Doch es wäre nicht Google, der legendäre Arbeitgeber mit seiner einzigartigen Arbeitskultur, der von einigen Arbeitnehmern als ein „riesiger Spielplatz“ (1) beschrieben wird, wenn er sich nicht auch um seine künftigen Millionäre gekümmert hätte.

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    Ein Werbevideo zur Mitarbeitergewinnung, das von Angestellten als „nicht übertrieben“ (1) bewertet wurde, gibt einen Eindruck, wie es ist bei Google zu arbeiten.

    Bereits ein Jahr vor dem IPO von Google wurde dem damaligen Senior Vice President Jonathan Rosenberg klar, dass der Börsengang Tausende von jungen Millionären schaffen würde. Rosenberg fürchtete, dass die jungen Google-Millionäre eine leichte Beute für „gierige Finanzberater“ (2) werden könnten und beriet sich mit dem CEO Eric Schmidt, sowie den Gründern Larry Page und Sergey Brin, was zu tun sei.

    Die Firmenlenker entschieden sich in die Finanzbildung ihrer Angestellten zu investieren, um die Mitarbeiter nicht nur vor schweren Finanzfehlern zu bewahren, sondern auch um herauszufinden, welche die beste Geldanlage für sie alle sei.

    Google organisierte in dieser Zeit firmeninterne Investmentseminare, um seine zukünftigen Tech-Millionäre auf den Ansturm der Wall Street Banker vorzubereiten. (3)

    Und wen lud das Unternehmen dazu ein? Natürlich nur die Elite der Finanzwissenschaft.

    Auf der Rednerliste standen Nobelpreisträger und Stanford-Professor William Sharpe, Princeton Wirtschaftsprofessor Burton Malkiel, auch bekannt für den Finanzklassiker „A Random Walk Down Wall Street“ und der Vanguard-Gründer John Bogle, seines Zeichens der Erfinder des ersten Indexfonds auf den S&P 500.

    Die Botschaft der Auguren war eindeutig: Aktives Portfoliomanagement der Wall Street Banker, die schon begierig auf Termine bei den Google-Angestellten warteten, würde ihnen keinen Mehrwert liefern.

    Die Experten rieten den künftigen Millionären, stattdessen ihr Geld in günstige und breit gestreute Indexfonds zu investieren und sich wieder ihrer Arbeit zuzuwenden, um Google zu einem noch besseren Unternehmen zu machen. Über die Zeit würden sie damit nicht nur Gebühren sparen und mehr Rendite erzielen, sondern auch ein stress- und sorgenfreieres Finanzleben führen.

    Rückblickend betrachtet hatten die Professoren und der Indexfondsmanager nicht zu viel versprochen.

    Ein Anleger, der per 1.1. 2005 in einen S&P 500 Indexfonds, wie z.B. den iShares S&P 500 UCITS ETF (Dist), investiert hätte, wäre heute mit einer Rendite von über 100 % (!) belohnt worden. Wie die historische Wertentwicklung des iShares ETF zeigt, hätte also ein „einfacher“ Google-Millionär mit diesem simplen Investment aus 1.000.000 USD den Betrag von 2.125.432 USD werden lassen können. (4)

    Doch hätte es nicht auch mehr sein können, z.B. durch eine professionelle Anlagestrategie, die Aktien zur richtigen Zeit kauft und verkauft?

    Eine Auswertung der Universität von Chicago von über 2.619 Fonds hat im Zeitraum von 2004 bis 2008 ergeben, dass lediglich 5,9 % der aktiv gemanagten Fonds über 3 Jahre und verschwindend geringe 1,4 % der aktiven Geldmanager über 5 Jahre den S&P 500 geschlagen hatten.

    Berücksichtigt man dann noch die im Durchschnitt doppelt so hohen Gebühren von aktivem Management und schwierig zu quantifizierende Opportunitätskosten - ein schlecht laufender Fonds erzeugt einen verpassten Rendite-Spread zum Marktdurchschnitt - so müsste die Entscheidung für die Google-Angestellten eigentlich klar gewesen sein. (5)

    Doch wofür hatten sie sich letztlich entschieden?

    Zunächst ließ Google die Wall Street Banker in ihren Privatjets (2) einfliegen und ihre Investmentideen und Produkte präsentieren. Doch die überraschten Finanzprofis waren nicht auf die Fragen der „Techies“ vorbereitet.

    Denn die “Googlianer” fragten bloß immer wieder:
    „Can you guarantee us at least the market rate of return?“ (2) – Könnt ihr uns wenigstens die Marktrendite garantieren?

    Die Finanzberater versprachen daraufhin zwar vollmundig, dass sie den Markt schlagen würden, aber die Marktrendite garantieren, das wollten und konnten sie nicht.

    Die Entscheidung der Google-Mitarbeiter war danach eindeutig und soviel wir heute wissen, sind sie weiterhin entspannte und sehr zufriedene Indexfondsanleger.

    Viele Grüße
    Jakob Penndorf

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    (1) Google Employee Explains Why Working At Google Is So Great. Online-Artikel auf BusinessInsider.com vom 26.10.2014, abgerufen am 06.09.2016.
    (2) Google’s Millionaires. Online-Artikel auf der Webseite des Finanzdienstleisters Lyra Wealth Management. Abgerufen am 06.09.2016.
    (3) Why Google’s Investment Advice is Good for All. Online-Artikel im Finanzblog des US-Onlineportfoliomanager MarketRider.com vom 26.04.2012, abgerufen am 06.09.2016.
    (4) Produktinformationsseite des iShares S&P 500 UCITS ETF (Dist) auf iShares.com. Abgerufen am 06.09.2016. Keine Kaufempfehlung des Autors.
    (5) Seelenfrieden für Ihr Vermögen. Eine Geschichte, die Ihnen Ihr Banker nie erzählen würde. Von Markus Marquardt, erschienen 2014, Seite 135f.

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