Der Aufreger der letzten Woche war sicherlich die erste Inversion einer Zinskurve in den USA. Dieser Satz hat es zugegebenermaßen in sich. Wir sprechen von der ersten Inversion. Das bedeutet, dass es noch sehr viel mehr geben kann. Das liegt daran, dass es nicht die eine Zinskurve gibt.

Am beliebtesten ist die der 10- und 2-jährigen Anleihen. Die Rendite der 2-jährigen Anleihen wird von der Rendite der 10-jährigen subtrahiert. Kommt dabei ein negativer Wert heraus, spricht man von einer invertierten Zinskurve. Aktuell kann man das noch nicht tun. Die Zinsdifferenz ist noch positiv, wenn auch nur knapp.


Tipp: Auf diesem Desktop des Kollegen Daniel Kühn können Sie die Zinsstruktur selber beobachten

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Der Spread schrumpfte auf 10 Basispunkte (0,1 %) zusammen. Das ist wirklich sehr knapp. Der Spread lag einmal bei 300 Basispunkten (Grafik 1). Es ist aber nicht der einzige Spread, den sich Analysten anschauen. Recht üblich ist auch die Betrachtung der Differenz von 10 und 5 Jahren sowie 5 und 2 Jahren.


Zwischen der Rendite der 5-jährigen und 2-jährigen Anleihen geschah letzte Woche genau das, was alle fürchteten. Der Spread wurde negativ. In der langen Historie in Grafik 1 muss man schon genau hinsehen, um das zu erkennen. Zum Genießen gibt es daher noch einmal die Nahaufnahme (Grafik 2).

Die Invertierung ist derzeit kaum wahrnehmbar. Der Spread betrug -2 Basispunkte oder -0,02 %. Das ist noch kein Schocker. Es ist nun aber einmal geschehen und das ist, was zählt. Rezessionen waren in der Vergangenheit nicht weit, wenn die Kurve invertierte.

Die Notenbank stört das überhaupt nicht. Sie hält munter an ihrem Kurs fest, auch wenn sich das 2019 wohl relativieren wird. Das kommt vermutlich zu spät. Der Schaden ist bereits angerichtet. Die Fed glaubt allerdings gar nicht daran, dass eine invertierte Kurve Schaden anrichtet bzw. eine Rezession vorhersagt.

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Dafür gibt es gute Gründe. Es gibt kein ökonomisches Gesetz, welches eine Rezession erzwingt. Dennoch geschieht genau das. Die Schuld kann man Banken zuschieben. Sie vergeben bei einer Inversion weniger Kredit. Auch dafür gibt es kein Gesetz. Sie tun es einfach.

Fast die Hälfte der Banken gibt an, die Vergabekriterien zu straffen, wenn es zur Inversion kommt. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie nach der Inversion wirtschaftliche Schwierigkeiten befürchten. Der Ausblick trübt sich ihrer Meinung nach ein.

Es ist eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Eine Inversion an sich hat wenig Bedeutung. Sie erhält aber Bedeutung, weil jeder an die Bedeutung glaubt, auch wenn es diese gar nicht gibt. Genau deswegen ist die Inversion so ein heißes Eisen und ist nun einmal da. Da Kredit das Schmiermittel der Wirtschaft ist, ist eine weniger gute Versorgung mit Kredit problematisch.


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