London (GodmodeTrader.de) - Die Anlegerstimmung wird letztendlich einen stärkeren Einfluss auf die italienische Regierung haben als Brüssel. Ein anhaltender Renditeanstieg auf über vier Prozent und ein Vertrauensverlust der Anleger ist eine Entwicklung, die die politische Stimmung verändern könnte. In diesem Szenario könnte die italienische Wirtschaft in eine heftige Talfahrt geraten, da höhere Finanzierungskosten das Staatsdefizit und die Schuldenlast des Landes erhöhen würden, wie Geoffroy Lenoir, Head of Euro Sovereign Rates bei Aviva Investors, in seinem aktuellen Kommentar schreibt.

Zunehmende Ängste vor Verschuldung hätten zu Spekulationen geführt, dass Italien seinen Investment-Grade-Status bei den großen Ratingagenturen verlieren könnte. Das sei aber unwahrscheinlich - zumindest kurzfristig betrachtet, heißt es weiter.

„Die Ratingagenturen werden sich damit befassen, wie sich der Haushaltsplan mittel- bis langfristig auf Italiens Perspektiven auswirken dürfte. Und es wird einige Zeit dauern, bis diese Auswirkungen deutlich werden. Eine Herabstufung auf Sub-Investment-Grade würde dazu führen, dass Italien bestimmte Referenzwerte nicht mehr erreicht. Fragen zu Finanzierung und Liquidität kommen auf. Angesichts der Größe der italienischen Wirtschaft und ihrer Verschuldung hätte dies enorme Folgen für die Eurozone und die Weltwirtschaft. Eine Herabstufung sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden“, so Lenoir.

Die teuren Wahlversprechen der italienischen Regierungskoalition seien in der EU mit Blick auf die üblichen Verträge zur Haushaltsdisziplin auf starke Kritik gestoßen. Die Finanzmärkte seien verständlicherweise besorgt, dass das Ergebnis chaotisch ausfallen könnte, und die jüngsten Nachrichten aus Brüssel verstärkten dieses Gefühl, meint Stewart Robertson, Senior Economist bei Aviva Investors.

„Beide italienischen Koalitionsparteien stehen vielen Aspekten der EU seit langem sehr kritisch gegenüber. Sie haben während ihres Wahlkampfes Investitionszusagen gemacht, die Italien bei einer Umsetzung auf einen Weg weit abseits des EU-Stabilitätspakts führen würden“, so Robertson.