Nick McDonald ist Gründer von Precision Trader und unterrichtet und begleitet Leute, die von zuhause aus für ihren Lebensunterhalt traden. McDonald ist selber unabhängiger Trader, arbeitet von zuhause aus und unterrichtet andere, die das auch erreichen wollen. Er hat Precision Trader mit der Absicht gegründet, Leuten „echte“ Handelsstrategien beizubringen und irrelevante Informationen wegzulassen, die für den Trading-Erfolg nicht benötigt werden. McDonald handelt verschiedene Scalping-, Intraday- und Swing-Trade-Strategien anhand von Technischer Analyse sowohl am Forex wie auch Dow Jones-Futures.

Frage: Was haben Sie vom Trading und von Tradern gehalten, bevor Sie sich damit befasst haben?

Nick McDonald: Ich habe schon früh Interesse an den Finanzmärkten gehabt. Hauptsächlich habe ich Bücher in der Art von Warren Buffet über langfristige Handelsstrategien gelesen. Ich dachte, dass Geld durch gesunde fundamentale Analyse bei mittel- und langfristigem Halten verdient wird, und wusste so gut wie nichts über Technische Analyse und Charts. Ich dachte, dass Trader Aktienbroker sind, und das wollte ich ursprünglich werden.

Frage : Was hat Sie angeregt, mit Traden zu beginnen?

Nick McDonald: Ich habe leidenschaftlich gern allein gearbeitet und hasste ebenso leidenschaftlich jede Art von Anstellung. Seit meinem ersten Job als Teenager ging ich gern spontan weg und setzte mich erst später mit den Folgen auseinander. Irgendwie überlebte ich immer und ein Risiko einzugehen machte mir nichts aus. Ich habe nie hören mögen, was ich tun soll – wann anfangen, wann Schluss machen, wie lange eine Pause machen, was anziehen, was tun, wie es tun, usw. Ich war immer an Märkten und generell an Geschäften interessiert gewesen. Den Finanzteil der Zeitung habe ich vor dem Sport gelesen, und ich redete gern über die Märkte. Zu dem Thema habe ich eine Menge gelesen, wurde schnell sehr kompetent und konnte beim ‚Anlegen’ überall mitreden. Das Problem war, dass ich beim ‚Traden’ nicht mitreden konnte, ich wusste nicht genau, was das war, obwohl ich Aktien und Optionen kaufte und verkaufte. Erst anlässlich eines Umzugs nach London (von Auckland) und durch die Leute, die ich dort traf, verwandelte sich meine Anlegermentalität in eine Trader-Mentalität. Ich studierte mit Hingabe Technische Analyse, las Charts und tradete in jeder freien Minute, die ich hatte. Ich muss nahe daran gewesen sein, meinen Job zu verlieren, weil ich die Kurse so regelmäßig verfolgte. Da beschloss ich, den Schritt selber zu tun und kündigte meinen Job auf. Nach den drei Monaten, in denen ich das technische Trading entdeckte, gab ich meine Arbeitsstelle auf, um meinen Lebensunterhalt mit Traden zu verdienen.

Frage : Was denken Sie heute über Buffets Methode?

Nick McDonald: Ich glaube, es gibt kaum jemanden da draußen, der in den Finanzmärkten anlegt und nicht eine Menge Respekt und Bewunderung für Warren Buffet hat. Zusätzlich zu allem, was er im Laufe seines Lebens erreicht hat, und seiner harten Arbeit, der Art und Weise, wie er kürzlich einen so großen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke vergab, ist etwas, das ich sehr bewundere und für erstrebenswert halte. Seine Art der Anlage passt zur Zeit allerdings nicht zu mir. Ich schließe nicht aus, in Zukunft einmal ein langfristiges Portfolio zu besitzen, aber im Augenblick betreibe ich Intraday- und Swing-Trading, weil es für mich der beste Weg ist, um Einkommen zu erzielen und Vermögen aufzubauen.

Frage: Waren Sie am Anfang erfolgreich?

Nick McDonald: Als ich fundamental und auf Empfehlungen anderer handelte, nein, da war ich nicht erfolgreich. Zu der Zeit arbeitete ich bei einer Investmentbank Seite an Seite mit einem Broker-Team. Ich redete den ganzen Tag über die Märkte und handelte Aktien und Optionen, meist auf kleinere Öl- und Minenaktien. Ich verlor Geld, aber keine großen Beträge. Im Rückblick habe ich in dieser Zeit eine Menge über die Psychologie des Handels gelernt. Ich ging ohne klaren Plan in Trades hinein und wieder heraus und häufig erwies sich meine anfängliche Idee als richtig, nachdem ich die Position aus Angst geschlossen hatte. Nach dem Erlernen der Technischen Analyse und ihrer Kombination mit meinen sonstigen Kenntnissen wurde ich erfolgreich. Es dauerte nur etwa sechs Monate, bis ich nach dem Verlassen meiner Anstellung bequem mehr als mein vorheriges Gehalt verdiente. Seitdem habe ich nicht wieder zurückgeblickt.

Frage: Ergab sich so aufgrund Ihrer fundamentalen Kenntnisse die Richtung eines Trades und das Timing aus der Technische Analyse? Läuft es in Ihrem Trading heute noch so?

Nick McDonald: Heute setze ich sehr wenig fundamentale Analyse ein. Jedoch kann ich aufgrund meines fundamentalen Hintergrunds das Gesamtbild aus den Fundamental- und wirtschaftlichen Daten viel besser verstehen, und das trägt nach wie vor zu meinem Erfolg bei. Der kleine fundamentale Bestandteil meines aktuellen Tradings ist, dass ich Bloomberg TV sehe, die Wirtschaftsdaten für die kommende Woche ausdrucke und technisches Trading bei wichtigen wirtschaftlichen Ankündigungen unterlasse. Bei solchen Anlässen reagiert der Markt auf Fundamentaldaten, nicht auf technische, so dass ich meist nicht trade. Allerdings trade ich die technische Reaktion auf die Nachrichten, aber erst nach ihrer Bekanntgabe.

Frage: Haben Sie das Trading mit einem kleinen oder größeren Konto begonnen?

Nick McDonald: Meinen Arbeitsplatz aufzugeben war ein Risiko, das ich vermutlich nicht hätte eingehen sollen. Von meinen Gewinnen zu leben konnte ich mir nicht leisten, und ich hatte nur ein kleines Konto. Ich wusste, dass ich nie etwas anderes als ein Trader sein wollte, warum also mit einer täglichen Arbeit weitermachen, die ich nicht mochte? Irgendwie bin ich da durchgekommen, auch wenn es am Anfang hart war. Knapp zwei Jahre danach gab es einen Zeitraum von zwei Monaten, in dem ich mehr Geld verdiente als vorher in zwölf Monaten. Da wurde mir klar, dass ich nicht mehr mit einem kleinen Konto tradete.

Frage : Viele Trader, die mit kleinen Konten anfangen, fliegen in wenigen Wochen oder Monaten aus dem Markt. Sie haben mit einem sehr kleinen Konto angefangen und handeln jetzt in Vollzeit. Meinen Sie, dass andere Ihnen das so leicht nachmachen können?

Nick McDonald: Ich denke, wenn man entschlossen ist etwas zu erreichen und die Brücken zu Alternativen hinter sich abbricht, dann ja, dann kann man einen Weg finden. Entschlossenheit und Ausdauer bringen die Menschen meist an ihr Ziel, wenn sie es wirklich erreichen wollen. Ich gab meinen Job auf, ohne um ein Zeugnis zu bitten, ich löschte meinen Lebenslauf aus meinen Papieren und vernichtete zeremoniell alle Spuren von ihm... Ich wusste, dass es die letzte Anstellung meines Lebens gewesen sein würde. Das meine ich mit dem Abbrechen der Brücken. Ich ließ mir keine Option für einen Weg zurück in eine Vollzeitanstellung.

Frage: Welche Lektionen haben Sie gelernt, solange Sie mit wenig Geld gehandelt haben? Mit anderen Worten, was hat Sie in die Lage versetzt, diesen Teil Ihrer Karriere durchzustehen?

Nick McDonald: Money- und Risiko-Management sind ausschlaggebend. Ich arbeitete damals mit einem System mit sehr geringem Risiko bei sehr großer Chance. Mein Risiko war gewöhnlich ein Prozent oder weniger mit einem kleinen Konto. Ich habe mich penibel an diese Regel gehalten, so dass ich selten mehr verlor. Ich konnte aber wesentlich mehr verdienen, wenn ich bei einem guten Trade auf der richtigen Seite stand. Während ich natürlich viele Verlust-Trades hatte, brachten gute Trades drei- oder viermal so viel wie die einzelnen Verluste ein und gelegentlich gab es einen Trade mit zehn- oder auch 20- mal so viel, was den wirklichen Gewinn auf dem Konto ausmachte. Durch das begrenzte Risiko bei unbegrenzten Chancen gelang mir der Aufbau des Kontos auf ein Niveau, wo ich von ihm leben konnte. Außerdem wuchs das Konto nach jedem Gewinn-Trade und damit auch das ein Prozent, das ich beim nächsten Trade riskieren konnte. Jetzt trade ich etwas konservativer, aber der Kern bleibt der gleiche; Money- und Risiko-Management in Kombination mit der Disziplin, sich an die Regeln zu halten, sind entscheidend, wenn man erst überleben und dann erfolgreich sein will.

Frage: Welche Art Trader sind Sie?

Nich McDonald: Meiner Meinung nach gibt es drei Arten von Tradern: Scalping in Minuten, Intraday-Trading über Stunden und Swing-Traden über Tage und Wochen. Alles andere betrachte ich als Anlegen. Forex handle ich intraday, und wenn meine längerfristigen Charts meinen kurzfristigen entsprechen, verwende ich meinen Intraday-Einstieg für eine Swing-Position. Dann verkaufe ich nur 80 bis 90 Prozent an meinem Intraday-Ziel und lasse einen kleinen Teil als Swing-Position laufen. Bei Dow-Futures scalpe ich viel, was ich bei FX selten mache, zusätzlich zu geringfügig längeren Intraday-Trades.

Frage: Denken Sie, dass die typische Positionsgröße eines Intraday-Trades nennenswert größer sein sollte als bei einem Swing-Trade? Ist der Restteil einer Position, die nach den 80 bis 90 Prozent des Intraday-Trades übrig bleibt, noch die Größenordnung eines normalen Positions-Trades?

Nick Mc Donald: Nein zu beidem. Eine Intraday-Position ist normalerweise kleiner als ein Swing-Trade. Ich benutze meine Intraday-Positionen jedoch zum Aufbau größerer Swing-Positionen. Wenn Cable (Relation Britisches Pfund zu Dollar) in einem Zwölfmonatszeitraum höher tendiert, mache ich in dieser Zeit vielleicht 50 Intraday-Trades darin. Wenn sich meine Intraday- und langfristige Einstellung decken, werde ich von jeder Intraday-Position nur einen Teil schließen. Daraus entwickelt sich mit der Zeit eine größere Swing-Position, ohne in einem einzelnen Trade voll einzusteigen.

Der Restteil ist nicht genauso groß wie ein normaler Trade, sondern etwa zehn bis 20 Prozent davon.

Frage: Wie sehen ein paar Ihrer Marktkonzepte oder Handels-ideen aus?

Nick McDonald: Das Hauptkonzept ist, immer so viele Gründe wie nur möglich für den Einstieg in einen Trade zu haben. Manche Leute traden Divergenz, andere handeln Trends, wieder andere handeln Fibonacci-Levels oder Pivot-Punkte und noch andere Cluster von Unterstützung und Widerstand. Das Problem dabei ist, dass die meisten Trader isoliert nach diesen Setups suchen. Vielleicht klingt das kompliziert, aber ich achte darauf, dass all das so zusammenfällt wie ich es möchte, und zwar genau gleichzeitig. Für den Anfang sieht das wie sehr viel Information aus, aber sobald man alle Aspekte des Trades versteht, kann man die obigen Punkte innerhalb von Sekunden analysieren und es ist tatsächlich sehr einfach. Außerdem kommen dabei immer Trades mit großer Gewinnwahrscheinlichkeit heraus. Ich will keine großen Trade-Mengen. Ich will viele Gewinn-Trades und bin bereit darauf zu warten, dass die besten Setups entstehen. Meist kommt das fünf- bis15-mal pro Woche im FX-Markt und zwei- bis fünfmal pro Tag beim YM, mini Dow, vor.

Frage: Wie ist dann das Verhältnis zwischen Ihren Gewinn- und Verlust-Trades?

Nick McDonald: Mein Ziel ist, bei 75 Prozent meiner Trades einen Gewinn mit einem Chance/Risiko-Verhältnis von mindestens eins zu eins zu machen. Wenn ich zum Beispiel 1000 Pfund riskiere, mache ich dann einen Gewinn von 1000 Pfund, wenn der Trade mein Ziel erreicht. Natürlich ist eins zu eins nur das Minimum. Ich ziehe ein besseres Chance/Risiko-Verhältnis vor und versuche immer, es wenigstens etwas zu meinen Gunsten zu verbessern.

Frage: Sind Sie ein systematischer Trader?

Nick McDonald: Ich arbeite zu etwa 85 Prozent mechanisch und zu 15 Prozent diskretionär. Meiner Meinung nach wird fast immer ein diskretionäres Element benötigt. Manchmal sagt mir meine Intuition etwas leicht Abweichendes gegenüber dem mechanischen Trade-Setup, und ich habe gelernt, meiner Intuition dann mehr als den mechanischen Regeln zu vertrauen. Ich habe ein paar Strategien, die vollständig mechanisch sind, und arbeite gerade daran, sie für automatischen Handel vorzubereiten. Das ist ein sehr kleiner Teil meines gesamten Tradings.

Frage: Wann kommt Diskretion ins Spiel?

Nick McDonald: Am besten kann ich das mit „Reminiscences of a Stock Operator“ (Das Spiel der Spiele) von Edwin Lefevre erklären. In einem Abschnitt hatte Jesse Livermore eine sehr große offene Position und beobachtete den Markt nicht einmal.

Plötzlich hatte er eine Eingebung, dass er die Position schließen sollte, was er auch tat und womit er Recht hatte. Nach und nach begann er seinen Eingebungen zu vertrauen und lag meist falsch, wenn er sie ignorierte. Das ist, was ich Intuition nenne. Für einen erfahrenen Trader geht manchmal etwas im Markt vor, dessen er sich bewusst nicht völlig klar ist, aber unbewusst. Man kann zwar nicht genau den Finger darauf legen, was es ist, aber dieser unbewusste Gedanke führt häufig zu einer intuitiven „Eingebung“.

Es ist wichtig, sich seine Eingebungen zu notieren und ihren Wahrheitsgehalt zu verfolgen, bevor man sich blind auf sie verlässt. Neuen Tradern empfehle ich, ihre Eingebungen zu notieren, ohne allerdings ihretwegen tätig zu werden. Anfänger haben noch nicht genügend Erfahrung, um aufgrund von Intuition zu agieren. Wenn man sich die Eingebungen aufschreibt und regelmäßig überprüft, ob sie stichhaltig waren, kann man im Laufe der Zeit herausfinden, aufgrund welcher Eingebungen man tätig werden kann und bei welchen nicht.

Frage: Mischen Sie Zeitrahmen?

Nick McDonald: Ja, ich verwende unterschiedliche Zeitrahmen für Swing-, Intraday- und Scalp-Trades. Die Zeitrahmen reichen von Ein-Minuten-Balken und Tick-Charts für das Scalping bis hin zu Tages-, Wochen- und Monats-Charts für Swing-Trades.

Frage: Arbeiten Sie mehr mit Indikatoren oder mit Chart-Mustern?

Nick McDonald: Ohne Zweifel ist die Kursbewegung die wichtigste Information auf einem Chart. Das heißt, die tatsächliche Kursbewegung auf den Kerzen. Ich verwende auch Indikatoren viel, benutze aber nur Frühindikatoren, die den Kurs vor seinem zeitlichen Eintreten vorhersagen, anstelle von Spätindikatoren, bei denen es erst dann ein Signal gibt, nachdem der Kurs sich bereits bewegt hat. Zu den Frühindikatoren gehören Divergenz, Pivotpunkte und Fibonacci. In vielen Büchern und Seminaren wird ein Kauf-/Verkaufsignal im MACD gelehrt, wenn sich die beiden Linien kreuzen. Meiner Meinung nach ist das ineffektiv, weil es ein Spätindikator ist und es erst dann ein Signal gibt, wenn sich der Kurs in einer bestimmten Weise bewegt hat. Andererseits ist MACD-Divergenz ein Frühindikator, weil im Vo-raus angezeigt wird, ob sich ein Trend abschwächt oder vermutlich anhält.

Frage: Spielt das Volumen bei Ihrem Trading-Ansatz eine Rolle?

Nick McDonald: Das tut es nicht. Bei FX ist es praktisch unwichtig, weil immer viel Volumen vorhanden ist. Ich handle viel auf dem FX-Kassamarkt, und weil es keine feste Börse gibt, ist das Volumen schwierig festzustellen und meist ungenau. Beim Handel in anderen Märkten habe ich das Volumen auf meinem Chart, aber es spielt bei meinem Ansatz keine große Rolle.

Frage: Sehen Sie sich noch nach neuen Ansätzen um?

Nick McDonald: Nein, nicht wirklich. Ich kenne jedoch eine Menge Trader, und wenn jemand mit etwas ankommt, das sich gut anhört, sehe ich mir das gewöhnlich an. Oft hätte ich mir dann gewünscht, es nicht getan zu haben. Meist kommt es für den Erfolg nicht auf die Strategie an, sondern darauf, die passende Strategie für die Person zu finden. Ich habe Strategien gefunden, die zu mir passen und die funktionieren, so dass ich zur Zeit keinen Grund sehe, meinen Fokus zu verändern, aber ich bleibe offen.

Frage: Sind Sie sicher, dass Ihre Ideen in ein oder zwei Jahren noch funktionieren? Was passiert, wenn es strukturelle Veränderungen im Marktverhalten gibt? Sind Sie auf eine solche Situation vorbereitet?

Nick McDonald: Meine Strategien entwickeln sich ständig, und ich passe sie an, wenn es erforderlich ist. Gelegentlich wechsele ich auch die Märkte, abhängig davon, was jeweils am besten läuft. Überwiegend handele ich FX- und E-mini-Futures, aber ich handele auch Google fast täglich und habe eine Menge Erfahrung mit Aktien gesammelt. Leute zu unterrichten hat unter anderem den Vorteil, dass diejenigen häufig gute Trading-Partner werden, die mit meinen Strategien erfolgreich weitermachen. Ihr Input und ihre Verbesserungen tragen dazu bei, dass die Strategieentwicklung mit den Ereignissen Schritt hält. Insgesamt glaube ich, dass das Marktverhalten sich nicht so nennenswert verändert. Die Technische Analyse, wie wir sie heute haben – Kerzen, Kanäle, Dreiecke, Pivots, Fibonacci, alles gibt es bereits seit hunderten von Jahren und in einigen Fällen länger. Wirtschaftliche Verhältnisse ändern sich, aber das menschliche Verhalten bleibt gleich und das ist es, was die meisten Marktbewegungen verursacht.

Frage: Wie viele verschiedene Setups verwenden Sie bei Ihrem Trading?

Nick McDonald: In Forex heißt meine Hauptstrategie „Precision FX Strategy“. Ich habe sie Traders-Mag-Lesern in einem Artikel mit dem Titel „Trading FX with Precision“ vorgestellt, den Sie dieses Jahr in Ihrer FX-Ausgabe veröffentlicht haben. Ich achte auf sehr starke Trends in allen Zeitrahmen und gehe bei Pullbacks in den Markt, nur in Trendrichtung und nur, wenn der Pullback in einer sehr starken Ballung von Unterstützung und Widerstand erfolgt. Das ist mein hauptsächliches Setup und stellt die Basis für mein gesamtes Trading in allen Märkten dar. Selbst wenn ich Ausbrüche statt Pullbacks handele, gehe ich nach den gleichen Prinzipien vor. Dann habe ich noch um die fünf oder sechs andere Strategien, nach denen ich handele, im Wesentlichen auf den gleichen Prinzipien wie die PFX-Strategie basierend, jedoch mit kleinen Unterschieden wie Markt, Zeitrahmen und Ziel. Beim Dow gibt es zum Beispiel verschiedene andere technische Indikatoren, die ich benutze und die es für FX nicht gibt.

Frage: Wie managen Sie Ihr Risiko?

Nick McDonald: Mein maximales Risiko im Markt beträgt zu jedem beliebigen Zeitpunkt immer nur zwei Prozent. Das kann bedeuten, dass ich einen Trade mit zwei Prozent Risiko oder vier Trades mit je 0,5 Prozent Risiko habe, das Gesamtrisiko ist immer gedeckelt. Das Schöne bei Forex ist, dass das Risiko definiert und im Voraus bekannt ist, und es wegen der gewaltigen Liquidität und der 24-Stunden-Öffnungszeit praktisch keine Lücken gibt, so dass man so gut wie sicher auf dem vorher festgelegten Level gestoppt wird. Ich habe früher sehr viel mit Aktien gehandelt, fand das aber als Vollzeit-Trader mit dem größten Teil meines im Markt gebundenen Vermögens zu riskant. Man stelle sich ein Unternehmen vor, das bestimmte Waren herstellt und das Lager davon voll hat. Eines Tages brennt alles ab und die Ware ist verloren. Wenn man dann keine Versicherung hat, ist alles endgültig weg. Das war das Risiko, das ich im Aktienmarkt eingegangen bin, das ich aber langfristig nicht auf mich nehmen wollte. Das Risiko einer gewaltigen Lücke gegen meine offenen Positionen war zwar gering, aber definitiv vorhanden, und es gab keine Möglichkeit, mich gegen einen solchen Verlust zu versichern. Durch das Traden mit gehebelten Produkten kann das noch vergrößert werden und selbst bei der Anwendung von Money Management ist es möglich, mehr als das angelegte Kapital zu verlieren. Das Risiko wird praktisch ausgeschlossen, wenn man FX handelt und keine Übernachtpositionen in anderen Märkten hält.

Frage: Wie legen Sie fest, wann Sie in einem Trade falsch liegen?

Nick McDonald: Ich liege falsch, wenn ich nicht genau nach meinem Plan handele. Wenn ich nach meinem Plan trade, unterscheide ich nicht zwischen Gewinnern und Verlierern, wonach Sie wohl gefragt haben. Ich kenne meinen Einstieg, sowie Stopp und Ziel im Voraus, ich kenne sie sogar schon, bevor der Trade überhaupt ausgelöst wird. Daher verliere ich Geld, wenn mein Stopp getroffen wird und verdiene Geld, wenn mein Gewinnziel erreicht wird. Ein Verlust-Trade ist aber nicht unbedingt einer, der Geld verliert. Ein Verlust-Trade ist ein Trade, der nicht nach meinen Trading-Regeln ausgeführt wird. Ich weiß, dass ich langfristig Geld verdiene und daher gewinne, wenn ich genau nach meinem Plan vorgehe. Auch während unprofitabler Zeiten fühle ich mich noch als Gewinner, vorausgesetzt ich bin nicht von meinem Plan abgewichen. Das ist der einzige Selbst-Check, den ich mache.

Frage: Sie haben ein Gewinnziel erwähnt. Wie wird das festgelegt?

Nick McDonald: Ich verwende bei der Festlegung von Zielen Chance-zu-Risiko-Relationen: vorherige Hochs oder Tiefs im Trend und auch Fibonacci-Extensionen.

Frage: Ist Money Management ein eigenes Thema?

Nick McDonald: Risiko-Management ist ein viel breiteres Thema als Money Management. Money Management bezieht sich darauf, wie viel Kapital man in jedem einzelnen Trade einsetzt, wie viele Trades man gleichzeitig macht und wie man die Gewinne behandelt/ausgibt. Risiko-Management bezieht sich auf den Umfang, in dem man in eine bestimmte Währung geht, wie viel Gewinn oder Verlust man sich pro Tag/Woche/Monat erlaubt, bevor man aufhört, und welchen Teil des Vermögens man in den Märkten riskieren will.

Frage: Wie sind Ihre genauen Regeln dafür? Sie sagten oben schon, dass Sie nie mehr als zwei Prozent dem Risiko aussetzen. Hat das auch Einfluss auf die Stopp-Größe? Oder nur auf die Zahl der Positionen, die Sie gleichzeitig handeln?

Nick McDonald: Nur der dem Risiko ausgesetzte Prozentsatz bleibt konstant. Manche Leute drücken das durch die Menge der Pips aus, aber für mich ist das keine Konstante. Wenn ich 37 Pips riskiere, um 37 Pips zu verdienen, dann riskiere ich ein Prozent, um ein Prozent zu verdienen. Wenn ich 237 Pips riskiere, kommt es nicht darauf an, dass ich 237 Pips verdienen könnte, ich verdiene immer noch ein Prozent. Um also Ihre Frage zu beantworten, die Stopp-Größe wird durch die 2-Prozent-Regel nicht beeinflusst, aber die Zahl der gleichzeitig gehandelten Positionen wird es.

Frage: Was passiert, wenn die zwei Prozent ausgeschöpft sind und ein neuer Trade taucht auf? Ändern Sie dann Ihre Regeln oder schließen Sie vor dem Eingehen des neuen Trades eine andere Position?

Nick McDonald: Wenn meine Risikogrenze von zwei Prozent erreicht ist, achte ich nicht auf neue Trades.

Frage: Was war Ihr schlimmster Drawdown?

Nick McDonald: Einmal habe ich beim Aktienhandel ohne eigenen Fehler 14 Prozent an einem Tag verloren. Es gab intraday eine große Lücke, also nicht einmal zwischen Schluss und Eröffnung, sondern mitten am Trading-Tag. Es lagen keine Nachrichten vor und es gab keinen offensichtlichen Grund dafür, es war einfach eine verrückte Erscheinung. Es hat allerdings dazu geführt, dass ich viel mehr über dieses Risiko beim Aktien-Trading nachdachte. Deshalb trade ich jetzt nur FX, mini-Dow und andere hoch liquide Märkte.

Frage: Wann wurden Sie sich darüber klar, dass es nicht nur um einen Versuch in den Märkten ging, sondern dass es eine Vollzeitkarriere für Sie werden würde? Oder fühlten Sie das von Beginn an?

Nick McDonald: Seit meiner ersten Einführung in die Technische Analyse wusste ich, dass ich genau das gefunden hatte, was ich wollte. Als ich meinen Job verlassen hatte, um in Vollzeit zu traden, gab es kein Zurück.

Frage: Wo kommt das psychologische Element ins Spiel?

Nick McDonald: Ich betrachte Psychologie als 75 Prozent des Trading Games und nur 25 Prozent sind letztlich Strategie und Fundamentales. Auch wenn eine gegebene Strategie zu 85 bis 100 Prozent technisch sein könnte, ohne die richtige Trader-Einstellung werden es nur sehr wenige Trader schaffen, die technischen Regeln zum Funktionieren zu bringen. Leider begreifen so viele neue Trader nicht, wie wichtig Psychologie ist, und für mich ist das der Grund, warum es so viele von ihnen nicht schaffen. Man muss fokussiert sein, beständig, wählerisch, diszipliniert, intuitiv, offen und voll die Kontrolle behalten – alles zur selben Zeit. Nichts davon kann unter Strategie eingeordnet werden, es handelt sich allein um die Einstellung des Traders.

Frage: Leider sind sich neue Trader nicht darüber im Klaren. Haben Sie Empfehlungen, wie das Problem zu bewältigen ist? Besonders für Anfänger?

Nick McDonald: Aufhören nach dem Heiligen Gral zu suchen. Strategie ist wichtig, und man muss etwas zur Persönlichkeit passendes finden, das funktioniert, aber das ist der kleinere Teil. So gut wie keine Strategie wird funktionieren, wenn man seine Emotionen nicht erkennen und beherrschen kann. Die Jäger nach dem Heiligen Gral lernen etwas Neues kennen, sind aufgeregt, machen ein paar Verlust-Trades, werden entmutigt und machen mit einer anderen Strategie weiter. Oft setzt sich dieser Kreislauf unendlich fort. Was sie nicht begreifen, ist, dass die Strategie selten das Problem ist, es ist das Individuum. Manche dieser Strategien würden mit Zeit und Einsatz wahrscheinlich funktionieren. Was die Leute tun, ist, Gewinne zu früh mitnehmen, schlechtes Money Management betreiben aus Angst vor zu großen Verlusten oder aus Gier, weil sie mehr verdienen wollen als sie sollten. Sie ziehen Stopps nach oder nehmen Gewinne zu früh mit, um keine Gewinne zurückzugeben, sie steigen zu früh ein in der Sorge, den Einstieg ganz zu verpassen. Das ist alles falsches Verhalten und liegt daran, dass die Emotionen der Person ihrer Strategie in den Weg kommen. Viele neue Trader machen sich über solche Kommentare lustig, aber wenn jemand die Bedeutung von Psychologie mit einem Achselzucken abtut, dann bekomme ich schnell eine Vorstellung von dem Zustand ihres Tradens. Nicht zum Besten! Ich unterrichte Leute in soliden Trading-Strategien, betone die Trader-Einstellung für die effektive Umsetzung der Strategie und biete weitergehende Mentor-Untersützung, damit die Trader auf das fokussiert bleiben, worauf es wirklich ankommt. Die Beratung steht dann ungefähr im gleichen Verhältnis wie das Traden, 75 Prozent beziehen sich auf die Einstellung des Traders und nur ein kleiner Teil ist technisch.

Frage: Ein paar Worte über Angst, Gier und Selbstwertgefühl?

Nick McDonald: Es ist gefährlich, sich in einem Zustand von Angst oder Gier zu befinden, nicht nur für Trader, sondern für jedermann. Das Problem ist, dass viele Trader nicht erkennen, dass sie ängstlich oder gierig sind, und deshalb tun sie nichts, um das zu korrigieren. Erkennung und Korrektur dieser Faktoren durch Psychologie, Training und andauerndes Bemühen, das Spiel mit Überlegenheit zu spielen, sind die ultimative Lösung.

Frage: Wo sehen Sie den Unterschied zwischen sich und so vielen anderen Tradern, die aus dem Spiel geflogen sind?

Nick McDonald: Die meisten Leute wollen es nicht energisch genug. Vielleicht glauben sie es, aber wenn sie es nicht schaffen, haben sie es vielleicht nicht so sehr gewollt, wie sie dachten, und zu früh aufgegeben. Ich glaube, ich habe niemanden getroffen, dessen Lebensziel es war, Trader zu werden und der es nicht schließlich geschafft hat. Damit meine ich, dass diejenigen es letzten Endes schaffen, die es WIRKLICH wollen und vor alle anderen Karriereüberlegungen stellen. Die Schlüssel sind Beständigkeit und Entschlossenheit. Wenn jemand es so absolut will, macht er so lange weiter, bis er es schafft, ob nach Wochen, Monaten oder Jahren. Der Durchschnittsmensch hört bei der ersten Hürde auf, nach dem ersten Reinfall oder einer rauen Gangart im Markt. Wir alle stehen manchmal vor solchen Situationen, jeder Trader tut das. Um also Ihre Frage zusammenfassend zu beantworten – die Gewinner geben nie auf, die Verlierer geben bei frühen Anzeichen von Widrigkeiten auf. Wenn man als Kind vom Rad fällt und nicht wieder aufsteigt, lernt man das Radfahren nie richtig. Man muss aus seinen Fehlern lernen, wieder aufs Fahrrad steigen und es neu versuchen. Nach einer Verlustperiode weiter zu traden und daraus zu lernen, macht einen Trader stärker. Wie beim Fahrradfahren, aus seinen Fehlern kann man nur lernen. Menschen träumen gern davon, Millionen in den Märkten zu machen, anstatt sich auf die Realität von harter Arbeit, Disziplin und Beständigkeit einzustellen, die gebraucht wird, um Erfolg zu haben. Wenn man mit der Bereitschaft zu harter Arbeit an den Markt gekommen ist, dann gibt es Licht am Ende des Tunnels und Aussicht auf Spaß auf dem Weg dahin!

Frage: Und wenn Sie nicht traden, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Nick McDonald: Meine Trading-Strategien sind sehr klar definiert und beanspruchen deshalb nicht besonders viel Zeit. Ich brauche gesellschaftliche Kontakte, und die fehlen häufig für häusliche Trader wie mich, wenn wir keine anderen Hobbys haben. Aus diesem Grund habe ich Precision Trader gegründet und setze jetzt viel Zeit als Mentor für andere Trader ein und für den Ausbau des Unternehmens. Ich genieße die Herausforderung des Geschäfts als Pause vom Trading, und weil Traden meine Passion ist, ist ein Unternehmen in diesem Bereich die perfekte Lösung. Ich halte auch Entspannung für sehr wichtig und gehe deshalb viel spazieren und ins Fitnessstudio. Ansonsten gehe ich häufig mit Freunden zum Essen oder höre Musik an meinem Computer mit einem Auge auf den Märkten und dem anderen beim Surfen im Internet oder bei der Arbeit an einem Projekt. Im Augenblick habe ich mehrere Projekte am Laufen. Sie können im Internet unter www.tradewithprecision.com mehr über Nick McDonald und Precision Trader erfahren.

Quelle: Traders-MagazinEin Archiv bisheriger TRADERS Interviews finden Sie hier : Bitte hier klicken