mrd. schwerer als Intel.

Der Gewinn vom Hauptkonkurrenten AMD dürfte 2023 bei 3,6 Mrd. liegen. Auch das ist weit von den 17 Mrd. bei Intel entfernt. AMD ist allerdings nur 90 Mrd. weniger wert als Intel. Diese Liste lässt sich beliebig fortführen. Intel schreibt so viel Gewinn wie AMD, Nvidia, Broadcom und Qualcomm zusammen. Der Börsenwert liegt hingegen bei 210 Mrd. im Vergleich zu 980 Mrd. bei den vier anderen Gesellschaften.

Intel ist, kurz gesagt, im Vergleich spottbillig. Solange Intel jedoch nicht wächst, bleibt das auch so. Was zählt, ist Wachstum. Es ist unerheblich, von welchem Niveau aus. Das sieht man bei AMD und Nvidia. Der Gewinn ist im Vergleich klein, steigt aber. Das reicht, vereinfacht gesagt.

Intel muss für Wachstum wieder Marktanteile gewinnen. Das gelang im letzten Quartal, allerdings auf Kosten des Preises. Intel erkaufte sich durch niedrigere Preise Marktanteile. Es ist zu früh, hier den Turnaround zu vermuten. Es braucht eine Bestätigung, dass Intel wieder Marktanteil gewinnt. Geschieht das, sieht es für andere Unternehmen düster aus. Als Intel zuletzt Marktanteile gewinnen konnte, stieg der Kurs relativ zum Hauptkonkurrenten AMD rasant an (Grafik 2).


Es braucht diesen Funken, um eine Kursexplosion zu entfachen. Ohne diesen Funken ist Intel eher eine "Value Trap". Auf diesen Funken warte ich. Vorher wird nicht gekauft.

Clemens Schmale


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