Washington (Godmode-Trader.de) - Die chinesische Währung Yuan soll in den Korb der Sonderziehungsrechte (SDR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden. Im Laufe des Tages will der Exekutivrat des Währungsfonds in Washington zusammentreten und eine Entscheidung verkünden. Dabei gilt ein positives Votum als wahrscheinlich. Bisher haben den Status einer Weltreservewährung der US-Dollar, der japanische Yen, der Euro und das britische Pfund Sterling. Alle zusammen bilden die Sonderziehungsrechte, eine rechnerisch existierende Kunstwährung des IWF.

    Für Peking würde der Schritt Prestigegewinn bedeuten, eine Anerkennung sich verändernder globaler Machtverhältnisse. Die neue Präsenz des Yuan, auch Renminbi genannt, könnte Pekings langfristiges Ziel untermauern: der Yuan soll zu einer großen Weltwährung aufgebaut, die Dominanz des US-Dollars zumindest vermindert werden. Gravierende Veränderungen dürfte sich nach einer Aufnahme des Yuan zunächst nicht einstellen. Experten erwarten nicht, dass die Investoren deshalb auf Chinas Währung konzentrieren. Laut den Analysten der Credit Suisse könnte sich aber in den nächsten zwölf Monaten die allgemeine Risikobereitschaft verbessern und Kapitalzuflüsse bewirken. Im Hinblick auf die Nettokapitalströme in China (d.h. Zuflüsse abzüglich der Abflüsse) könnte bis zum vierten Quartal 2016 eine Stabilisierung eintreten.

    Es lassen sich auch Argumente gegen die Aufnahme des Yuan in den IWF-Währungskorb anführen. Chinas Währung ist nicht frei handelbar, der Kurs ist nicht frei, sondern maßgeblich von der chinesischen Zentralbank beeinflusst. Zudem spielt der Yuan als Reservewährung kaum eine Rolle in der Welt. Zuletzt wurden 45 Prozent aller internationalen Zahlungen in Dollar abgewickelt, nur 2,8 Prozent in Yuan. Chinas Währung holt allerdings schnell auf. Seit 2009 hat Peking an die 40 so genannte Swap-Abkommen mit anderen Ländern geschlossen. Das heißt: Handelspartner können ihre Geschäfte direkt in Yuan anstatt in Dollar abwickeln. Auch das Angebot von Yuan-notierten Finanzprodukten nimmt zu. So hat in Frankfurt vor zwei Wochen eine deutsch-chinesische Börse mit rund 200 Renminbi-Produkten den Handel aufgenommen.

    Mit einer weiteren Liberalisierung des Kapitalmarkts in China könnte im ersten Halbjahr 2016 beim Nationalen Volkskongress (NVK) im März zu rechnen sein. Peking müsste den Yuan und seinen Wechselkurs befreien, die Kapitalkontrollen aufheben, den freien Tausch zulassen.