• Volkswagen AG Vz. - Kürzel: VOW3 - ISIN: DE0007664039
    Börse: XETRA / Kursstand: 235,450 €
  • Volkswagen AG - Kürzel: VOW - ISIN: DE0007664005
    Börse: XETRA / Kursstand: 326,200 €

So mancher Börsianer traut derzeit seinen Augen nicht: Die Volkswagen-Stammaktien steigen und steigen und kennen kein Halten mehr. Nicht wenige fühlen sich an das Jahr 2008 erinnert, als es auf dem Höhepunkt des Übernahmekampfs zwischen Porsche und Volkswagen schon einmal zu einer Kursexplosion der Volkswagen-Stammaktien kam.

Wie damals stehen auch heute wieder nicht die im DAX enthaltenen Vorzugsaktien im Mittelpunkt des Kursgeschehens, sondern die illiquideren Stammaktien, obwohl auch die Vorzugsaktien zuletzt starke Kursgewinne verzeichneten. Inzwischen ist Volkswagen sogar wieder das wertvollste deutsche Unternehmen und hat SAP überholt.

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Volkswagen: Vorzugsaktien und Stammaktien im Vergleich

Die beiden Aktiengattungen von Volkswagen unterscheiden sich in zwei Punkten voneinander: Nur die "Stämme" sind mit Stimmrecht auf den Hauptversammlungen ausgestattet, während die Vorzugsaktien kein Stimmrecht besitzen. Dafür zahlen die "Vorzüge" eine etwas höhere Dividende. Da der Unterschied zwischen den beiden Aktiengattungen recht gering ist, entwickeln sich die Kurse normalerweise annähernd parallel. Während bei den allermeisten Unternehmen nur Stammaktien gehandelt werden oder die Stammaktien wichtiger sind als die Vorzugsaktien, ist es bei Volkswagen genau umgekehrt.

Wie schon beim ominösen Short Squeeze im Jahr 2008 explodieren derzeit die Volkswagen-Stammaktien geradezu. Seit Ende der vergangenen Woche haben die Papiere bereits um mehr als 45 Prozent zugelegt, während es die Vorzugsaktien immerhin auf ein Plus von etwas mehr als 25 Prozent gebracht haben.

Eine aktuelle Chartanalyse zu den Volkswagen-Vorzugsaktien finden Sie hier: VOLKSWAGEN - Einfach nur wow

Für die Kursexplosion und die Outperformance der Stammaktien gibt es verschiedene Erklärungsansätze:

  • Hinter der Kursexplosion könnten v.a. US-Anleger stecken, nachdem inzwischen auch viele US-Analysten inzwischen der Meinung sind, dass Volkswagen bereits in wenigen Jahren mehr E-Autos verkaufen könnte Tesla. In den USA werden nicht die Volkswagen-Aktien direkt gehandelt, sondern sogenannte American Depositary Receipts (ADRs). Das sind von Depotbanken ausgestellte Hinterlegungsscheine, mit denen US-Anleger indirekt ausländische Aktien erwerben können. Die beliebten Volkswagen-ADRs in den USA basieren allerdings nicht auf den im DAX enthaltenen Vorzugsaktien, sondern auf den Stammaktien. Die Stammaktien sind sehr viel illiquider, weil ein Großteil von den Großaktionären Porsche SE, dem Land Niedersachsen und dem Emirat Katar gehalten werden. Eine große Nachfrage nach den Stammaktien führt wegen der Illiquidität automatisch zu größeren Kursbewegungen.
  • Einige Marktbeobachter halten es auch für möglich, dass sich einige Hedgefonds verspekuliert haben könnten. Lange Zeit trauten die Finanzmarktprofis den traditionellen Autobauern nämlich nicht mehr zu, im beginnenden E-Auto-Zeitalter noch eine größere Rolle spielen zu können. Haben sich milliardenschwere Hedgefonds möglicherweise mit Short-Wetten auf Volkswagen und andere Autobauer verspekuliert und müssen ihre Short-Positionen nun panisch auflösen? Handelt es sich also um einen neuen Short Squeeze bei Volkswagen?
  • Zum möglichen Short Squeeze könnte auch passen, dass offenbar auch die sich in sozialen Medien organisierenden US-Kleinanleger Volkswagen für sich entdeckt haben. Das Diskussionsvolumen in einschlägigen US-Foren zu Volkswagen stieg in den letzten Tagen deutlich an. Auch bei Kleinanlegern gilt Volkswagen als möglicherweise "heiße" E-Auto-Aktie, die im Vergleich zu Tesla und anderen gehypten Papieren aus dem Sektor fundamental noch relativ günstig bewertet ist. So beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Analystenschätzungen für 2021 bei Volkswagen-Stammaktien nur 13, während Tesla zu einem astronomischen Vielfachen von 175 zum erwarteten Gewinn 2021 gehandelt wird.

Wer auch immer hinter dem starken Kursanstieg stecken mag, eines ist relativ wahrscheinlich: Viele Anleger halten Volkswagen wegen seiner gerade laufenden Transformation zum E-Autobauer für attraktiv. Diese Attraktivität betrifft sowohl die Stamm- als auch die günstigeren Vorzugsaktien.

Im Jahr 2020 haben sich die Auslieferungen von batteriebetriebenen Fahrzeugen bei Volkswagen verdreifacht. Damit fiel das Wachstum im Elektro-Segment sogar stärker aus als beim Konkurrenten Tesla, der seine Auslieferungen im Gesamtjahr nur um 36 Prozent steigerte. Gleichzeitig spottet der Bewertungsunterschied zwischen beiden Konzernen jeder Beschreibung.

Das sogenannte Baukastenprinzip dürfte Volkswagen zudem erhebliche Wettbewerbsvorteile bescheren. Mit dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) von Volkswagen führt der Konzern das Prinzip, neue Fahrzeuge innerhalb eines einheitlichen Schemas zu bauen, nun auch im Elektrozeitalter ein. Der Autobauer Ford hat sich bereits mit Volkswagen darauf geeinigt, ebenfalls MEB zu verwenden und auf dieser Basis ein eigenes Elektrofahrzeug für den europäischen Markt zu entwickeln.

Im langfristigen Musterdepot unseres Premium Services Guidants PROmax wurden am 3. März 2021 die Volkswagen-Vorzugsaktien erworben. Nach etwas mehr als zwei Wochen befindet sich die Position bereits mehr als 25 Prozent im Plus.

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(Offenlegung: Der Autor dieses Textes ist privat ebenfalls in den Volkswagen-Vorzugsaktien investiert. Die Aktien wurden nach dem Kauf im PROmax-Musterdepot erworben.)


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Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars investiert: Volkswagen AG Vz. (long)

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars investiert: Volkswagen AG Vz.