• Volkswagen AG Vz. - Kürzel: VOW3 - ISIN: DE0007664039
    Kursstand: 133,920 € (XETRA) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • Volkswagen AG Vz. - WKN: 766403 - ISIN: DE0007664039 - Kurs: 133,920 € (XETRA)

Im zweiten Quartal hat Volkswagen zwar wegen der Probleme bei Halbleitern und wegen der China-Lockdowns weniger verdient als im Vorjahresquartal, dabei handelt es sich aber um temporäre Effekte.

Im gesamten ersten Halbjahr sanken die Auslieferungen des Volkswagen-Konzerns um 22,2 %, dennoch konnte der Umsatz leicht und den Gewinn sogar deutlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegen. Der Umsatz wuchs um 2,0 % auf 132,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 12,9 % auf 12,8 Milliarden Euro und das Nachsteuerergebnis sogar um 25,8 % auf 10,6 Milliarden Euro. Die Zahlen lagen durchweg über den Erwartungen der Analysten.

Konzernweit hat Volkswagen im ersten Halbjahr zwar weniger Autos verkauft, aber unter anderem wegen anteilig höherer Absätze im Premiumbereich die operative Marge von 8,8 Prozent auf 10,6 Prozent gesteigert. Zugleich hat Volkswagen "wichtige strategische Fortschritte gemacht und die Entwicklung seiner Plattformen Batterie, Mobilitätsdienste und Software entscheidend vorangebracht", wie Finanzvorstand Arno Antlitz sagte. Der Börsengang der Sportwagentochter Porsche könnte weitere Mittel in die Konzerntasche spülen, um die Transformation voranzutreiben. Für das Gesamtjahr strebt der Volkswagen-Konzern weiter einen Umsatzanstieg um 8 bis 13 % und eine operative Marge von 7,0 bis 8,5 % an.

Aus fundamentaler Betrachtung sind die Volkswagen-Aktien derzeit spottbillig bewertet, wie auch die folgende Tabelle zeigt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei nur 4, die Dividendenrendite auf Basis der für 2022 zu erwartenden Dividende bei über 6 %.

Jahr 2021 2022e* 2023e*
Umsatz in Mrd. EUR 250,20 271,46 284,74
Ergebnis je Aktie in EUR 29,59 33,18 32,90
KGV 5 4 4
Dividende je Aktie in EUR 4,86 8,44 8,49
Dividendenrendite 3,63 % 6,31 % 6,35 %
*e = erwartet

Auch aus Cashflow-Perspektive ist Volkswagen inzwischen attraktiv. Lange Zeit hatte der Konzern einen negativen Free Cashflow zu verbuchen, gab also mehr Geld aus, als in die Kassen kam. Inzwischen erwirtschaftet Volkswagen positive freie Cashflows, wie das neu designte und im Funktionsumfang deutlich erweiterte Fundamentalcharts-Widget auf Guidants zeigt.

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Auch in den kommenden Jahren dürfte Volkswagen trotz der kostspieligen Zukunftsinvestitionen Cashflow-positiv bleiben. So erwarten die Analysten, dass Volkswagen im aktuellen Jahr fast 11 Milliarden Euro, 2023 und 2024 mehr als 12 Milliarden Euro und 2025 fast 14 Milliarden Euro an freiem Cashflow verdient, bei einer Marktkapitalisierung von 81 Milliarden Euro und einem Enterprise Value von ca. 231 Milliarden Euro. Das ist zwar auf Cashflow-Basis keine günstige Bewertung, allerdings dürften die freien Cashflows noch einmal deutlich steigen, wenn die wichtigsten Zukunftsinvestitionen getätigt sind und anfangen, Geld in die Kassen von Volkswagen zu spülen.

Mit einem KGV von unter 4 ist Volkswagen aktuell so bewertet, als habe der Konzern keine große Zukunft mehr vor sich. Dabei ist auch von "Legacy-Autobauern" die Rede. Gemeint sind damit die Dinosaurier unter den Autobauern, die in der neuen Mobilitätswelt keine bedeutende Rolle mehr spielen werden, während Tesla und wenige andere Konzerne die Mobilitätsbedürfnisse der Massen befriedigen werden. Angesichts der Tatsache, dass Volkswagen womöglich bereits in wenigen Jahren mehr Elektrofahrzeuge verkaufen könnte als Tesla, dürfte sich diese Sicht der Dinge aber wohl nicht bewahrheiten. Ich halte die Volkswagen-Vorzugsaktien für unterbewertet und bin investiert. Schnelle Kursgewinne sollte man bei dem Papier aber angesichts des übergeordnet weiter intakten Abwärtstrends eher nicht erwarten.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars investiert: Volkswagen AG Vz. (long)