Italiens neue Regierung meint es gut mit dem Volk. Es soll ein Grundeinkommen geben und früher in Rente gehen soll auch möglich sein. Es wird Geld verschenkt, Geld, das Italien nicht hat. Trotzdem sind die Mehrausgaben des Staates nachvollziehbar.

Italien stagniert seit Jahren. Das hat dazu geführt, dass Italien inzwischen zu den ärmsten Ländern Europas gehört. Der Anteil der Bevölkerung, der unter schwerer Armut leidet, ist nur in Zypern und Griechenland höher (Grafik 1). Zypern holt allerdings auf und wird in ein bis zwei Jahren Italien überholen.

Italien-Ist-das-der-Anfang-vom-Ende-der-Eurozone-Kommentar-Clemens-Schmale-GodmodeTrader.de-1

Italiens Regierung will die Armut durch höhere Schulden bekämpfen. Das ist löblich. Es zeigt aber auch das große Dilemma. Die Regierung kann kurzfristig mehr Geld ausgeben und die Schulden erhöhen. Langfristig führt dies wohl aber zu einer Katastrophe.

Die Schuldentragfähigkeit Italiens ist schon jetzt mehr als zweifelhaft. Bei höheren Haushaltsdefiziten ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis die Zinsen auf ein Niveau steigen, welches sich der Staat nicht mehr leisten kann.

Geht Italien bankrott, ist damit auch niemandem geholfen, auch den Bürgern nicht. Kann sich der Staat kein Geld mehr leihen, kommt es erst recht zu einem Anstieg der Armut. Das Dilemma ist damit klar definiert: Wie kämpft man ohne zusätzliche Schulden Armut?

Eine mögliche Antwort wäre: Reformen. Wie gut das funktioniert, hat Griechenland gezeigt, nämlich so gut wie gar nicht. Irgendwie befindet sich Italien in einer Sackgasse. Das zeigen inzwischen auch die Zinsen.

Im Mai gab es kurzfristige Panik (Grafik 2). Die Zinsen der zweijährigen Staatsanleihen stiegen auf knapp 3 % und rentierten fast so hoch wie die 10-jährigen Papiere. Die Aussage des Marktes war klar. Es wurde vermutet, dass der Spuk schnell wieder vorbei sein würde und 10-jährige Anleihen nach wie vor einigermaßen sicher sind.

Italien-Ist-das-der-Anfang-vom-Ende-der-Eurozone-Kommentar-Clemens-Schmale-GodmodeTrader.de-2

Nun hat sich die Aussage umgekehrt. Der Markt verlangt zwar höhere Zinsen über alle Laufzeiten, allerdings ist der Anstieg am kurzen Ende der Zinskurve lange nicht so dramatisch wie im Frühjahr. Dafür steigen die Langfristzinsen auf neue Hochs. Der Markt geht davon aus, dass die kurzfristigen Schulden ohne Probleme bedient werden können. Bei den langfristigen Schulden ist man sich immer weniger sicher.

Das unterscheidet die heutige Situation von jener im Frühjahr. Es erinnert zudem an die Systematik der Eurokrise. Es ist gut möglich, dass wir hier die Neuauflage dieser Krise erleben. Ein Urteil darüber ist verfrüht. Es wäre nicht das erste Mal, dass diese Angst aufkommt und sich dann auch wieder verflüchtigt.

Die italienische Regierung hat sicherlich gut gemeinte Intentionen. Helfen werden sie Italien langfristig nicht. Stattdessen können sie zu einem Niedergang der Eurozone führen, was zugegebenermaßen nicht jeden stören wird. Als Anleger sollte man das Thema jedenfalls unbedingt verfolgen, um böse Überraschungen zu vermeiden.